Zivilisationsgeschichte ist also aus Ken Wilbers Sicht gleichbedeutend mit Zähmung männlicher Triebe.
Das ist in jeder Beziehung eine recht einseitige Sicht auf Geschichte:
1. wird Geschichte damit auf die Rolle bzw. das Verhalten der Männer reduziert.
2. geht es eigentlich nicht so sehr um "Zähmung". Die Natur hat sich ganz sicher mehr dabei "gedacht", diese Triebe auszuprägen, so daß es nicht Sinn sein kann, sie zu "zähmen" oder gar zu unterdrücken.
Es geht vielmehr darum, in welcher Form sie zivilisiert ausagiert werden können. Wenn es um das "Vögeln" geht, wäre es durchaus vorstellbar, daß die Kinder in der Schule ein Pflichtfach "Liebeskunst" bekämen: die Fähigkeit lernen, den Sexualtrieb mit höchstem Genuß und höchster Kunstfertigkeit zu befriedigen - vergleichbar mit dem Fünf-Sterne-Restaurant der feinen Küche.
Huch nein, wie kann man so was denken ?
3. Ich stelle in Frage, daß der Tötungstrieb beim heutigen Mann derartig ausgeprägt ist. Die Traumata der Soldaten, die aus Afghanistan zurückkommen, sprechen eine andere Sprache.
Mit anderen Worten: Es geht darum, den einen Trieb zu entfalten und zu "verfeinern", den anderen (da er nicht mehr benötigt wird!) zu dämpfen, umzuprogrammieren, in spielerischen Formen abzureagieren usw.
4. Wer - bitteschön - soll denn diese Zähmung leisten? Die Frauen? Oder ist es eine Aufgabe der "Selbstbeherrschung" und "Selbstkontrolle" der Männer? - Und dann wäre es wünschenswert, diese Frage einmal in aller Offenheit und Öffentlichkeit zu diskutieren. |