| 1. aus der taz* vom 8. 3. 2006 , aus "
Das große Muttern" |
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"Der unbewusste Mutterkult hat eine Ungeheuerlichkeit geschaffen. Daheimbleibende Mütter sind ohnehin keine Emanzipations-Vorbilder, dazu sind sie als Bindungs- und Bildungs-Expertinnen auch noch schuld an jedem Problem des Kindes. Aber auch Frauen, die im Beruf vorankommen wollen, sitzen in der Mutterkult-Falle: Sie haben vorsichtshalber keine Kinder und deshalb Angst, etwas Elementares zu verpassen. Wenn sie doch welche haben, schlägt pausenlos das schlechte Gewissen. Das große Muttern holt jede ein, egal, wie sie sich herauswinden möchte.
Dass dies heute überhaupt sichtbar wird, kann nur daran liegen, dass der ganz große Mythos des Mutterns langsam verblasst. In der Wissenschaft hat die Verabschiedung schon längst eingesetzt: Bei genauerer Betrachtung stellt sich heraus, dass der Mutterinstinkt im Tierreich keineswegs blinde Aufopferung für den Nachwuchs bedeutet. Vielmehr lassen Tiermütter einen Teil ihrer Nachkommen schon vorsorglich sterben, wenn sie merken, dass die Aufzuchtbedingungen zu schlecht werden, beschreibt die Evolutionsbiologin Sarah Blaffer Hrdy in ihrem Standardwerk "Mutter Natur". Wenn man solche Vergleiche überhaupt heranziehen möchte, dann müsste man sagen: Gerade die kinderlosen Frauen verhalten sich nach einem urtümlichen Mutterinstinkt: Sie lehnen es ab, unter ungünstigen Bedingungen Kinder in die Welt zu setzen.
Auch die psychologische Bindungstheorie hat sich langsam von der Mutter abgenabelt: Tatsächlich begünstigt die Hormonlage der Mutter nach der Geburt, dass sie schneller auf das Kind reagiert. Nicht zuletzt beim Stillen wird diese Bindung verfestigt. Doch wenn keine Mutter da ist oder die Mutter sich eine Weile taub stellt, so berichtet Blaffer Hrdy, dann kann auch eine andere Person, ja: auch ein Mann, Mutterqualitäten für eine gute Bindung entwickeln. Spätestens mit dem Abstillen könnten Väter genauso gut muttern wie Mütter: Sie müssen nur wollen - und man muss sie lassen." |
* taz - Quellenangaben siehe Quellen
Die fette Hervorhebung im Zitat ist von mir. - B. K. |
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Unvoreingenommen geht Hrdy in diesem Zusammenhang folgenden Fragen nach: Was steckt hinter der Bevorzugung von Nachkommen eines bestimmten Geschlechts beim Menschen? Wie bringen Mütter es fertig, ihre eigenen Kinder zu töten? Woher kommt der Mythos der sich aufopfernden Mutter? Welche Rolle spielen Väter und Ersatzmütter in der Kindererziehung? Warum widmen sich Männer so viel seltener der Kinderbetreuung als Frauen? Wohin führt das postindustrielle Experiment arbeitender Mütter und Väter, die für ihren Nachwuchs nur begrenzt Zeit haben? |
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| 3. Der SWR titelte eine Sendung über dieses Buch "Mutterinstinkt oder Elternliebe" |
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SWR2 Leben - Manuskriptdienst
Mythos Mutterinstinkt Liegt die Liebe zum Kind in der Natur der Frau?
Autorin: Sabine Hesse
Redaktion: Petra Mallwitz
Regie: Birgitt Kehrer
Sendung: Mittwoch 20.06.2007, 10.05 Uhr, SWR 2
Gleichzeitig mit der Veröffentlichung des Manuskripts zu dieser Sendung wird betont:
Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR.
Mitschnitte von allen Sendungen der Redaktion Leben (Montag bis Freitag 10.05 bis 10.30 Uhr) sind beim SWR Mitschnittdienst erhältlich.
Telefon 07221/929-6030 |
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Diesen Hinweis habe ich über die Google-Suche im April 2008 nach "Sarah Blaffer Hrdy" gefunden. In dem Manuskript werden einige sehr spannende, teilweise auch provokative Aussagen aus dem Buch von Hrdy vorgestellt, so z. B. dieses (Das Zitat aus der entsprechenden Seite des SWF habe ich etwas gekürzt.):
Eine Erzählerin sagt: |
Der genaue Pfad ist etwas umständlich und lang, hier der Anfang:
www.swr.de/swr2/
programm/sendungen/ leben ...
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"Conny blieb bei ihrer Entscheidung für das Kind. In der Geschichte der Menschheit war das unter solchen Umständen oft anders. War die Mutter selbst in einer schwierigen Situation, tötete sie ihr Kind, oder entschied sich, das Baby auszusetzen.
Die Anthropologin Blaffer Hrdy erklärt:
»Gleich nach der Geburt hat die Natur ein Fenster vorgesehen, durch das eine Mutter sich relativ schmerzfrei von ihrem Kind zu trennen vermag.«
Erzählerin:
Für diese Behauptung spricht, was selbst Claudia, der von vorneherein glücklichen Mutter, aufgefallen ist: Die Bindung an das Kind ist nicht auf einen Schlag voll da, sondern wächst und verstärkt sich erst mit der Zeit." |
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Vielleicht genügen diese ersten Meinungen, Sie neugierig zu machen, selbst einmal in dieses Buch zu sehen? Es ist - angesichts diverser oberflächlicher bis mütterdiskriminierender Meinungen von Politikern - sehr zu empfehlen. Hiermit möchte ich es auch unserem Landesvater in Sachsenanhalt, dem ehemaligen Frauenarzt Prof. Dr. Manfred Böhmer, dringend ans Herz legen. |
siehe auch in lose Gedanken die Seite 2008-02 dort der Abschnitt
2. Zwei-Klassen-Embryonen?
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