Nein, die "Rache des kleinen Mannes" (bzw. der Frau) soll das nicht werden. Auch wenn das Gefühl der Hilflosigkeit und Ohnmacht schon in der Erinnerung an Beamtendeutsch-Texte mir die Haare zu Berge stehen läßt und ich mich wie unter Folter gesetzt fühle - die Sammlung, die ich hier beginne, soll nicht einfach die "beamtische" Sprache ironisch-spaßig spiegeln. Sie ist sozusagen nur die öffentlich dargestellte Vorarbeit für eine Studie,
die Denk- und Sprechweise des deutschen Beamten besser verstehen zu lernen.
Mir ist durchaus verständlich, warum ein Beamter gezwungen ist, solche Sprachungetüme zu verwenden. Die natürliche Mehrdeutigkeit einer lebendigen Sprache läßt Spielraum für Interpretationen und Sprachspielereien. Davor muß ein Beamter sich schützen. Was er schreibt, muß eindeutig und unanfechtbar sein, "klagesicher" sozusagen.
Die beamtischen Wortschöpfungen gehen auf das Kerbholz
einiger weniger Verursacher bzw. Beamtendeutsch-Ausdenker. Die Zahl der gezwungenermaßen sie berufsmäßig anwenden Müssenden geht in die Tausende. Die Zahl derer, die mit dieser Sprache konfrontiert werden und sie im Normalfall nicht verstehen, geht in die Millionen.
Trotzdem ist eine Art "Resonanz-Effekt" zu beobachten:
Menschen lieben es offenbar, auch in Situationen, in denen dieses Beamtendeutsch nicht verwendet werden muß, sich in dieser Sprache auszudrücken.
Wenn ich mit dieser Sammlung ein wenig fortgeschritten bin, will ich versuchen, ob ich anhand der Beispiele herausbekommen kann, warum Menschen das tun:
Ist es versteckte Ironie oder nur dummes, gedankenloses Nachplappern? Ist es eine Art "Sucht" oder "Lust", die diese Deformierung der Sprache auslöst, so ähnlich, wie es die Lust eines Masochisten daran ist, geschlagen und gedemütigt zu werden? Oder ist es staatsbürgerlicher vorauseilender Gehorsam des Untertanen, der sich bei Vorgesetzten bzw. bei der Obrigkeit anbiedert, indem er deren Sprache spricht?
Zu den Quellenangaben: ausführlichere Informationen siehe Quellen