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08. 03. 2009
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Aufs Maul schauen - die männliche Sprache und die weibliche natürlich auch

Natürlich würde ich es nie wagen, an dieser Stelle über männliche Sprache zu schreiben, wenn es nicht das schöne Wörterbuch

"Deutsch - Frau   Frau - Deutsch"
mit dem Untertitel
"Schnelle Hilfe für den ratlosen Mann"
von Mario Barth gäbe.

Er macht diesen Vergleich - wie es sein Beruf ist - ganz lustig und locker.

Wenn früher Frauen über "Das Deutsche als Männersprache" schrieben  oder  über "Gewalt durch Sprache - Die Vergewaltigung von Frauen in Gesprächen" (nähere Quellenangaben: siehe in den Quellen unter Pusch und Trömel-Plötz), dann waren das sehr ernste und  normalerweise sehr wissenschaftliche Texte. Mann las sie bestimmt nicht und Frau sicher auch nur ausnahmsweise.
Im allgemeinen quälte man sich höchstens mit dem Endungsproblem "-in" .

Im folgenden möchte ich lediglich einige Informationen und Gedanken über Sprache - sei sie nun geschlechtlich bestimmt oder nicht - zusammentragen, die ich für bemerkens-, nachdenkens- und aufbewahrens-wert halte. Ich versuche dabei, Wertungen zu vermeiden und nur logisch-rational zu argumentieren.

  1. Mario Barth und die Frage, ob es das Deutsche nur als Männersprache gibt und ob Frauen eine andere Sprache  sprechen
  2. Die Endung "-in" und die "Deutschin"
  3. Über Menschen und Frauen - ein Beispiel aus der "taz"
4. Die Ungleichbehandlung der Frauen
1. Mario  Barth und die Frage, ob es das Deutsche nur als Männersprache gibt und ob Frauen eine andere Sprache sprechen
 
Mario Barth hat es uns gezeigt: Man muß an die Sache heiter herangehen, nicht so verbissen. Bei aller Spitzzüngigkeit geht es doch letztlich nur um ein besseres Verstehen der Geschlechter untereinander. Er hat uns gezeigt, daß es wirklich so ist:

Die deutsche Sprache ist eine Männersprache. Deutsche Frauen sprechen einfach eine andere Sprache als deutsche Männer - und die heißt "Frauensprache" und nicht "Muttersprache".

Ich rechen ihm diesen Versuch hoch an. Er hat diese Fragen auf einer Ebene bewußt gemacht,  die Spaß macht und gern gelesen wird. Zumindest war das Buch im Jahr 2004 ein Knüller, der in allen Zeitungen und im Fernsehen vermarktet wurde. Wie mit vielen anderen, eigentlich ganz guten Dingen ist es auch dem Buch gegangen: es ist still darum geworden. Erschienen ist es damals übrigens im Langenscheidt Verlag München. Das ist der Spezialverlag für  Wörterbücher und es ist ziemlich erstaunlich, daß er bei diesem Spaß-Buch mit gemacht hat. Vielleicht fühlen sich ein paar Feministinnen von ihm auf den Schlips getreten, vielleicht können mehr Männer als Frauen über das Buch lachen, vielleicht sind einige Frauen erstaunt, wie gut Mario Barth den primitiven Gebrauch der deutschen Sprache durch Männer durchschaut hat und vorführt.  Die Nuancen, die Frauen beherrschen, die Doppeldeutigkeiten, dieses "zwischen den Zeilen" sich ausdrücken, das uns oft so großen Spaß macht - Männer verstehen das nun einmal nicht. Und es ist gut, daß Mario Barth uns allen darüber die Augen geöffnet hat.
Und wenn er dann noch behauptet:
"Ich will Frauen nicht vorführen, sondern eigentlich nur Hilfestellung geben."
dann können wir ganz sicher sein, daß er das auch wirklich so meint, ganz wörtlich.
Sicher mußte er diese Erklärung abgeben, weil er von einer Frau gefragt wurde, ob er Frauen vorführen will.
Denn er sagt auch:
"Für Frauen ist es schwierig nachzuvollziehen, dass wir Männer einfach nur das sagen, was wir auch meinen."
Seitdem rede ich mit meinem Sohn anders als mit meiner Tochter, einfacher, kürzer, direkter eben.

Übrigens, wie klänge dieser Satz aus dem Mund einer Frau:
"Ich will Männer nicht vorführen, ich will ihnen eigentlich nur Hilfestellung geben." - ?
 
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2.  Die Endung "-in" und die "Deutschin"
die Deutschin?
Auslöser, diese Seite zusätzlich zu eröffnen, war mein Nachdenken über eine interessante Eigenart der deutschen Sprache:
Der und die Deutsche heißt es. Im Substantiv allein ist so das Geschlecht des / der Deutschen nicht erkennbar. Die weibliche Form ist gleichzeitig die Pluralform - "die Deutschen" - das eröffnet den Mehrdeutigkeiten Tür und Tor.

Wie einfach haben  wir es dagegen mit anderen Nationen, Städten, Berufsgruppen usw.
der Franzose - die Französin - die Franzosen - die Französinnen
der Römer - die Römerin - die Römer - die Römerinnen
der Europäer - die Europäerin - die Europäer - die Europäerinnen.
der Deutsche - die Deutsche - die Deutschen.
der Lehrer - die Lehrerin - die Lehrer - die Lehrerinnen.

Für deutsche Frauen gibt es keine separate Pluralform. Wie klänge das:
die Deutschin, die Deutschinnen?

 
Endungs-Probleme
Es folgend einige Beispiele zu den Problemen mit dieser Endung "-in".
- Kann der berühmteste französische Schriftsteller auch eine Frau sein?
- Ist die beste Wissenschaftlerin auch die beste aller -  der männlichen und der weiblichen - Wissenschaftler oder nur aller weiblichen Wissenschaftler?

Solche und ähnliche Fragen konnten die reinsten Stundenfresser in Amststuben und Gleichstellungsbüros sein. Eine einfache, akzeptable Sprachregelung, die vor allem den Sachverhalt eindeutig wiedergibt, ist offenbar noch immer nicht in Sicht.

 
Eine Frage des richtigen Geschlechts
Die meisten Tierarten haben vier Formen, in denen die Art und die einzelne Untergruppen bzw. Individuen bezeichnet werden. Doch es gibt von Fall zu Fall kleine Unterschiede:

Art-Bezeichnung
als Neutrum
die männlichen
Individuem
die weiblichen Individuen die kindlichen
Individuen,
ebenfalls als
Neutrum
das Rind der Bulle,
der Stier,
der Ochse

die Kuh,
die Fährse (weibliches Jungrind)

das Kalb
das Schwein der Eber die Sau das Ferkel
das Huhn der Hahn die Henne das Küken
       
Art-Bezeichnung
als Femininum
die männlichen
Individuem
die weiblichen
Individuen
die kindlichen
Individuen,
als Neutrum
die Katze,
älter auch:
der Kat(z)
der Kater die Katze,
die Kätzin
(gefunden in einem Buch über Katzen-Haltung)
das Kätzchen,
Kätzlein, Katzenbaby
       
Art-Bezeichnung
als Maskulinum
die männlichen
Individuem
die weiblichen
Individuen
die kindlichen
Individuen,
als Neutrum oder Maskulinum usw.
der Fuchs der Fuchs die Fähe,
neuer: die Füchsin
der Welpe
der Hund der Hund die Hündin der Welpe (für
männliche und
weibliche Nachkommen)
der Mensch
der Mann,
der Bursche
(junger Mann),
der Jüngling,
gelegentlich der Jungmann
die Frau,
das (junge) Mädchen,
die Jungfrau,
das Weib
das Kind, 
der Junge,
der Knabe,
der Bube,
der Bursche,
das (kleine) Mädchen, das Madel


 
Anmerkung zu "der Mensch":
Es gibt auch "das Mensch". Das ist eine abwertende Bezeichnung für eine Frau. Hier ein gekürztes Zitat aus dem Duden-Herkunftswörterbuch (Duden 7):
"Das auf das dt. und niederl. Sprachgebiet beschränkte Wort ... ist eine Substantivierung des gemeingerm. Adjektives ... "menschlich, männlich". Dieses Adjektiv ist von dem unter -> Mann behandelten Substantiv abgeleitet. - Neben dem Maskulinum ist heute auch das Neutrum "das Mensch" gebräuchlich und zwar verächtlich für "Weibsbild, Dirne", mdal. auch für "Mädchen, Geliebte, Ehefrau". Das Neutrum tritt bereits in mhd. Zeit auf und war zunächst gleichbedeutend mit dem Maskulinum. Es wurde dann speziell im Sinne von "Dienstbotin, Magd, Mädchen; Geliebte" verwendet und erhielt erst im 17. Jh. verächtlichen Nebensinn. ..."
Zitat wiedergegeben unter Weglassung spezifischer Schreibweisen und Buchstaben-Zeichen

Quellenangaben siehe Kürzel "Duden" in Quellen
Eine Frauensicht auf  das Wörtchen "Man" = "Frau"
"Man(n)
Im ursprünglichen Altnordischen bedeutet man »Frau«  (engl. woman). Das Wort für »Mann« war nicht man sondern wer, aus der Sanskritwurzel vir, wie in wer-wulf, dem Wolfsmann. Bei den skandinavischen und anderen Stämmen Europas wurde mit Man der Mond, die Schöpferin aller Wesen, bezeichnet. Selbst im Rom der Kaiserzeit war Man oder Mana die Mutter aller manes oder Ahnengeister. Die Sanskritwurzel man bedeutete »Mond«und »Weisheit«, und dies waren die beiden wichtigsten Attribute der Großen Göttin.
Die heidnischen Skalden dichteten eine Gruppe von Liebesliedern, die dem weiblichen Prinzip des Mondes und seiner irdischen Inkarnation, der Frau, geweiht waren; diese waren mansongr, »Frauenlieder« . Die katholische Kirche verbot sie ausdrücklich. ..."
gefunden im Lexikon
"Das geheime Wissen der Frauen",
S. 652- siehe Quellen
man = Mensch
Das Wort "man"  hat auch eine weitere Bedeutung wie in folgendem Beispiel ersichtlich:
" Was soll man machen?"
Dabei bedeutete "man" zunächst (Zitat aus Du7):

»irgendein Mensch«, dann »jeder beliebige Mensch«  und umfaßt heute singularische und pluralische Vorstellungen. - Damit nicht identisch ist »man« norddt. ugs. für »nur« ... z. B. »laß [es] man gut sein«.
laut Du7 = Herkunftswörterbuch - siehe Quellen, Kürzel "Duden"





Stammwort und geschlechts-spezifische Endungen
In dieser Bedeutung "nur" bzw. "endlich" habe ich es als Kind auch hier im Südfläming kennengelernt. Andernorts wird in dieser Bedeutung eher "mal" ("Laß es mal gut sein.") verwendet.

Es gibt zahlreiche Endungsformen, ein Stammwort (i. a. männlich) in eine Bezeichnung für das weibliche Gegenstück bzw. das sächliche / kindliche Wort zu verwandeln:
der Prinz - die Prinzessin (früher nur "Prinzeß", d. h. diese Endung  "-essin" ist eigentlich "doppelt gemoppelt"
Herr Luther und die Lutherin (meint die Frau des Herrn Luther)
der Bäcker und die Bäckerin (früher: die Bäckersfrau, meinte immer die Frau des Bäckers, nicht den weiblichen Bäcker)

Eine Endung zur Kennzeichnung weiblicher Berufsbezeichnungen ist fast völlig aus dem Sprachgebrauch verschwunden und hat - so sie denn noch Verwendung findet - eher abwertende Bedeutung:
-se
die Tipse, die Frisöse, die Schickse, die Massöse (Masseuse):

Was dabei leider untergegangen ist:
die ursprünglichen Wortbildungsregeln sind so gut wie vergessen:
Verb zugehöriges Substantiv männliche (Berufs)bezeichnung weibliche (Berufs)bezeichnung
tippen Tipp Tipper Tippse
(alt Bezeichnung,
heute würde man höchstens sagen: Tipperin)

Diese Wortbildungsregel zeigt sich schon an diesem einen Beispiel sehr schön:
dem Substantiv wurde ein "er" angehängt für die männliche Berufsbezeichung und ein "sie" bzw. "se" oder "ze" für die weibliche Berufsbezeichnung oder den weiblichen Namen:
Trickser - Tricksie, Stefan - Stefanie (stimmloses und in der Schriftsprache weggelassenes "s") . Ähnlich verhält es sich mit weiblichen Endungen bei Worten aus anderen Sprachen: "-elle" und "-ella" oder auch "-illa"(franz., ital.), "-a" (lat.) usw., z. B.  in  Marc bzw. Marcus und Marcella, Mario und Maria.

In diesem Sinne ist der Endungskrieg moderner Feminstinnen nicht ganz korrekt: sie hätten grammatikalisch und historisch besser darum kämpfen sollen, daß es z. B. nicht "Physikerin" , sondern "Physikse" heißt.
 

3. Über Menschen und Frauen - ein Beispiel aus der "taz"
Zitat:
"Generell, so zeigten Umfragen bei der Bundeswehr, gehen Menschen etwas zivilisierter miteinander um, wenn Frauen dabei sind. Schön".
 
Kommentar:
Frau Heide Oestreich, die den ganzseitigen Artikel "Doping für das Selbstgefühl" verfaßte, hatte neben dieser Bemerkung, die - wenn man boshaft denkt - unterstellt, Frauen seien keine Menschen, noch einige spannende Begriffe im Angebot, die in den letzten Jahren teilweise weit Verbreitung gefunden haben, aber in dieser konzentrierten Form selten zu finden sind - z. B.:
Alphamädchen,
Gender sells,
Megatrend Frauen,
"female forces",
Durchstarterinnen,

Und sie schreibt fast am Ende:
"Schöner wäre natürlich, wenn man den ganzen biologistischen Geschlechterquatsch mal lassen könnte."

Ich finde, die oben genannten Begriffe haben mit "weiblichem Denken und Sprechen" wenig zu tun - das sind alles Worte, die Frauen zu Männern zu machen (sollen). Dazu gehört natürlich  auch das schöne Wort "Geschlechterquatsch".

Hier findet "Abschaffung der Frau"  statt, nicht mehr und nicht weniger.
Passenderweise wurde dieser Artikel in der "taz" veröffentlicht am Frauentag 2008, auf Seite 2.

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4. Die Ungleichbehandlung der Frauen
  Unter der Überschrift:
"Krise vertieft  Gräben
Ungleichheit zwischen Geschlechtern wächst"
schreibt ein gewisser Thalif Deen aus New York
ND 2. 3. 2010,S. 10
Zitat:
"Trotz einiger Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung hat die globale Finanzkrise die Ungleichbehandlung von Frauen in aller Welt weiter verschärft."
 
Kommentar:
Ich kann grübeln, so viel ich will, ich finde keine Erklärung für das Wort "Ungleichbehandlung von Frauen".
Wer behandelt Frauen so "ungleich"?
Sind es die Frauen selbst, die sich so behandeln?
Wenn  Frauen "ungleich" behandelt werden, dann könnte das auch heißen, daß einige besser und andere schlechter behandelt werden.

Oder - und das vermute ich einmal ganz stark - es geht darum, daß Männer Frauen nicht "wie Männer" behandeln, sondern anders, schlechter.   Die Ungleichbehandlung von Männern und Frauen ist also ein Ergebnis des Verhaltens von Männern gegenüber Frauen.
So steht das aber nicht in der Zeitung, nicht einmal im ND ("Neues Deutschland").
 
weitere Aussagen aus dem Text
"In Haiti ist es Männern inzwischen verboten, ihre Frauen in bestimmten Fällen von Ehebruch zu töten."

"Bis Frauen tatsächlich Männern gleichgestellt seien, müssten sie aber noch einen weiten Weg gehen."

"Es habe sich zudem gezeigt, dass Frauen von den Folgen der Krise weitaus stärker betroffen seien. Der Ruf nach einer grundlegenden Reform der Wirtschaftspolitik auf nationaler, regionaler und globaler Ebene werde daher immer lauter."
Warum muß es ein extra Gesetz geben, das es Männern verbietet, ihre Frauen zu töten? Ist es nicht generell verboten, Menschen zu töten?
Aus meiner Sicht wäre obige Aussage in dieser Form sprachlich exakter:
"Obwohl es hier und da kleine Fortschritte in Sachen Gleichberechtigung von  Mann und Frau gibt (welche übrigens, es wird kein Beispiel genannt), hat sich in der gegenwärtig angespannten Weltwirtschafts- und Finanzsituation  die ökonomische und rechtliche Lage der Frauen  in vielen Ländern  gegenüber der  Lebenssituation von Männern weiter verschlimmert."

 
Wenn gleiche Rechte für Menschen unabhängig vom Geschlecht erreicht werden sollen ...
... dann kann man nicht davon ausgehen, daß die Benachteiligten dieses gleiche Recht allein gegenüber denen durchsetzen, die von der "Ungleichbehandlung der Frauen" Vorteile haben.
Erst wenn diejenigen, die diese "Ungleichbehandlung der Frauen" verursachen, sagen, daß nun Schluß damit sein muß und sie sich selbst und ebenfalls dafür einsetzen, daß alle Menschen - auch unabhängig von ihrem Geschlecht - die gleichen Menschenrechte, vor allem das Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper und ihr Leben, haben - erst dann haben wir wirklich eine Chance auf "gleiches Recht für alle".
 
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