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GOTTES AUFTRAG - HAT "DAS GANZE" EINEN SINN?


In GOTTBILDER wird die "Sehnsucht nach einem Lebenssinn" als Ausgang für die Betrachtung der Gottbilder genommen. Dort schreibe ich:
Die Sehnsucht nach einem Lebenssinn spiegelt sich in den Gottbildern.

Hier nun, mit der Frage danach, ob es so etwas wie einen GOTTESAUFTRAG, einen göttlichen, einen sozusagen "kosmischen" Auftrag an die Menschen, an die Menschheit gibt, schließt sich der Kreis:

Die Frage nach dem Lebenssinn des Einzelnen  verbindet sich mit der Frage danach, ob der ganze Kosmos, die Welt, die Evolution "einen Sinn" (Zweck, Ziel) haben oder nicht.
                        Das ist die MENSCHHEITSFRAGE.
(Sorry, kleiner geht's nicht.)

Vielleicht stört es viele, wenn ich hier von "Gottes Auftrag" rede. Deshalb möchte ich Sie bitten diese Formulierung als Gleichnis, als Metapher zu sehen.
Ich kann diese Menschheitsfrage auch in einer "atheistischen" Sprache formulieren, dann läuft sie darauf hinaus, die Frage nach der "Höherentwicklkung der Menschheit" zu stellen.

Die folgenden Notizen sind nur erste Gedanken zur Beantwortung dieser Menschheitsfrage, die ich hiermit zur Diskussion stellen möchte. Dabei versuche ich, mich dieser Fragestellung aus unterschiedlichen Bickrichtungen zu nähern:
1. Ziel, Sinn, Zweck, Vollkommenheit
2. Evolution und Schöpfung
3. Gottes Auftrag - die Höherentwicklung der Menschheit
4. Gibt es einen Drang nach einer Höherentwicklung des einzelnen Menschen bzw. der ganzen Menschheit?
5. "Gottes Wille" - die "ständige Schöpfung" muss fortgesetzt werden

1. Ziel, Sinn, Zweck, Vollkommenheit

"Alles wird gut" - ist das nicht auch die Botschaft der Religionen? Die "Causa finalis" (die Zielursache, die auf die Gegenwart geistig "rückkoppelt"), Begriffe wie "Optimierung", "Omegapunkt" und "Creatio continua" (die ständige Schöpfung) signalisieren: da ist etwas noch nicht "fertig", noch nicht "vollkommen" fertig.

Die Wissenschaft leugnet eine mögliche, denkbare Zielursache. Aber vielleicht irrt sie sich auch einmal und es gibt doch so etwas wie "Ziel", "Sinn" und "Zweck"?
"Gott" wäre dann nur ein anderes Wort dafür.
Führt die Idee einer Zielursache zwischen "Alles wird gut" und "causa finalis"   nicht letztlich direkt zu einem "wissenschaftlichen Gottbild"?

2. Evolution und Schöpfung

Natürlich kann man den Gegensatz beider Darstellungen über die Entstehung des Lebens betonen, indem man in sich ausschließender Gegenüberstellung nur eine der beiden Alternativen gelten lässt:
                                      Schöpfung ODER Evolution
Man kann aber auch versuchen, die "Evolution in der Schöpfung", die "Schöpfung durch Evolution" zu erkennen.
Oder - noch anders gesagt - muss man fragen:
Gibt es - anders als in der klassischen Evolutionstheorie postuliert - doch eine "zielgerichtete Evolution"?
Hat die Evolution einen Sinn, ein Ziel, und wenn ja, welchen Sinn bzw. welches Ziel?
Natürlich bin ich mir bewusst, mit dieser Sichtweise "zwischen die Fronten" zu geraten. Denn die Schlacht  zwischen den beiden Auffassungen tobt gegenwärtig mit aller Schärfe.

Dass es im Kosmos zielgerichtetes Handeln gibt, ist unbestreitbar.
Selbst wenn ich jetzt in die Küche gehe, um mir eine Tasse Kaffee zu brühen, handele ich zielgerichtet. Ich kann das auch so interpretieren:
Da ich Teil des Kosmos bin, "handelt der Kosmos in mir zielgerichtet".
Zum Vergleich: Wenn "ich sehe", dann sehen nicht meine Füße oder Ellenbogen, sondern meine Augen in Zusammenarbeit mit meinem Gehirn. Es ist gleichgültig, ob ich sage "ich sehe" oder "meine Augen sehen".
Ebenso ist es gleichgültig, ob ich sage "ich handele zielgerichtet" oder "der Kosmos handelt zielgerichtet".
Es gibt übrigens Formulierungen von einer "zielgerichteten Evolution" - wenn der Mensch durch Genmanipulationen in die natürlichen Vererbungsprozesse eingreift.

3.   Gottes Auftrag - die Höherentwicklung der Menschheit

Es dreht sich nun alles um die Frage nach einer möglichen Zielgerichtetheit der Evolution.

Man kann  natürlich auch, anstatt nach dem "Auftrag Gottes an die Menschen" zu fragen, danach fragen, ob die Menschheit zu einer Höherentwicklung fähig ist. Beide Formulierungen bedeuten das gleiche. Die zweite Version sollte auch für Atheisten akzeptabel sein, die garantiert noch vor der Vorstellung von einem göttlichen Auftrag zurückschrecken.

Falls die Frage nach der Zielgerichtetheit der Evolution mit "ja" beantwortet werden kann oder muss, ergibt sich daraus
die Frage, was wir Menschen daraus ableiten können:

Wie sieht unser Anteil an der Gestaltung dieser Evolution aus?
Welchen "Auftrag" hat Gottes sozusagen uns Menschen mit auf den Weg gegeben?
Ist die Menschheit zu einer Höherentwicklung fähig - und falls ja, wie soll sie diese Höherentwicklung für die Zukunft bewerkstelligen?
Worin sollte diese Höherentwicklung überhaupt bestehen?
Wer sind die Menschen, die die Menschheit höher entwickeln können und wer sind die Menschen, die diese Menschheit noch immer daran hindern, diesen Weg auch endlich mit höhere Effektivitä zu gehen?

4. Gibt es einen "Drang nach einer Höherentwicklung des einzelnen Menschen bzw. der ganzen Menschheit"?

Einige menschliche Eigenschaften lassen diesen Drang durchaus erkennen:

Die Sehnsucht nach Liebe und das Gewissen, die innere Stimme

Ein Mensch, der aus Liebe handelt, kann gar nicht "böse" sein. Passieren ihm Fehler in seinem liebevollen Handeln, sind sie ihm selbst schon Qual genug, ohne dass Außenstehende urteilen oder verurteilen müssen bzw. dürfen.
Er wird sie von selbst, von sich aus korrigieren, also "wieder gut machen" wollen.
Seine "innere Stimme", sein Gewissen zeigen ihm dann den richtigen Weg.
Er muss also nicht gesagt bekommen, was richtig und was falsch ist, was er tun muss und was er nicht tun darf. Er kann "selbstbestimmt lernend" handeln.
Sein selbstbestimmtes Handeln ist Teil der "Selbstorganisation der Menschheit". Die Menschheit ist auf Höherentwicklung "programmiert".
Es darf nicht mehr zugelassen werden, dass Menschen diese Liebesfähigkeit genommen oder zerstört wird.

Das Streben nach Erkenntnis und Vollkommenheit

Dieser innere Drang ist heftiger als alle anderen "Instinkte" des Menschen: Hunger und Liebe sind höchstwichtige Motivationen eigenen Handelns, doch der Erkenntnistrieb und das Streben nach Entfaltung seiner inneren Anlagen toppt all das:
Für diesen Erkenntnistrieb (Neugier, Wissensdurst, Sehnsucht nach dem Unbekannten) tun Menschen einfach alles, sie riskieren sogar ihr Leben dafür.

Valentina Tereschkowa, die erste Frau im Kosmos, sagte einmal, sie würde auch dann unbedingt auf den Mars fliegen wollen (falls es diese Möglichkeit gäbe),  wenn sie nicht mehr zurückkehren könne.

Auf der Seite ERKENNTNISTRIEB UND SPIRITUALITÄT hier in diesem Thema nenne ich diesen Erkenntnistrieb daher auch "ein Gottesgeschenk".
(PS: Wir bewegen uns immer noch auf der Ebene, dass wir dem "Hunger" Vorrang vor allen anderen "Trieben" geben, obwohl das schon lange gar nicht mehr nötig ist - es wäre genug für alle da. Aber das ist ein weites Feld ..,)

Die Suche nach dem Sinn des Lebens

Diese Suche nach einem Sinn, den man dem eigenen Leben geben möchte, schließt die Hoffnung auf einen über das eigene Leben hinausreichen Sinn und Zweck ein.
Fast alle Menschen, die darüber nachdenken, möchten Spuren in der Welt hinterlassen. Auch die Hoffnung auf ein "ewiges Leben" gehört hierher.

Der Spruch von
• dem Baum, der zu pflanzen sei (Einfluss auf die Umwelt, bewahren der Natur, der Erde),
• dem Haus, das zu bauen sei (Kreativität einbringen und etwas schaffen, das es zuvor noch nie gegeben hat),
• dem Sohn, der zu zeugen sei (die biologische "Weitergabe" der Existenz der Menschheit - Kinder bekommen und ihnen eine gute Kindheit geben)
und - und gelegentlich auch erwähnt -
• dem Buch, das man schreiben soll (die Weitergabe eigener Fähigkeiten und eigenen Wissens an die nächste Generation)
fasst diese Möglichkeiten, dem Leben Sinn zu geben, schon sehr gut zusammen.
(Nicht jeder muss alles davon tun.)

5. "Gottes Wille" -  die "ständige Schöpfung"
muss fortgesetzt werden

Nun bleibt nur noch, die Frage zu klären, warum Gott uns diesen Auftrag gegeben hat bzw. warum der Kosmos Menschen (also die Fähigkeit zum bewussten, zielgerichteten Handeln) hervorgebracht hat?
Wenn es diese "creation continua", diese "ständige Schöpfung" gibt, dann können wir uns als "Handlager Gottes" sehen, diese Schöpfung zu vollenden.
Was meint aber diese "ständige Schöpfung"? Sie meint, dass nicht "alles ewig gleich bleiben kann", sondern dass sich alles ändern muss, denn nur so kann es bestehen.
Das Bild von der "ständigen Schöpfung"  ist wunderbar anschaulich.
Es sagt auch, dass der ganze Kosmos, so wie wir ihn heute sehen, noch lange nicht "fertig" ist, dass auch die materiellen Strukturen insgesamt zu einer Weiterentwicklung, zu einer Höherentwicklung hin zu immer komplexeren Strukturen fähig sind.
Analog schließt dieses Bild  die geistig-seelische Weiterentwicklung der Menschen selbst ein.
So wie sich weitere Strukturen entfalten werden, so wird auch der Mensch eine heute einfach noch unvorstellbare Höherentwicklung erfahren können.

Hierbei sehe ich auch eine Verbindung zu dem oft zitierten Spruch
      Die Materie will sich vergeistigen, der Geist will sich materialisieren.


Seitenversion:  erg. 22.02.2022
URL:  www.brunhild-krueger.de/guw/guw7-gottesauftrag/guw70_gottesauftrag.html