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01. 01. 2010
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Aufs Maul schauen - Die dümmliche Sprache

Es geschah während meiner Lehrzeit zum Meß- und Regelmechaniker: unser Berufsschullehrer diktierte uns eine Aufgabe, die mit folgenden Worten begann:
"Zum Zwecke der Verhinderung der Verzunderung der Lötkolbenspitze ..."

Diese Wortgruppe löste ein eigentümliches Entzücken in mir aus: so ein Schwachsinn, dachte ich, kann man das nicht besser formulieren?   Immer, wenn ich später ähnliche Wortungetüme erlebte, dachte ich an die "Verhinderung der Verzunderung" ...

Begriffe, Wörter, Aussagen sollten  in der Alltagssprache, der Wissenschaft und überall dort, wo es auf exakte Information ankommt, so verwendet werden, daß der Leser oder Zuhörer den Sinn dessen, was der Sprecher oder Schreiber mitteilen will, möglichst einfach  und sicher erfassen kann.
Auch zu diesem Zwecke wird den Kindern eine umfassende mathematisch-naturwissenschaftliche Grundbildung vermittelt.

Doch  in der Wirklichkeit, im Alltag  tritt  nicht selten das Gegenteil dessen auf, was man als Zweck des Sprechens  bzw. Schreibens vermutet: oft scheinen Sprecher oder Schreiber geradezu Wert darauf zu legen, nicht verstanden zu werden. Da nützt z. B. alles mathematisch-naturwissenschaftliche Wissen  dem Hörenden bzw. Lesenden nichts - wenn die innere Logik eines Satzes nicht gegeben ist (siehe das Beispiel "Zahl der Todesopfer"), wird er verwirrt, irritiert oder manchmal halt auch belustigt sein.

Die Dumm-Wörter und Satz-"Leckerbissen" alphabetisch:

  Besitztumsbeschilderung und andere hübsche Wörter, eine Sammlung besonders wertvoller "Einzelstücke"
  Lebenserwartung "bei" Frauen
  Monsterin - ein Wort, das es gar nicht gibt
  Rotwurst und Nacktscanner
  unrelevant  - ein Scheinwort
  Verzicht - und was " unverzichtbar" ist
Zahl der Todesopfer schwankt
  Zugang der Änderungskündigung
Besitztumsbeschilderung und andere hübsche "Einzelstücke"  
Kommentar In dieser Rubrik will ich besondes hübsche und anschauliche Einzelstücke - fast kommentarlos -  schön alphabetisch geordnet vorstellen:

 
 
Alleinstellungsmerkmal
z. B. spricht man hier in Wittenberg von dem
"Alleinstellungsmerkmal Lutherdekade"

Das Problem ist eigentlich nur, daß hier zwei verschiedene Worte in dieser Schreibweise denkbar sind:
All-Einstellungs-Merkmal
Allein-Stellungs-Merkmal bzw. Allein-Stellungsmerkmal.
Der Leser, der dieses Wort noch nie gehört (wörtlich gemeint) hat, muß nun blitzschnell entscheiden, welches von beiden gemeint sein könnte. Einstellungsmerkmal - darunter könnte man sich sogar noch etwas vorstellen: Man muß ein gefordertes Kriterium für einen bestimmten Arbeitsplatz erfüllen. Aber All-Einstellungsmerkmal - das ist nun wieder Quatsch, denkt er.  Doch auch mit der anderen  Version fühlt er sich sprachlich nicht direkt verbunden.
Er sucht  einige Sekunden, welche der beiden  Deutungsmöglichkeiten einen  "höheren" Sinn ergibt, oder welches seinem Vorstellungsvermögen entgegenkommt. Vielleicht hat er dann nach Sekunden oder Tagen erkannt, daß wohl die zweite Variante gemeint sein soll, und liest nun beruhigt weiter. Nein - ich wette, die meisten Leser "überlesen" das Wort, nehmen es gar nicht wahr, also auch nicht die damit verbundene Aussage.

Vor rund 25 Jahren hatte meine Tochter in der DDR-Schule mit dem
"Friedensaufgebot" der Pioniere ein ähliches Problem: Friedens-Aufgebot oder Frieden-Saufgebot?
Die zweite Deutung lag ihr wohl näher, allerdings fragte sie mich dann, ob Saufen für den Frieden wirklich nützlich sei.
z. B. in der "MZ" vom 19. 3. 2009, S. 12
 
Besitztumsbeschilderung   (MZ* 23. 3. 2007, S. 8)
Ich habe absolut keine Ahnung mehr, worum es da eigentlich ging, aber ist das Wort nicht schön?   Wer sich so etwas einfallen läßt, hat schon die höhere Stufe der Sprachschöpfung erreicht, noch nicht die ganz hohe (dann wäre er "der" Sprachschöpfer schlechthin, der Sprachgott), aber immerhin, auf so ein Wort muß man ja erst einmal kommen - und dann den Mut haben, es zu schreiben.
* MZ - Quellenangaben siehe Quellen
 
"Gefahr für Wohnungsbrände"
warnte der  "Wochenspiegel"* vom 7. 1. 2009 auf S. 8. Begierig darauf, zu erfahren, wer  Wohnungsbrände bedroht, begann ich zu lesen. Es ging um Rauchmelder. Ja, eigentlich stimmt es: die sind wirklich eine "Gefahr" für Wohnungsbrände - weil sie oft nicht richtig funktionieren.
* genauere Angaben: siehe Quellen
 
Klima und Wetter - ein Beispiel für die oft zu beobachtende schlampige Verwechslung von Begriffen:
arte sendete am 4. 11. 2006  ab 20.40 Uhr:
"Die Klimakatastrophe von 1816"
Es ging um die Störungen des Wetters durch einen Vulkanausbruch im Pazifik. Die Staubwolke war um die ganze Erde gezogen, hatte die Sonne verdunkelt und eine Abkühlung verursacht.
Es war nur eine Wetterkatastrophe.  Die Erde verkraftete diese Störung nach kurzer Zeit, nach wenigen Jahren. Eine Klimakatastrophe ist etwas ganz anders, eine grundsätzliche, für unser Leben bedrohliche Veränderung der Wetterlage in einer Region oder der ganzen Welt für Jahrzehnte oder Jahrhunderte!
Warum  wird eigentlich so übertrieben? Soll das mithelfen, die Angst vor der uns vielleicht bevorstehenden Klimakatastrophe zu schüren?
 
Klimaflüchtlinge
Dieses Wort gehört auch in die Kategorie "zynisch".
Dümmlich ist es, weil die Ursachen der Flucht nicht eine schicksalshafte Änderung des Klimas, sondern "selbstverschuldetes" Menschenwerk ist und weil diejenigen, die es benutzen, offenbar glauben, selbst davon zu kommen, nicht betroffen zu sein.
Zynisch ist es, weil dieses Wort Menschenschicksale verallgemeinert und "objektiviert": es besteht für den "Normalbürger" keine Möglichkeit, den betroffenen Menschen zu helfen und er muß in ständiger Angst leben, selbst eines Tages von diesem Schicksal betroffen zu sein. Das Wort spiegelt also indirekt die eigene Hilflosigkeit.
 
Vier-Wort-Worte
Weltkulturerbestätte
Es sind wieder mehrere Betonungsmöglichkeiten gegeben in diesem Vier-Wort-Wort:
Weltkultur-Erbestätte, Welt-Kultur-Erbe-Stätte, Welt-Kultur-Erbestätte, Weltkultur-Erbe-Stätte, Weltkulturerbe-Stätte, Welt-Kulturerbestätte. Ein einziger Bindestrich schon würde das Lesen, das schnellstmögliche Erfassen des Wortsinns, wesentlich leichter machen. Ich bevorzuge die vorletzte Variante: Weltkulturerbe-Stätte.

Ein anderes Vier-Wort-Wort ist z. B. das "Wassermannzeitalter".
Doch hier ist sowohl der Wassermann als auch das Zeitalter als selbständiges "Zwei-Wort-Wort" sehr geläufig, so daß das Lesen des "Vier-Wort-Wortes"  leichter fällt.
 

Lebenserwartung "bei" Frauen  
Der Text Solche und ähnliche Formulierungen wie die "Lebenserwartung bei Frauen" sind in verschiedenen Varianten ziemlich häufig zu finden.
Hier nur ein aktuelles Beispiel: in der "Prisma" Nr. 42/2008, S. 5
Kommentar
Warum schreibt man nicht einfach von der "Lebenserwartung der Frauen"? Steht es auch so in den Medien: "Lebenserwartung bei Männern"?
Das kleine Wörtchen "bei" macht die Frauen zu Objekten, beobachteten Wesen, so wie "die Lebenserwartung bei Versuchskarnickeln" könnte man glatt denken. Man sagt nicht "Lebenserwartung bei Menschen". 
Man kann das Spiel fortsetzen:
"Ausbildung bei Frauen" - und "Ausbildung der Männer"
"IQ bei Frauen" - "IQ der Männer".
Aber wahrscheinlich bin ich da nur zu empfindlich. Ich werde "dranbleiben" und weitere Beispiele sammeln - ganz begierig bin ich auf ein Beispiel mit "bei Männern"! Das werde ich natürlich auch hier nennen, Ehrenwort!

Die kleine Monsterin  
 
Das folgende schreibe ich mit blutendem Herzen:
"Die kleine Monsterin" nannte sich eine Sandmännchensendung des mdr.

Die Sprachentwicklung der Kleinsten unserer Gesellschaft scheint ein großes Problem zu sein. In Sachsen-Anhalt wurde kürzlich der Sprachtest für Vierjährige "Delfin 4" eingeführt, bei dem die Kinder u. a. zeigen müssen, daß sie in der Lage sind, "sinnfreie Sätze" nachzusprechen. 

Was habe ich nun an der "Monsterin" auszusetzen?
Dieses Wort gibt es gar nicht!

Das Monster ist ein Neutrum (ein Substantiv mit "das" davor). Nach den Regeln der deutschen Grammatik kann man aus  einem Neutrum kein Femininum (ein Substantiv mit "die" davor) bilden.
Hier einige Beispiele:
Das Kind - die Kindin oder das Biest - die Biestin geht nicht.  Nicht einmal "der Gast - die Gästin"  ist - obwohl aus rein grammatischer Sicht richtig - bisher möglich.

Die Deutschlehrer sind zu bedauern, die gegen  ein bereits im Vorschulalter durch solche Fehler geprägtes Sprachgefühl ankämpfen müssen.
gefunden in der Programm-Ankündigung für das "Sandmännchen" vom 07. 12. 2009 im mdr-Fernsehen
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Rotwurst, Nacktscanner usw.  
Die Erfahrung mit der Blutwurst
Wahrscheinlich war ich etwa 7 Jahre alt, als ich bei uns auf dem Bauernhof beim Schweineschlachten zum ersten Mal das Blut rühren durfte, das aus dem eben getöteten Schwein quoll. Das Zusehen war längst zur Gewohnheit geworden, natürlich auch das Essen von Leberwurst, Blutwurst, Schwartenwurst und Bratwurst - die vier Sorten Wurst, zu denen neben Schinken, Speck, Schnitzeln, Gepökeltem usw. das arme Tier verarbeitet wurde. Ich hatte damals ganz selbstverständlich Weißbrot geschnitten, aus dem dampfenden Trog von der rohen Leberwurst genascht, das frische Wellfleisch (fast nur fettes Fleisch) mit Pfeffer, Salz und Senf genüßlich verschlungen. Mit dem Wort "Blutwurst" hatte ich nie Probleme, wußte ich doch genau, wie diese Wurst hergestellt wurde.
Nach der Wende verschwand  nach und nach die Blutwurst aus dem Angebot - dafür bekamen wir "Rotwurst" zu kaufen.  Das war natürlich in Wirklichkeit die gleiche Wurst wie zuvor.  Nur klang das Wort jetzt unverfänglicher für zarte Genießerohren.
 
Nacktscanner
Den "Nacktscannern" ereilte ein ähnliches Schicksal wie der Blutwurst -  noch ehe sich der Begriff überhaupt in den Köpfen der Menschen festsetzen konnte, war er schon wieder verschwunden und durch den "Körperscanner" ersetzt worden.
Ich hoffe, es kommt bald die Zeit, wo Menschen weder mit Nacktscannern noch mit Körperscannern etwas anfangen können. Vielleicht essen sie dann auch wieder Blutwurst und nennen noch andere Dinge wieder beim richtigen Namen.
 
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unrelevant  
Der Text
"Das Sie die Gutschrift gleich bei Ihrem  Vermieter auf dem Konto belassen haben, ist dabei unrelevant, da laut Abrechnung jederzeit die Möglichkeit einer Auszahlung bestand.  Private Vereinbarungen können nicht berücksichtigt werden."
aus dem  Schreiben der ARGE SGB II Wittenberg vom 01. 04. 2008 an mich








Kommentar I
Zum inhaltlichen Verständnis des obigen Satzes sei kurz eingefügt:
In dem Schreiben geht es um die Abrechnung der Betriebskosten. Ich hatte bei einem PLUS von rund 160 Euro aus den kalten Betriebskosten und einem   MINUS von rund 320 Euro aus den Heizkosten   das  PLUS gleich zur Verrechnung  beim Vermieter belassen. Dieses PLUS will die ARGE nun von mir "zurück",  wobei sie von den Heizkosten immerhin 80 Euro übernehmen will.
Anders ausgedrückt: Statt nur 160 Euro  insgesamt nachzuzahlen muß ich wegen des Anspruchs der ARGE insgesamt 240 Euro zahlen.

Mir geht es auch nicht um den Schreibfehler im ersten Wort, den ich nur wegen der Zitategenauigkeit stehen lassen muß.  Es geht mir ausschließlich um die freie Wortschöpfung (?) bzw. Buchstabenkombination "unrelevant": die Kombination einer deutschen Vorsilbe mit einem aus dem Lateinischen übernommenen Wortstamm. Die sich intellektuell gebärdende Dummheit hatte das Wort "relevant" bzw. "Relevanz" statt des allgemein verständlichen Wortes "wichtig" bzw. "Wichtigkeit" ja schon vor langer Zeit entdeckt und  damit bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit um sich geworfen.  Nun gibt es also diese Steigerungsform "unrelevant" statt des üblicheren, verständlicheren "unwichtig", "unerheblich", "belanglos". In obigem Beispiel wäre also "irrelevant" zwar sprachlich korrekt, jedoch für  denjenigen, an den solche Schreiben  normalerweise gerichtet sind, in der Regel trotzdem unverständlich.  Will man  also gar nicht verstanden werden? Oder was steckt  dahinter?

Meine Vermutung ist, daß  mit einer für den Adressaten unverständlichen Sprache    (Eine der beiden Hauptmethoden ist die Verwendung seltener bzw. ungebräuchlicher Fremdwörter, die zweite ist die Verwendung von unübersichtlich langen und extrem verschachtelten Sätzen.) geistige Überlegenheit und Macht demonstriert werden soll: sie dient als Einschüchterungsversuch. In meinem Fall ging es der Schreiberin wohl darum, einen möglichen (vielleicht sogar berechtigten?)  Widerspruch von vornherein abzuschmettern.

Merke: Wer Wörter unverstanden verwendet, um seine Intelligenz respektive Überlegenheit zu veranschaulichen, sollte sich vorher  genau erkundigen. Ansonsten macht er sich nur lächerlich.
Ähnliche Beispiele sind:

rational-irrational-unrational

reversibel-irreversibel-unreversibel

reparabel-irreparabel-unreparabel.
Kommentar II
Meine google-Suche am 07. 04. 2008  ergab für die Buchstabenkombination "unrelevant" rund 57 700 Fundstellen.
In www.duden.de hatte es Null "Treffer". Letzteres besagt, daß es kein offiziell anerkanntes deutsches Wort ist.

Das Wort "irrelevant" wurde in www.duden.de in verschiedenen Wörterbüchern (großes Fremdwörterbuch, Die deutsche Rechtschreibung, Das Synonymwörterbuch u. a.) je einmal angezeigt, bei google waren es
19 800 000 Fundstellen.
In meinem papiernen Duden-Fremdwörterbuch*   steht  unter
"relevant:
... bedeutsam, wichtig. Ggs -> irrelevant. ..."
* siehe Quellen Kürzel Duden, Du5
 
Die massenhaften Fundstellen für "unrelevant" bei google erschreckten mich  sehr: so weit ist es mit dieser Sprachschweinerei also schon gekommen?

Verzicht - und was unverzichtbar ist  
Text 1 "Überwachungen unverzichtbar"  
Kommentar
Unter dieser Überschrift wird in der MZ*informiert, daß Lidl nicht daran denkt, die schamlose Überwachung der Mitarbeiter endlich zu beenden. Was für ein Armutszeugnis stellen sie den Arbeitenden aus: Bummelanten, Faulpelze, Leute, die jede Minute, in der sie unbeobachtet sind,  ausnutzen, der Firma durch Nichtstun nicht genug Profit zu scheffeln.
Die Kamera ersetzt die Peitsche, der faule Deutsche muß die Peitsche spüren, damit er sich ausbeuten läßt. Hartz IV allein genügt nicht.

Manchmal liest man sogar so hübsche Dinge wie die, daß die Unternehmensführung auf Lohnerhöhungen ihrer Angestellten "verzichtet". 
MZ* Quellenangaben siehe Kürzel MZ in Quellen
Text 2 "Günther Beckstein (CSU) will  neben seinen landespolitischen Ämtern wieder als Anwalt arbeiten. Mit seinem Verzicht auf das Ministerpräsidentenamt nach den Landtagswahlen im September 2008 ist er dafür wieder zugelassen."
MZ 21. 1. 2009,
S. 4
Kommentar 2 Da schau her, der hat verzichtet? Ich dachte, die andern wollten ihn nicht mehr?  

Zahl der Todesopfer schwankt  
Der Text
"Die Zahl der Todesopfer schwankt zwischen einhundertzwanzig und einhundertfünfzig."
ZDF heute am 28. 11. 2008, 19.00Uhr
Kommentar
Es ist ein makabres Beispiel für eine der schlimmsten Sprachschludereien: die unzulässige Verkürzung einer Aussage.
"Verkürzungen"  meint, daß nicht der exakte, eindeutige Ausdruck verwendet wird, sondern eine  (ggf. nur) dem Hörer oder Leser verständliche  Kurzform. Spitznamen sind eine Form davon, Abkürzungen eine andere. Man spricht auch nicht davon, daß das "ein Foto von Otto" ist, sondern sagt i. a.: "Das ist doch Otto."  Keiner käme auf die Idee, der Mensch Otto wäre ins Foto gekrochen.  Solche  Verkürzungen sind zulässig, wenn man sicher sein kann, daß der Hörer / Leser in der Lage ist, diese Kurzform der Aussage als solche zu erkennen. Gelegentlich können Mißverständnisse auftreten, doch im allgemeinen sind diese Verkürzungen ungefährlich und sogar praktisch.
Doch bei offiziellen Anlässen, Nachrichten, Erklärungen von Politikern, in Gesetzestexten usw. haben Verkürzungen keinen Platz: da muß man einfach die exakte Version, die eindeutige Version, die sprachlich korrekte Form der Aussage verwenden, auch wenn sie u. U. eine halbe  Sekunde länger dauert als die Kurzform.

Die richtige, exakte Aussage der obigen - schon ziemlich makaber  und geschmacklos wirkenden  - Nachricht wäre gewesen:

"Die Angaben über die Zahl der Todesopfer schwanken zwischen ..."
 


Zugang der Änderungskündigung  
Der Text

Rechtsanwalt Johannes A. Menke, Fachanwalt für Arbeitsrecht aus Halle, beantwortet eine Frage zum Kündigungsrecht. In dem Text findet sich dieser Satz,  den sich auszudenken einem "normalen" Menschen wohl äußerst schwer fallen würde:   

gefunden in der MZ vom 14. 7. 2007 auf S. V7
 
"Zugleich muß der Arbeitnehmer dann gegen die in der Änderungskündigung enthaltene  Beendigungskündigung innerhalb  von drei Wochen ab Zugang der Änderungskündigungserklärung Klage beim Arbeitsgericht erheben."
 
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