Wenn ich eine zynische Bemerkung höre, muß ich unterscheiden: es gibt Leute, die unbewußt zynisch sind, und andere Leute, die es absichtlich-vorsätzlich sind. Der
"unbewußte Zyniker" merkt nicht einmal, wenn er mit seinen Bemerkungen den Adressaten beleidigt oder quält, der
"bewußte Zyniker" ist sich dieser Wirkung bewußt und hat sich beabsichtigt: er ist zynisch,
um zu beleidigen, zu quälen, dem anderen weh zu tun. Er zieht Lustgewinn aus wörtlicher Quälerei anderer, gehört also in die Kategorie der Sadisten.
Der
"unbewußte Zyniker" spiegelt außerdem allgemein übliche Denkweisen, eine vorherrschende öffentliche Meinung, aktuelle Weltbilder und Vorurteile viel besser wider als der sich seines Zynismus bewußte Zyniker: während ersterer gedankenlos spricht, ist der Zynismus des letzteren eine durchaus
kreative Leistung. Denn er ist in der Lage, im Interesse der angestrebten Wirkung vorherrschende Denk-Schemata, Weltbilder und auch die öffentliche Meinung zu parodieren und über sie hinaus zu treten in völlig neue Denkräume.
Vor den Beleidigungen und Quälereien des
Absichts-Zynikers kann man
sich schützen, indem man die Worte abgleiten läßt: wenn man
nicht beleidigt ist und
nicht wütend reagiert und
nicht vor Schmerz aufschreit, sondern nur lächelnd (besser: grinsend)-ignorierend (nach dem Motto: Was hat der Blödmann denn da wieder für einen Stuß geredet) oder herablassend-zustimmend (z. B. durch leichtes Kopfnicken: Wir wissen ja, wie schlau du bist. Und nun gib endlich Ruhe.) schweigt, dann macht es dem kleinen Stänkerer bald keinen Spaß mehr und er sucht sich neue Opfer.
Dieser Zynismus ist die Waffe der Schwachen. Meist wird mit seiner Hilfe selbst erlittener Schmerz in Schmerz für andere umgewandelt mit dem Ziel, den eigenen Schmerz besser ertragen zu können. Auch aus diesem Grund sollte man ein wenig nachsichtig mit den Absichts-Zynikern umgehen.
Dem
"Zyniker aus Dummheit" ist man auf eine erstaunliche Art ausgeliefert. Der versteht nicht einmal, warum man gekränkt sein könnte. Ausgeliefert meint, man kann nichts dagegen tun, man kann ihn nur aushalten lernen, so wie man Regen, Frost und Sturm aushalten muß.
Die
liebenswertere Version der Absichts-Zyniker wird Satiriker und bei denen weiß man, warum sie es sind: weil sie selbst von den Zuständen und Mißständen so gequält werden, so sehr darunter leiden, daß sie keinen anderen Ausweg sehen als diesen:
Satire ist besser als einfacher Zynismus: sie kehrt den Schmerz in Heiterkeit, beleidigt die Zuhörer nicht, sondern bringt sie zum Lachen und hoffentlich Nachdenken über diese Mißstände. Der Zynismus ist hier nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Die zur Zeit besten Satiriker im deutschsprachigen Raum sind aus meiner Sicht übrigens Volker Pispers und Georg Schramm. Wo diese Satire vorwiegend heiter bzw. lustig ist und weniger zynisch, werden Beispiele auf der Seite
spielerisch zu finden sein.
Der gewöhnliche (bzw. gemeine) Zynismus ist Krieg (Zerstörung), die Satire ist Revolution (Veränderung). In diesem Sinne sind ihre Wirkungen geradezu entgegengesetzt. Satire ist fortschrittsfördernd und in diesem Sinne eine notwendige Bedingung für die Vervollkommnung der Gesellschaft.
Auf dieser Seite werde ich vorwiegend Beispiele für den unbewußten Zynismus sammeln, in Ausnahmefällen auch für den bewußten Zynismus, es werden sowohl Privatpersonen als auch Vertreter von Einrichtungen, Ämtern usw., aber vor allem die zynische Hauptspezies, Journalisten, vorgeführt.
Diese neue Sammlung beginnt mit einem Erlebnis, bei dem ich begriff, daß es auch den "unbewußten Zynismus" gibt:
Die Erläuterung der Quellen-Kürzel und weitere Angaben zu den Quellen finden sich auf der Seite Quellen.