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bearb. 01. 01. 2010
Hexe
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Aufs Maul schauen
 
 
Das alte Klatschweib
Aufs Maul schauen - oder "Wie reden sie denn?"
Kleine Betrachtungen über den Umgang mit unserer schönen deutschen Sprache


"Aufs Maul schauen" ist eine Redewendung, die auf Martin Luther zurückgeht, der empfahl, dem Volk auf dieses zu schauen. Ihm ging es darum, was das gemeine Volk zu sagen hatte. 

Mir geht es jedoch mehr darum, wie  das gemeine Volk redet. Anders gesagt, hier will ich zeigen, wie gemein manch einer mit unserer schönen deutschen Sprache umgeht - ich will sozusagen die "Sprachschweine" vorführen. Es geht  mir dabei um den sorgfältigen Umgang mit unserer Sprache, um ein sorgfältigeres und auch logischeres Denken.  Es geht auch um Höflichkeit und Respekt gegenüber Zuhörern und Lesern.

Oft wird schon die einfache Informationvermittlung und -aufnahme durch Sprach-Schlampereien der Sprecher  bzw. Schreiber erschwert, verzögert oder ganz unmöglich gemacht. Nicht selten beobachte ich gerade bei Männern, daß sie in einer abgehobenen, abstrakten, unverständlichen Sprache reden und darüber noch stolz sind. Es ist für mich immer wieder erstaunlich zu sehen, wie schwer es manch einem Zeitgenossen fällt, sich auf das "Versteh-Niveau" des Zuhörers einzustellen.

Zum Ausgleich für diese "Negativ-Beispiele" habe ich eine Seite vorgesehen, auf der es um die spielerische Sprache  gehen soll - die Fähigkeit, mit den Möglichkeiten unserer Sprache zu spielen, ihre Doppeldeutigkeiten und Hintersinnigkeiten zu genießen.

Weiter unten gibt es  noch eine kleine Erinnerung an Viktor Klemperer und sein Buch "LTI".

Auf den ersten weiterführenden Seiten  geht es um:

beamtisch Die Sprache des Beamten (Diese Seite ist noch in Arbeit)
dümmlich Die dümmliche Sprache
gelehrtisch Die Sprache des Gelehrten (Diese Seite ist noch in Arbeit)
kriegerisch Die kriegerische Sprache
männlich Die männliche Sprache - und die weibliche natürlich auch
spielerisch Sprach-Spielereien -   das Genießen von Doppeldeutigkeiten und Hintersinnigkeiten  (Diese Seite ist noch in Arbeit)
zeitgeistlich Die zeitgeist-liche Sprache - typische Worte unserer Zeit
zynisch Die zynische Sprache
   

Eine erste Literaturempfehlung zu Sprachschludereien:
Bastian Sick ("Zwiebelfisch") und seine Bücher "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod"


Ein Wort, das  in keine der bisher angelegten Themen paßt, will ich hier "zwischenlagern" - vielleicht eröffne ich auch noch eine Rubrik "historisch":
Schillers "Kabale und Liebe"  handelt praktisch  nur von diesem Wort: man heiratete damals "standesgemäß":
Doch heute ist dieses Wort ungeschrieben genauso prägend für Beziehungen, die man eingeht oder auch nicht, auch heute sind bestimmte Leute einfach "nicht standesgemäß".

Das Wort stammt aus der Zeit des Feudalismus:
Als Kinder spielten wir diese "Stände" durch:
Kaiser - König - Edelmann - Bürger - Bauer - Bettelmann.
Alles "Freiheit-Gleichheit-Brüderlichkeit"-Gerede hat nichts geänder: nur die Namen für die Stände sind heute etwas anders. Eine Zeit war der Standesbegriff im Begriff der "Klasse" wiederzufinden , z. B. der "Arbeiterklasse",  heute spricht man lieber von den "sozialen Randgruppen".  Auch die Rassenideologie  im Dritten Reich war vom Grundgedanken her eine "Standeslehre". Auch hier waren die Zugehörigkeitskriterien wie im Mittelalter, in dem die Zugehörigkeit zu den Ständen wesentlich "blutsbedingt" bzw. durch Geburt / Abstammung geregelt waren. Für Frauen galten diese Stände zwar auch, jedoch konnten Standes- Grenzen gelegentlich durch Heirat überwunden werden. Das Neue an den moderneren Klassen- und Gruppendefinitionen  ist lediglich, daß sich die Zugehörigkeitskriterium  geändert haben: nicht mehr Blut, sondern Besitz und politischer Macht sowie die Stellung im Arbeitsprozeß regeln, welche Stellung (welchen Stand) ein Mensch in unserer modernen Gesellschaft hat:
"Die oberen Zehntausend" (wahlweise "die Reichen und die Schönen") - das Bildungsbürgertum - der Kleinbürger - der "Otto Normalverbraucher" (der "gewöhnliche" Arbeiter) - der Billiglohnarbeiter - der Hartz-IV-Empfänger.
Erinnerung - der Lehrer Viktor Klemperer und sein "LTI"
 
Es gibt ein Buch von Viktor Klemperer: LTI - Lingua Tertii Imperii - Die Sprache des Dritten Reiches. Dieses Buch hat mir sehr geholfen, Sprache besser zu verstehen: das meint, zu verstehen, welche Wirkungen von einzelnen Worten und Formulierungen ausgehen kann, wie man mit geeigneter Wortwahl Ideologie betreiben, Menschen diskriminieren, manipulieren, verdummen und verblöden, geistig entmündigen, die Wahrheit vertuschen usw. kann. Es sollte Teil des Lehrplanes im Deutschunterricht sein.  Dieses Buch schult den Wahrheitssinn und die Sorgfalt im Umgang mit Sprache, es schult das Selbst-Denken und hilft, Tricks für die Verdummung von Menschen zu durchschauen ....
Viele seiner Beobachtungen können - leider - in abgewandelter Form auf die heutige Sprach-Kultur und Sprach-Unkultur angewandt werden.

Irgendwann werde ich vielleicht ausführlicher auf dieses Buch zu sprechen kommen ...
 
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www.brunhild-krueger.de / Das Klatschweib /  Aufs Maul schauen, seit 07. 04. 2008 im Netz