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01. 01. 2010
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Das alte Klatschweib
Aufs Maul schauen -   Die zynische Sprache

Wenn ich eine zynische Bemerkung höre, muß ich unterscheiden: es gibt Leute, die unbewußt zynisch sind, und andere Leute, die es absichtlich-vorsätzlich sind. Der "unbewußte Zyniker" merkt nicht einmal, wenn er mit seinen Bemerkungen den Adressaten beleidigt oder quält, der "bewußte Zyniker" ist sich dieser Wirkung bewußt und hat sich beabsichtigt: er ist zynisch, um zu beleidigen, zu quälen, dem anderen weh zu tun.  Er zieht Lustgewinn aus wörtlicher Quälerei anderer, gehört also in die Kategorie der Sadisten.

Der "unbewußte Zyniker" spiegelt außerdem allgemein übliche Denkweisen, eine vorherrschende öffentliche Meinung, aktuelle Weltbilder und Vorurteile viel besser wider als  der sich seines Zynismus bewußte Zyniker: während ersterer gedankenlos spricht, ist der Zynismus des letzteren eine durchaus kreative Leistung.  Denn er ist in der Lage, im Interesse der angestrebten Wirkung vorherrschende Denk-Schemata, Weltbilder und auch die öffentliche Meinung zu parodieren  und über sie hinaus zu treten in völlig neue Denkräume.

Vor den Beleidigungen und Quälereien des Absichts-Zynikers kann man sich schützen, indem man die Worte abgleiten läßt: wenn man nicht beleidigt ist und nicht wütend reagiert und nicht vor Schmerz aufschreit, sondern nur lächelnd (besser: grinsend)-ignorierend (nach dem Motto: Was hat der Blödmann denn da wieder für einen Stuß geredet)  oder herablassend-zustimmend (z. B. durch leichtes Kopfnicken: Wir wissen ja, wie schlau du bist. Und nun gib endlich Ruhe.) schweigt, dann macht es dem kleinen Stänkerer bald keinen Spaß  mehr und er sucht sich neue Opfer.

Dieser Zynismus ist die Waffe der Schwachen. Meist wird mit seiner Hilfe selbst erlittener Schmerz in Schmerz für andere umgewandelt mit dem Ziel, den eigenen Schmerz besser ertragen zu können. Auch aus diesem Grund sollte man ein wenig nachsichtig mit  den Absichts-Zynikern umgehen.

Dem   "Zyniker aus Dummheit" ist man auf eine erstaunliche Art ausgeliefert. Der versteht nicht einmal, warum man gekränkt sein könnte. Ausgeliefert meint, man kann nichts dagegen tun, man kann ihn nur aushalten lernen, so wie man Regen, Frost und Sturm aushalten muß.

Die liebenswertere Version der Absichts-Zyniker  wird Satiriker und bei denen weiß man, warum sie es sind: weil sie selbst von den Zuständen und Mißständen so gequält werden, so sehr darunter leiden, daß sie keinen anderen Ausweg sehen als diesen:
Satire ist besser als einfacher Zynismus: sie kehrt den Schmerz in Heiterkeit, beleidigt die Zuhörer nicht, sondern bringt sie zum Lachen und hoffentlich Nachdenken über diese Mißstände. Der Zynismus ist hier nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Die zur Zeit besten Satiriker im deutschsprachigen Raum sind aus meiner Sicht übrigens Volker  Pispers und Georg Schramm. Wo diese Satire vorwiegend heiter bzw. lustig ist und weniger zynisch, werden Beispiele auf der Seite  spielerisch  zu finden sein.

Der gewöhnliche (bzw. gemeine) Zynismus ist Krieg (Zerstörung), die Satire ist Revolution (Veränderung). In diesem Sinne sind ihre Wirkungen geradezu entgegengesetzt. Satire ist fortschrittsfördernd und in diesem Sinne eine notwendige Bedingung für die Vervollkommnung der Gesellschaft.

Auf dieser Seite werde ich vorwiegend Beispiele für den unbewußten Zynismus sammeln, in Ausnahmefällen auch für den bewußten Zynismus, es werden sowohl Privatpersonen als auch Vertreter von Einrichtungen, Ämtern usw., aber vor allem die zynische Hauptspezies, Journalisten, vorgeführt.
Diese neue Sammlung beginnt mit einem Erlebnis, bei dem ich begriff, daß es auch den "unbewußten Zynismus" gibt:

  Anspruch auf einen Ein-Euro-Job
  Betroffenheitspolitik  - ein Vorwurf an eine Bundestagsabgeordnete der LINKEN
  Gerechtigkeits-Lücke
  in aller Munde
  Konsumklima
  Paradoxe Wortgruppen
  - Brutalität als Form der Menschlichkeit
  Unterkunft - ein so harmloses Wort soll zynisch sein?
  Vater überführt
  Vater und Mutter ehren?
  Vorratsdatenspeicherung
  weltfremde Weltverbesserer und andere Doppel-Wörter
  Wortsammlung - einzelne, schon auf den ersten Blick zynische Wörter und Wortgruppen
  Zukunft - das böse Spiel mit ihr
 

Die  Erläuterung der Quellen-Kürzel und weitere Angaben zu den Quellen finden sich auf der Seite Quellen.

Anspruch auf einen Ein-Euro-Job
Der Text
"Natürlich können Sie Ihren Ein-Euro-Job trotzdem in Anspruch nehmen."
sagte Frau Zauner vom Projekt "Perspektive 50 plus - Beschäftigung für  Ältere in der Region" am Telefon, als ich um einen Termin bat.
In der MZ vom 25. 03. 2008  wird dieses Projekt vorgestellt unter der Überschrift:
"Für beide Seiten auf der Suche
315 Leute müssen in Arbeit vermittelt werden"


In dem persönlichen Gespräch - so Auge in Auge gegenüber - sagte sie auch noch zu mir, daß die Teilnahme an diesem Projekt "freiwillig" sei und ich "keine Sanktionen" befürchten müsse, wenn ich mich nicht daran beteiligen würde. Ich bekäme auch "keine Probleme mit der ARGE" deshalb.
 
Kommentar
Ist Ihnen das auch ein bißchen viel Zynismus auf einmal? Nein? Sie finden diese Ausdrücke normal und angemessen?
Können Sie sich vorstellen, wie Sie sich fühlen würden als selbst davon Betroffener?

"Beschäftigung für Ältere", "Leute" , "keine Sanktionen" - jedes Wort ein Keulenschlag gegen die Würde derjenigen, die damit gemeint sind. Aber wehe, sie jaulen. Denn das verstehen die anderen nicht, die da meinen: diese Leute (!) sollten doch froh sein, daß sich andere um sie kümmern und ihnen helfen wollen!

Ja, an der Stelle, als Frau Zauner sagte, ich könne den Ein-Euro-Job weiter "in Anspruch" nehmen, da war mir klar:

So etwas muß für die Nachwelt aufgehoben werden. Das sind die Worte, aus denen man sich  später   ein viel besseres, wirklichkeitsgetreueres Bild machen kann als aus jeder offiziellen Darstellung, die es heute über Leute  (!) wie mich gibt.
Ich weiß, daß es für Nicht-Betroffene (fast) unmöglich ist, diesen Zynismus zu erkennen. Ich will es am Beispiel "keine Sanktionen" trotzdem zu erklären versuchen: Wenn ausdrücklich betont werden muß bei einer Arbeits-Vermittlung, daß der "Interessent" keine Sanktionen zu befürchten hat, sind Sanktionen das "Normale". D. h. selbst die Betonung, daß es ausnahmsweise (!) keine Sanktionen gibt, führt darauf hin, daß da ein Mensch ständig vor Sanktionen zittern muß, Angst haben muß - und das, obwohl er ernsthaft nach Arbeit sucht!
Kommentar II
"Beschäftigung" - das ist etwas für Kindergarten-Kinder oder für Leute, die von allein  nicht wissen, was sie tun sollen. Mit Arbeit oder gar Zwangsarbeit hat das nichts zu tun.

Daß ein Ein-Euro-Job, wenn er abgeleht wird, Sanktionen nach sich ziehen kann, das meint eigentlich "Sperrzeiten"  (!) für den Bezug des  Arbeitslosengeldes, das ist in Wirklichhkeit eine Verletzung des Grundgesetzes der Bundesrepublik, in dem die freie Wahl des Arbeitsplatzes festgeschrieben steht. Zum anderen verharmlost der Begriff "Sperrzeit" die Tatsache, daß die Leute damit regelrecht  "ausgehungert" werden, mürbe gemacht, gleichgültig: die nehmen alles hin, nur   um keine Sperrzeit zu bekommen. Eine derartige Konsequenz für ein "Nein"  zu einem "Beschäftigungsangebot" bedeutet, daß das Wort "Sperrzeit" nur - und das sehr, sehr, sehr zynisch - die Tatsache umschreibt, daß diese Jobs nur eine moderne Form von Sklaverei und Zwangsarbeit sind.

Das schlimmste ist, daß Leute (!), die endlich eine "Beschäftigung"  in einem Ein-Euro-Job "in Anspruch nehmen" dürfen, von anderen Menschen dafür beglückwünscht werden.  Das soll kein Zynismus sein? Was ist es dann?
nachgereichte Fakten
In diesem Ein-Euro-Job habe ich, wenn ich das Arbeitslosengeld II und die durchschnittlich 100 - 120 Euro pro Monat addiere, einen Nettolohn erhalten, der etwa einem Drittel bis der Hälfte des für diese Art Arbeit üblichen bzw. Tarif- Lohnes entspricht. Ich hatte dabei keinen Rentenanspruch erarbeitet, keine Zeiten für den Bezug von Arbeitslosengeld I, ich bekam bei Krankheit keine bezahlte Freistellung. Ich hatte auch keinen Anspruch auf  bezahlten Urlaub, von Weihnachts- und Urlaubsgeld will ich gar nicht reden.
Als ich die zwei Tage unbezahlter Freistellung, die mir monatlich zustanden, tatsächlich in Anspruch nahm, wunderte sich mein Arbeitgeber. Das machten die meisten anderen Ein-Euro-Jobber nicht, denn das war ein Verlust von 12 Euro im Monat. Und das ist eine erhebliche Summe für einen Ein-Euro-Jobber.
 
Betroffenheitspolitik - ein Vorwurf an eine Bundestagsabgeordnete der LINKEN
Der Text
Laut Elke Reinke habe ihr der Landesvorsitzende Matthias Höhn vorgeworfen, sie betreibe vorwiegend „Betroffenheitspolitik“. Für die BAG Hartz IV ist nicht nachvollziehbar, dass ihr ausgerechnet vorgeworfen wird, die Interessen von Betroffenen zu vertreten ...
aus der Presseerklärung der BAG Hartz IV DIE LINKE.
17.04.2009, Eva Bernardi, Sprecherin und Werner Schulten, Sprecher
Kommentar
Elke Rinke war vor fünf Jahren als Hartz-IV-Empfängerin zur Bundestagsabgeordneten gewählt worden. Die erste und einzige Hartz-IV-Empfängerin, die das je geschafft hat, wird nun offenbar von der eigenen Partei "rausgeekelt".
Das Wort "Betroffenheitspolitik" hat mich tief getroffen.   Schließlich bin ich ja auch von Hartz IV betroffen. Was soll dieses Wort wohl aussagen? Daß ein Politiker, ein Bundestagsabgeordneter, sich nicht für die sozial Schwachen einsetzen darf, weil er selbst betroffen ist? Daß das nur diejenigen dürfen, die nicht selbst davon betroffen sind? Ja, machen die das denn, z. B. dieser Herr Matthias Höhn?
Wie weit ist der Zynismus in unserer Gesellschaft schon Alltag, wenn selbst Politiker der LINKEN nicht davor zurückschrecken?
 
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Gerechtigkeitslücke
Der Text
Die neue Talk-Show "Hart aber fair" der ARD mit Frank Plasberg lief wohl am Mittwoch, dem 24. 10. 07 zum ersten Mal - es ging "um das heikelste Thema dieser Tage" -"Waren die von Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) initiierten Reformen, waren Agenda 2010 und Hartz IV richtig oder soll man zurückrudern, um die unübersehbare Gerechtigkeitslücke zu schließen?"
Weiter unten heißt es sinnigerweise in dem Artikel:
"... und seine Einspielfilme (gemeint ist der Moderator Frank Plasberg) helfen, rhetorischen Nebel zu zerstreuen."
in der MZ* vom 26. 10. 07 gefunden:
S. 23

*Quellenangabe siehe Quellen
Kommentar
Gerechtigkeitslücke ist "rhetorischer Nebel". "Lücke" suggeriert, daß da eigentlich alles da ist, nur an einer Stelle fehlt ein kleines bißchen:
- ein Zahn im Gebiß fehlt  - also ist dort eine Zahnlücke;
- ein Haus in einer Häuserzeile fehlt - wieder ist hier eine kleine Lücke, die geschlossen werden kann.
Doch Gerechtigkeit funktioniert ein kleines bißchen anders - leider: Wenn nur an einer einzigen Stelle Ungerechtigkeit herrscht, ist das ganze System ungerecht.
Es kann mehr oder weniger Ungerechtigkeit geben, aber nicht mehr oder weniger Gerechtigkeit.

Doch das Wort "Ungerechtigkeit" klingt hart und grausam, wie schön und beruhigend ist dagegen die Vorstellung von der kleinen Lücke in der  Gerechtigkeit!
Wir können uns zurücklehnen und in unserem Gerechtigkeitsgefühl sonnen - die kleine Lücke, wenn stört die ernstlich?
Das Funktionieren der Gerechtigkeit bzw. Ungerechtigkeit kann man mit einen physikalischen Phänomen vergleichen: ein Hebel
(Sie wissens, es ist so wie bei einer Wippe:
Kraft mal Kraftarm = Last mal Lastarm
bedeutete Gleichgewicht.)
kann im Ungleichgewicht sein, mehr oder weniger. Aber er kann nur in einer einzigen Position im Gleichgewicht sein. Es gibt kein "mehr oder weniger Gleichgewicht".
Kommentar II
Welche "unübersehbare Gerechtigkeitslücke" hat es denn bei Hartz IV eigentlich gegeben? Geht es diesen Leuten nicht noch viel zu gut? Die öffentliche Meinung derjenigen, die nicht von Hartz IV betroffen sind, ist zumindest von einem ganz anderen Gerechtigkeits-Gefühl betroffen: es ist in ihren Augen "ungerecht", daß Leute fürs Nichtstun auch  noch Geld bekommen. Gerecht ist in ihren Augen: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."
Dieser Satz stellt das Lebens-Recht der Arbeitslosen grundsätzlich in Frage.
Welche Ge-Recht-igkeit hätten wir denn nun gern? 
in aller Munde
Die einzelnen Worte
Analog-Käse
Schummel-Schinken

früher auch:
Gammelfleisch

alles unter der Überschrift "Lebensmittel" bzw. "Nahrungsmittel"
im Juni und Juli 2009 in allen möglichen Formen (Nachrichten-Formen)
ohne Kommentar
Konsum-Klima
Text
                 Konsumklima kühlt sich ab.

So titelte die "MZ" am 23. Dezember 2009 einen Beitrag über die Situation im Konsumsektor der Wirtschaft.
Die nachfolgende kleinere Überschrift  lautete:

VERBRAUCHER Bereits den dritten Monat in Folge ist die Stimmung gesunken. Die Angst vor möglicher Arbeitslosigkeit im neuen Jahr bremst die Kauflaune.
MZ vom 23. 12. 209,
S. 19
Kommentar
Das Klima ist nach der gerade zu Ende gegangenen ergebnislosen "Klima-Konferenz", in der es um die drohend Erderwärmung ging, noch in aller Munde, da sind solche Wortspielchen natürlich lustig. 
Außerdem wissen wir ja, daß wir nicht wirklich Einfluß auf das Klima haben, genauso wenig haben wir als Einzelpersonen natürlich auch Einfluß auf das, was hier "Konsum-Klima" genannt wird. Es ist sozusagen "höhere Gewalt" - und damit sind wir der Sache schon verdammt nahe gekommen, die da  so herrlich stimmungsvoll beschrieben wird:
"Stimmung" und "Laune" - das hat nun allerdings nichts mehr mit Klima zu tun, das sind Befindlichkeiten, subjektive Befindlichkeiten, sehr subjektive. Man denke nur an diese Leute, die ständig in schlechter Laune sind. So ungefähr muß man sich das mit der Konsum-Laune auch vorstellen: es gibt halt die Konsum-Muffel.
Nur Angst ist es, was die Kauf-Laune bremst? Meine Kauflaune wird durch ein einziges Phänomen gebremst: daß ich nicht einmal so viel Geld in der Tasche habe, auch nur elementarste Bedürfnisse (ich bin von Natur aus nun mal kein "Kultur-Muffel", kein "Lese-Muffel",  kein "Freunde-einladen-Muffel", kein "Urlaubs-Muffel"), die leider nicht alle von reinem Wollen und ohne Geld zu befriedigen sind, zu stillen.
Bedarf ist der Teil der Bedürfnisse, der mit Hilfe von Geld / Konsumgütern befriedigt werden kann. Es liegt in der Natur der Sache, daß er geringer ist als die Bedürfnisse insgesamt: viele kann man auch ohne Geld   befriedigen. Die  Zahlungsfähigkeit ist ein Verteilungskriterium, das vor allem in Mangelgesellschaften gut funktioniert hat. In Überflußgesellschaften wie der unseren wird sie - so sie denn künstlich eingeschränkt ist durch Preistreibereien, Arbeitslosigkeit, sinkendes Realeinkommen usw. - zur Wachstumsbremse.

Gut so - das Klima muß abkühlen! In Deutschland wird viel zu viel konsumiert. Wenn alle Menschen auf der Welt  den Konsum des "Durchschnittsdeutschen" hätte, wäre die Welt  klimamäßig nicht mehr zu retten!

Von wem war  eigentlich der Satz:
Ein Dollar in der Hand eines armen Menschen schafft mehr Kaufkraft als ein Dollar in der Hand eines reichen Menschen?
siehe auch unten
"Verbraucher wollen ..."


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Paradoxe Wortgruppen - einfach "brutal"
Brutaliltät als Form von Menschlichkeit
Die Vorrede
Die Dialektik und die Mystik leben davon, Erkenntnisse (im Fall der Dialektik) und Empfindungen bzw. Erfahrungen (im Fall der Mystik) in paradoxen, gegensätzlichen, in sich (scheinbar) ausschließenden   oder doppeldeutigen Begriffen  zu beschreiben.
Eine der bekanntesten, aus der mystischen Art der Darstellung stammende Formulierung ist diese:
"bitter-süß".
So etwas geht heute leicht als Kitsch durch, wenn man nicht um Herkunft und Bedeutung und Absicht weiß.

Es ist harte Arbeit, diese Ausdrucksweisen verstehen zu wollen. Ein bestimmtes Training des Denkvermögens  wird vorausgesetzt. Menschen, die sich dieser Denk- und Erkenntnisformen bedienen, wissen um die Probleme, den normal-logisch denkenden Mitmenschen die aus solchen Paradoxen gewonnenen Erkenntnisse mitzuteilen.
 
Der Text - brutal
Herr Detlef Hartlap, Chefredakteur, schreibt in seiner wöchentlichen Mini-Kolumne unter der Überschrift "Brutal":
"Wer gedacht hat, Krankheit sei Privatsache, wurde unlängst eines Besseren belehrt. Der Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Althaus gewährte der Öffentlichkeit Einblicke in das Funktionieren seines Gehirns, was eine seltsame Form von Schweigepflicht ist. ... (es werden weitere Beispiele genannt) ... Der Mensch hat maschinengleich zu funktionieren. Tut er´s nicht, wird er zur Sensation, einer Naturkatastrophe vergleichbar. Anteilnahme? Sie ist, scheinheiligen Illustriertentiteln zum Trotz, kaum zu spüren, wohl aber eine spezielle, mediale Brutalform von Menschlichkeit."
gefunden in der Prisma, der Beilage zur Zeitung - Nr. 6 / 2009, 7. - 13. Februar 2009, S. 2

Hervorhebung im Text von mir - B. K.
Kommentar
Hier sind zwei Ebenen des Zynismus benennbar:
1. die Ereignisse selbst, die Herr Hartlap nennt;
2. die Form, in der Herr Hartlap diese beschreibt.
Es ist sofort erkennbar, daß das, was er beschreibt, hochgradig zynische Formen des Umgangs von Medienvertretern mit Privatpersonen (Betroffenen und Lesern bzw. Zuschauern) ist. Doch wieso sehe ich auch seine Art der Darstellung als zynisch an?

Herr Hartlap versteht seinen Beitrag sicher als kritisch. Er mahnt, offenbar resigniert, Anteilnahme als eine Form der Menschlichkeit an. Die Brutalität der Medien, mit der diese das Persönliche in öffentlichen Dreck zerren, diese zur Normalität geworden Unmenschlichkeit als "Brutalform von Menschlichkeit" zu bezeichnen, mag als Provokation gedacht sein und sicher auch noch andere Leser als nur mich abstoßen, doch hier versagt die Absicht der oben beschriebenen Darstellungsform. Denn sie grenzt beide Begriffe  nicht genug voneinander ab, läßt statt dessen zu, daß Brutalität  innerhalb der Menschlichkeit als eine Spielart, als eine mögliche Form erscheint.
Er hat eine der furchtbarsten Erscheinungen der Gegenwart, die zunehmende Brutalisierung und Barbarisierung in allen Bereichen des öffentlichen Lebens, nicht wirklich kritisch gespiegelt, denn er hat sie als gegeben und nicht als notwendig zu überwinden dargestellt. Er vermittelt mit seiner Darstellung das Gefühl,  als Einzelner dieser Brutalisierung hilflos, machtlos, handlungsunfähig  ausgeliefert zu sein. Er macht sie nicht als Unmenschlichkeit deutlich, sondern als "Form der Menschlichkeit". Obwohl ich nicht glaube, daß er es so gemeint hat und daß er sich nur ein wenig ungeschickt ausgedrückt hat, empfinde ich diese Worte als zynisch. Bei jedem anderen, der sich in gleicher Weise äußert, würde ich diesen Zynismus als Spielart der Brutalisierung  unserer Gesellschaft bezeichnen. Bei ihm bin ich mir ziemlich sicher, daß er es nicht wirklich zynisch gemeint hat. Trotzdem tut es weh, das zu lesen!
kleine alltägliche Beispiele
  "Kurzarbeitergeld wird verlängert."
Zynisch daran ist nicht das hübsche paradoxe Wortspiel, sondern die Tatsache, daß hier spezielle Berufsgruppen in einer besonderen Situation (vor den Bundestagswahlen) gegenüber anderen Betroffenen "privilegiert" werden und so der Sozialneid wieder angeheizt wird: "Warum die und nicht wir?"  - ein irgendwie zynisch-paradoxer Vorgang.
 
   
Unterkunft - ein so harmloses Wort soll zynisch sein?
Der Text
In den Anfängen der Diskussion um Hartz IV war das Wort sehr oft zu hören, die  Regelungen für die "Unterkünfte" der Hartz-IV-Betroffenen - wer übernimmt die Kosten für diese "Unterkünfte", das war die große Frage.
 
Kommentar
Niemandem schien diese feine  Nuance aufzufallen:
Was ist der Unterschied zwischen einer Wohnung und einer Unterkunft?
Da gibt es viele und ich will nur auf einige aufmerksam machen:
Die Wohnung ist ein Rechtsgut: als Eigentümer oder Mieter ist man nutzungsberechtigt. Eine Wohnung ist abgeschlossen und genießt grundgesetzlich garantierten Schutz (ja, ich weiß, inzwischen ist auch das nicht mehr so sicher).
Unterkünfte sind eher bekannt aus Katastrophen-Situationen: bei Überschwemmungen z. B. bekommen Menschen Hilfe: sie werden in provisorischen Unterkünften (z. B. Turnhallen, Schulen, Zelten) untergebracht.
Rein begrifflich ist die Unterkunft der allgemeinere Begriff gegenüber der Wohnung:
auch Wohnwagen, Tonnen (Diogenes in der Tonne), sogar ein eiserner Elefant (Gavroche in Victor Hugos "Die Elenden") kann als Unterkunft dienen. Kellerräume, Abstellkammern, Verliese, Gefängnisse, Kasernen, Konzentrationslager, Frauenhäuser, Jugendherbergen, Internate, Kinderheime, Hotels, Pensionen, alles das  waren und sind "Unterkünfte".
Einmal habe ich eine solche Unterkunft für Ausländer in Deutschland gesehen: Blech-Container mit engstem Durchgang und Mini-Sanitär-"Raum", je zwei Ausländer teilten sich einen der "Wohnräume"  von ca. 10 Quadratmetern.
 
Kommentar II
Es wurde bei der Diskussion um Hartz IV von Anfang an darauf verwiesen, daß die Kosten für die "Unterkünfte" in der Eigenverantwortung der Kommunen liegen sollen. Damit sind sie nicht mehr Staatssache, je ärmer die Kommune, desto eher wird sie die Mieten für normale Wohnungen der Hartz-IV-Leute nicht mehr aufbringen und gezwungen sein, durch effektivere (sprich billigere) "Unterkünfte" diese Kosten zu reduzieren.
Wie das dann konkret aussehen wird, muß ich bestimmt nicht im einzelnen ausmalen.
Daß ich daher das Wort "Unterkunft"  anstelle von "Wohnung" für die Hartz-IV-Leute als zynisch empfinde, mag nun vielleicht auch nicht mehr verwundern.
Vater überführt
Die Vorbemerkung
Eddy Murphy, der Schauspieler, muß für seine Tochter Unterhalt zahlen.  Er ist kürzlich von einem Gericht dazu verurteilt worden. Das sind Dinge, die alltäglich passieren. Nicht so alltäglich dürfte die Summe des monatlich zu zahlenden Unterhalts sein: 40 000 Euro.
 
Der Kommentar
Das zu lesen, dürfte mancher alleinerziehenden Mutter, die vom Vater des Kindes keinen Unterhalt bekommt, die Tränen in die Augen treiben. Sie muß es als geradezu zynisch empfinden, in ihren Augen muß die Tochter des Eddy M. als superprivilegiert erscheinen. Und vielleicht wird sich das eine oder andere junge Mädchen eine neue Strategie einfallen lassen, wen sie wie zum Vater ihres Kindes  machen könnte.
Doch wie mögen sich erst Männer, Väter fühlen, wenn sie diesen folgenden Satz lesen, der die kurze Nachricht abschloß - wie Kriminelle?
 
Der eigentliche Text "Ein DNA-Test hatte ihn als Vater überführt."
MZ 10. 02. 2009, S. 24
Vater und Mutter ehren?  - Was heißt das?
Die Vorbemerkung
Nein, auf dieses vierte Gebot aus der Bibel  bezieht sich die Überschrift nicht. Das ging so:
"Du sollst Vater und Mutter ehren, auf das es dir wohlergehe und du lange lebest auf Erden."
Dann kam da noch das "Was heißt das?" und die Erklärung war - jetzt stark verkürzt wiedergegeben- , daß man selbst ja dann auch von den eigenen Kindern geehrt würde und gepflegt, wenn man im Alter Hilfe braucht. Es ist also kein Nächstenliebe-Paragraph, sondern purer Egoismus, der aus diesem mehr als dreitausend Jahre alten Gebotstext spricht.
Denn zu jener Zeit, als Moses diese Gebote von seiner inneren Einkehr auf dem Berg mit ins Tal brachte, da wurden die Alten einfach ausgesetzt - man kann es sehr schön nachlesen, wie der Bruder Moses zu Tode kam.
4. Moses 20, Vers 22  - 29, daraus Vers 25 - 26 als die Worte Gottes geäußert:
"Nimm aber Aaron und seinen Sohn Eleasar und führe sie auf den Berg Hor und zieh Aaron seine Kleinder aus und ziehe sie seinem Sohn  Eleasar an. Und Aaron soll dort zu seinen Vätern versammelt werden und sterben."
Der eigentliche Text "Altersfeindlichkeit"
"Altersdiskriminierung"
"Angst vor dem Alter"
"Altersarmut"
"Überalterung der Bevölkerung"
usw.
überall und immer wieder
Der Kommentar
Unsere Kultur ist eine weitgehend durch Judentum-Christentum geprägte: was wäre z. B. die europäische Kunst ohne die Darstellung biblischer Szenen, was wäre die Architektur ohne die wunderschönen christlichen Kirchen und Dome.
Aber das geistig-moralische Gebot  hat es in mehr als 3000 Jahren nicht geschafft, zum Kulturgut aller zu werden.  Taugt das Gebot nichts für die Realität? Es sind doch erstaunlicherweise ausgerechnet Politiker einer sich als christlich bezeichnenden Partei, die die Lebensrechte älterer Menschen gern  rein ökonomisch betrachten.
Ich erwarte einfach von der Kirche, daß sie im Geist dieses Gebotes gegen die Diskriminierung, Ausgrenzung und Verarmung der alten Menschen in unserer Gesellschaft etwas unternimmt - laut, deutlich und wirksam!
 
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Vorrat
Die Vorbemerkung
Vorrat ist ein positives Wort: Wer Vorrat hält, muß sich nicht so viele Sorgen machen wie andere, die in den Tag hinein leben. Biene und Ameise gelten als "vorbildliche" Tiere, weil sie für den Winter Vorräte sammeln.
 
Der Text Vorratsdatenspeicherung  
Der Kommentar
Das Gesetz selbst, das diese "Vorratsdatenspeicherung" beinhaltet, kenne ich nicht. Von den Beiträgen in den Medien habe ich diesen ausgewählt - einen ironischen Kommentar von Eckhard Jäckel in unserer regionalen Tageszeitung. Hier ein kleiner Textauszug:
Und noch ein paar persönliche Bemerkungen:
Wer sind "alle"? Wer hat denn Angst davor, daß seine Daten gespeichert werden? Wer sich nichts zuschulden kommen läßt, muß doch nichts befürchten, wenn seine Daten gespeichert werden, oder? "Jetzt regen sich alle wieder auf. Endlich gibt es ein Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung - und keiner will das Positive daran sehen.Von wegen Eingriff in die Privatsphäre ... "
So ähnlich hat ein Politiker hier in Wittenberg in ähnlichem Fall auch schon argumentiert.   Und wenn das nicht zynisch ist, was ist dann zynisch?
MZ 28. 12. 2008,  S. 1
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weltfremde Weltverbesserer und andere Doppelwörter
 
Zynische Doppelwörter begegen uns auf Schritt und Tritt, es lohnt, einmal darauf zu achten, wann und in welchem Zusammenhang sie benutzt werden:
Eine neue, sehr interessante Kombination fand ich in unserer Regionalzeitung, der "Mitteldeutschen Zeitung":
 
Der Text
"weltfremde Weltverbesserer"
'Der wörtlicher Text lautete:
"Entweder ist Ypsilanti machtversessen oder von weltfremder Weltverbesserei getrieben."

- und gleich noch ein Beispiel für zynische Doppelwörter:
"militante Tierschützer"
gefunden in der MZ vom 10. 11. 2008, S. 4 in einem Kommentar von Stefan Sauer "Perfides Machtspiel" zur Situation der SPD in Hessen
Kommentar
Hier passiert ein logisch spannendes Phänomen:
Man nehme ein bestimmte Gruppe, in der die Eigenschaften der Gruppenmitglieder ziemlich gestreut sind: Die Gruppe der deutschen Menschen (Staatsbürger Deutschlands) kann beispielsweise eingeteilt werden in kriminelle und gerechtigkeitsliebende Menschen bzw. auch in ehrliche und betrügerische Menschen.
Wenn ich nun einen Teil dieser Gruppe meine, kann ich sagen:
"die kriminellen Deutschen" und meine damit den recht kleinen Teil der Deutschen, der nicht gesetzestreu ist. Doch wenn ich "kriminelle Deutsche" sage, ohne daß der Bezug zu den gesetzestreuen oder allen Deutschen aus dem gesamten Text hervorgeht, komme ich zu einer formal-logisch richtigen, aber dennoch falschen Aussage:
In dem - als Beispiel konstruierten - Satz
(der keine Aussage über Deutsche ist!):
"Die kriminellen Deutschen verursachen Schäden in Milliardenhöhe."
kann man nämlich nicht erkennen, ob die "kriminellen" im Unterschied zu den ehrlichen  Deutschen gemeint sind, oder ob sich das Attribut auf alle Deutschen bezieht.
Genauso funktioniert auch der sprachliche Trick mit den "militanten Tierschützern" oder z. B. der "weltfremden Weltverbesserei":
man gibt allen Tierschützern und allen denjenigen, die diese ja nun wirklich extrem verbesserungswürdige Welt auch tatsächlich verbessern wollen, insgesamt ein negatives Image.
Andererseits - da die Absicht des Schreibers durchschaubar ist - kann man sich immer auch ein Bild von solchen Schreiberlingen machen.

"Schreiberlinge" - ist das nicht auch so ein hübsches Wort, um Leute wie Stefan Sauer abzuwerten, so wie er mit dem  Wort "Weltberbesserei"   alle ehrlichen Bemühungen vieler Menschen um eine Verbesserung der Welt in den Dreck zieht?  Herr Sauers "objektive" Kommentierung endet übrigens mit dem Satz:
"... es bleibt nur noch: Koch wählen."
Und das ist grammatikalisch falsch: "Koch zu wählen" müßte es - rein grammatikalisch - richtig heißen. Und damit ist noch lange nicht gesagt, daß ein Schreiberling, der der deutschen Sprache so wenig mächtig ist, politisch ein Blindgänger sein muß.  Gut,  der Doppelpunkt statt eines Kommas mag als Begründung für das fehlende "zu" herhalten, aber der Stil ist doch trotzdem unter aller Würde - finden Sie nicht?
Für diejenigen, die den Zusammenhang nicht mehr wissen:
Herr Koch (CDU) und Frau Ypsilanti (SPD) sind die beiden Streithähne in diesem perfiden Machtspiel, das uns als "Demokratie" verhökert wird. Und nun habe auch ich zu zynisch-diskriminiereden Worten gegriffen. Mögen Sie mir bitte verzeihen, geneigte Leser.

Wortsammlung - einzelne,  schon auf den ersten Blick zynische Wörter
Armutsatlas
Ein "Armutsatlas Deutschland" wird vorgestellt, er beinhaltet u. a. die "Armutsquoten 2007". Die ärmste Region Deutschlands mit "24,3 %"  ist Mecklenburg-Vorpommern, die reichste Region ist Baden-Würtenberg mit nur 10 Prozent.
Bei einem "Atlas" oder eine "Landkarte" denkt man daran, daß man  sich Orientierung holt für geplante Reisen, Urlaube, Kultur- und Bildungsfahrten.
Die Zeitung veröffentlicht auch die offiziellen Armutsgrenzen:
Arm als Single ist, wem weniger als 764 Euro monatlich zur Verfügung stehen, Alleinerziehende mit einem Kind sind bei mehr als 994 Euro nicht mehr "arm", während ein Paar ohne Kind erst ab 1223 Euro als nicht mehr arm gilt. Weil Kinder wohl weniger Geld benötigen als Erwachsene? In diesem Sinne ist Hartz IV  in den meisten Fällen wohl doch "Armut per Gesetz".  Man sehe sich an, was einem Ehepaar "zusteht".
Übrigens darf man nicht vergessen - es gibt einen Unterschied zwischen der "Armutsgrenze" und dem "Existenzmininum" -   letzteres ist geschützt, z. B. bei Pfändungen. Und die Pfändungsgrenze liegt nun einmal über der Armutsgrenze. D. h. doch wohl, wer im Bereich der Armutsgrenze lebt, lebt unter dem Existenzminimum?

Ein Kommentar auf S. 4 von A. Schierholz macht das Problem indirekt deutlich - die meisten geht es nichts an, nicht wirklich:
"Die Frage, wie wir mit Armut und den Ärmsten in unserer Gesellschaft umgehen, wird auf der Tagesordnung bleiben." - Betroffenheit sieht anders aus. Solche Leute können sich nicht wirklich vorstellen, was es bedeutet, in dieser Gesellschaft zu den Ärmsten zu gehören.
Die Frage bleibt offen: wie geht man mir den Ärmsten um?
gefunden in der MZ vom 19. 5. 2009, S. 3

Sozialneid

meint, daß die Besitzlosen, die  oft um die nackte Existenz bzw. einfach ums Überleben kämpfen müssen, nur "neidisch" auf die Reichen sind. Die meisten von ihnen wollen gar nicht so reich wie die "Schönen und Reichen" sein, sie wollen nur "genug" haben, existieren zu können. Benennen sie diesen Wunsch, nennen Reiche und Medienvertreter das gern "Sozialneid".
Es gibt eine Spielart dieses "Sozialneides", die wenig Beachtung findet: Der Neid "von oben nach unten": da gibt es genug Leute, die den Hartz-VI-Empfängern beispielsweise selbst diese weit unter der offiziellen Armutsgrenze in Deutschland liegende und nun wirklich in demütigender Weise ausgereichte Existenzminimum auch noch mißgönnen. Die rechnen dann aus, daß man mit noch viel weniger überleben könnte oder behaupten, daß das sowieso nur versoffen wird usw.
 
Verbraucher wollen ...
"Verbraucher wollen den Gürtel enger schnallen"
Diese Überschrift wird untertitelt mit:
"Wegen zunehmender Arbeitslosigkeit wird der private Konsum eingeschränkt."

Da bleibt mir die Spucke weg, angesichts eines solchen Zynismus ist jeder Kommentar überflüssig.
MZ 26. 11. 2009, S. 7, farbige Hervorhebung im Zitat von mir - B. K.
  Noch besser ist es mit dem  im Dezember 2009 nachgereichten "Konsum-Klima" - siehe oben  
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Zukunft - ein böses Spiel mit ihr
Der Text
Dorfwettbewerb 2009
"Unser Dorf hat Zukunft" lautet das Motto des 7. Landeswettbewerbs um den Titel des schönsten Dorfes, an dem sich im Rahmen eines Kreisvorentscheides in diesem Jahr sechs Gemeinden aus dem Landkreis Wittenberg bewerben. ..."
in unserem Amtsblatt* vom 12. 09. 2009, S. 19 erwähnt

* siehe Quellen
Kommentar
Die meisten Dörfer haben im Augenblick andere Sorgen, viele müssen sich fragen, ob sie überhaupt eine Zukunft haben. Und die ganze Gebietsreform hat zumindest den Vorteil, daß man  statistisch nicht mehr erfassen kann, wie viele der heute noch bewohnten Dörfer in wenigen Jahrzehten wüst sein werden.
Daher ist in meinen Augen der Name für diesen Wettbewerb eher zynisch als aufmunternd.
Andererseits - wenn es darum geht, die Ausnahmen der Dorfentwicklung sichtbar zu machen, dann hat er schon seine Daseinsberechtigung.
www.brunhild-krueger.de / Das Klatschweib / Aufs Maul schauen / zynisch