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SPRACHLIEBE - MIT LUST UND LIEBE SPRECHEN

MUTTERSPRACHE UND WELTSPRACHE

Ausgelöst von der Information über den "Internationalen Tag der Muttersprache" habe ich zum 22.02.2019 diese ersten Notizen über die "Muttersprache" ins Netz gestellt:

Vaterland und Muttersprache

Während Sprachfeminstinnen dem "Vaterland" den Kampf angesagt haben und möchten, dass besser vom "Heimatland" gesprochen wird, ist das Wort "Muttersprache" heimlich, still und leise so ziemlich in der Versenkung verschwunden.  Die Wissenschaft bevorzugt statt dessen das Wort "Erstsprache". Die Begründung ist, dass ja nicht alle Menschen ihre "erste Sprache" von ihrer Mutter lernen.

Meiner Meinung nach sollten beide Wörter - Vaterland und Muttersprache - gemeinsam erhalten werden. Dank ihres gegenseitigen Bezugs kann sich wohl niemand geschlechtsspezifisch diskriminiert fühlen. Auch das "dritte Geschlecht" hat biologische Eltern, Mutter und Vater.

Der "Internationale Tag der Muttersprache" am 21. Februar 2019

Trotz größter Aufmerksamkeit für alle Informationen in den Medien zu sprachlichen Fragen hörte ich zum ersten Mal am 24.01.2019 vom "Internationalen Tag der Muttersprache" A1
Dieser Tag wurde im Jahr 1999 durch die UNESCO ausgerufen. Auslöser war die sprachliche Unterdrückung der Muttersprache der ostpakistanischen Bevölkerung seit den 50er Jahren des 20. Jh., in deren Folge sich dieser Teil von Pakistan abspaltete, es zur Gründung des selbständigen Staates Bangladesh kam.
Das Anliegen der UNESCO ist die "Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit". Hintergrund ist, dass mehr als die Hälfte der in der Welt existierenden Sprachen vom Aussterben bedroht sind. Viele dieser "Minderheitensprachen" werden nur noch von wenigen Menschen gesprochen. Es gilt, sie vor dem Vergessen zu bewahren. Q1

Die "Luthersprache" als Muttersprache der Deutschen

Es wird immer wieder darauf verwiesen, dass mit der Bibelübersetzung Martin Luthers der deutschen Sprache eine gemeinsame Grundlage gegeben wurde.  Die mitteldeutsche Mundart, wie sie um das damalige Wittenberg gesprochen wurde, avancierte so zur Basis der deutschen Sprache schlechthin.
Sieht man sich allerdings das Deutsch an, das von Luther selbst geschrieben wurde, sind die Unterschiede zum heutigen "Hochdeutsch" erstaunlich. In nur 500 Jahren hat unsere Muttersprache eine gewaltige Entwicklung genommen.
Manche Veränderungen sind so extrem, dass man eine Übersetzung benötigt, um das damals Gesagte bzw. Geschriebene noch zu verstehen. Bei vielen Worten erschließt sich uns heute die damalige Bedeutung gar nicht mehr.
Logisch, denn Sprache lebt und entwickelt sich ständig weiter.

Das Wechselspiel von geschriebener und gesprochener Sprache

Auch wenn bis heute überall in Deutschland noch verschiedene Dialekte zu finden sind, in der Schriftsprache ist sich Deutschland einig. Daran ist jedoch weniger Martin Luther selbst schuld, als Herr Konrad Duden mit seiner Rechtschreiblehre.

Die "Hauptstadt der deutschen Sprache"  Wittenberg

Sprachwissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg möchten Wittenberg zur "Hauptstadt der deutschen Sprache" machen.
Zu diesem Zweck wurde bereits vor Jahren der Verein "WortWerkWittenberg e.V."  (siehe http://www.wortwerkwittenberg.de) gegründet. Nun hat dieser Verein  gemeinsam mit der Leucorea eine Vortragsreihe ins Leben gerufen:
In der "Redezeit" geht es einmal im Quartal  (immer am 2. Montag des Quartals) um spezifische Fragen der deutschen Sprache:

Am 08.10.2018 sprach Prof. Dr. Hans-Joachim Solms (Uni Halle / Saale)
          "Sprache und Nation"; 
am 14.01.2019 gab Prof. Dr. Gerhard Meiser (Uni Halle) die Grundlage zu einer regen Diskussion rund um das hochbrisant-aktuelle Thema
            "Politische Korrektheit (political correctness)";
am 08.04.2019 Prof. Steffen Leuschner (Berlin)
           "Wo sind nur die Wörter hin? DDR-Wortschatz heute";
und am 08.07.2019 Dr. Ulrich Wenner aus Berlin zum Thema
          "Mundartlandschaft Wittenberg".

Nachtrag am 22.02.2020
Seitdem habe ich nichts mehr von dem Verein und dem Plan, Wittenberg zur Hauptstadt der deutschen Sprache zu machen, gehört.


"My Fair Lady" - Dialekte, Volksmund, Slang, Umgangssprache

Früher haben sich die Eliten vom gemeinen Volk abgegrenzt, indem sie eine bestimmte Fremdsprache bevorzugten: lange Zeit war das Latein die Sprache der Kirche und der Wissenschaft, eine Zeitlang sprach man in der "besseren Gesellschaft" nur französisch.
Deshab war die Bibelübersetzung Luthers (s. o.) auch die eigentliche Revolution in der Reformation. Das Volk war nicht mehr ausgeschlossen vom Wissen der Kirchengelehrten.

Die Volkssprache, die Dialekte galten und gelten bis heute als minderwertig.
Wer es zu etwas bringen will im Leben, muss große Sorgfalt auf seine Sprache legen, "hochdeutsch", "gepflegt" sprechen.
Sehr schön kann man sich das in dem Musical "My Fair Lady" ansehen. Prof. Higgins  (Lex Harrison) giftet in dem Film von 1964 gegen das arme Straßenmädchen Eliza Doolittel und ihre ordinäre Sprache:
Eliza würde "Muttersprachenmord" begehen, er sagt zu ihr:
"Du fleischgewordene Beleidigung deiner Muttersprache"

und verweist darauf:
"Die Sprache macht den Menschen ..."
Nun kann man über seinen Sprachkurs für Eliza denken, was man will. Denn schließlich verliert sie damit zum Schluss in ihrer Aussprache jeden Hauch von Herkunft, wie Higgins sich rühmt, ihn bei jedem Menschen erkennen zu können. Bei Eliza bleibt nichts mehr davon übrig: sie spricht so perfekt, dass es schon einer Maschinensprache gleicht. Dass sie mit dieser Sprache sich von ihren alten Freunden so sehr abgrenzt, dass diese sie kaum noch erkennen, ist die Konsequenz.

Anmerung A1
Vom "Internationalen Tag der Muttersprache" hörte ich zum ersten Mal durch den Newsletter der deutschen UNESCO-Kommission vom 24.01.2019, der auf einige wichtige Termine des ersten Halbjahres 2019 aufmerksam machte, dabei allerding nicht auf diesen Tag verwies. Doch ein Link aus dem Newsletter führte mich auf die entsprechende Website mit Terminen und von dort auf weitere Seiten:
https://www.unesco.de/termine (insgesamt 5 Seiten für 2019, angesehen am 24.01.2019)
Dieser Tag findet jährlich am 21. Februar statt. Jährlich heimlich, still und leise.

Quellenangabe 1
Diese Informationen habe ich dem Wikipedia-Artikel über "Internationaler Tag der Muttersprache" entnommen (Stand 24.01.2019).
Ausführliche Informationen (nicht auf deutsch; hier die URL für die englische Sprache; weitere Sprachen werden angeboten) bietet die Seite http://www.un.org/en/events/motherlanguageday/.

Seitenversion:  erg. 31.05.2021
URL: www.brunhild-krueger.de/spr/spr4-muttersprache/spr40_muttersprache.html