www.brunhild-krueger.de  -  Startseite   »  Klatschweib »   Einmischung  »  Kinder
31. 12. 2008
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
Startseite Einladung Inhalt Neues Namen A - Z
Die Physikerin Selbst denken männl. + weibl. Fridolin Die weise Alte Das Klatschweib
Dornröschen
 
 
Das alte Klatschweib  mischt sich ein
Das Dornröschensyndrom und Minister Schäuble

Da durfte in einem ganzen Land 16 Jahre lang nicht gesponnen werden, nur weil die Gefahr bestand, daß sich die Königstochter in ihrem 16. Geburtstag (!) an einer Spindel stechen würde. Alle Spindeln, deren man habhaft werden konnte, wurden verbrannt. Wurde jemand erwischt, dass er eine versteckt hatte, war er des Todes. Doch am 16. Geburtstag ihres umsorgten und umhegten Prinzeßchens waren sich die Königseltern so sicher, alles für die Sicherheit ihres geliebten Kindes getan zu haben, daß sie es unbedenklich allein ließen.
Es geschah, was geschehen musste: eine Spindel hatte alle Sicherheitsmaßnahmen der Herrschaften überlebt und stach zu, mit den bekannten Folgen.

Vielleicht sollte Herr Minister Schäuble sich dieses Märchen in einer Mußestunde mal wieder vornehmen und über dessen „Moral” nachdenken?
Vielleicht sollte er sich auch mal in die Denkweise von Attentätern versetzen? Wenn alle Flughäfen und alle Flugzeuge der Welt sicher sind, wenn die planenden Attentäter sich längst ein Informationssystem außerhalb des öffentlichen Web geschaffen haben (wieso denkt er, sie benutzen das für ihre geheimen Informationen?), wenn die Attentäter dann beginnen, sich auf Autobahnauffahrten zu konzentrieren oder Aussichtstürme, alte Schlösser oder andere Gegenden, in denen Menschen im öffentlichen Raum sich konzentrieren, was will er dann machen? Hat er schon einmal überschlagen, wohin ein totales Sicherheitssystem rein personell und kostenmäßig führen muss? Denn irgendwann muss man ein Sicherheitssystem entwickeln, das das eigene Sicherheitssystem kontrolliert - schließlich sind die Terroristen nicht dumm und werden versuchen, ihre Leute in dieses Sicherheitssystem einzuschleusen. Das wird eine Lawine an Aufwand; schließlich wird man die Chinesen bitten müssen, unser Sicherheitssystem zu übernehmen, weil zur Sicherung der Sicherheit der 80 Millionen Deutschen vielleicht 160 Millionen Leute nötig sind.

Sorry, wenn ich jetzt auch noch persönlich werde, aber dafür biete ich gleich einen - aus meiner Sicht sehr schönen - Vorschlag an:
Jede oder jeder, die oder der schon einmal Opfer von äußerer Gewalt wurde, hat jahrelang damit zu kämpfen. Es gibt Frauen, die mit 16 Jahren vergewaltigt wurden und ein Leben lang keinen Sex mehr haben können aus lauter Angst vor Männern. Es gibt Terroropfer, die jahrelang in psychiatrischer Behandlung sein müssen, ehe sie wieder ein einigermaßen „normales” Leben führen können. „Normal” meint, dass sie im Alltag nicht mehr auffallen, sich wie andere bewegen und arbeiten können. Nur eines ist wohl bei ihnen ein kleines wenig anders: sie haben sicher für den Rest ihres Lebens eine etwas höhere Schwellenangst als die „normalen” Mitmenschen: sobald eine Gefahr sich andeutet, werden alte Ängste wieder aktiv.
Wenn man also die Psychologie dieses Phänomens der Gewalt- und Terrorerfahrung kennt, muß man die Betroffenen ja nicht gleich aus jeder Verantwortung nehmen und sie vielleicht in einer Werkstatt für geistig Behinderte Kinderspielzeug basteln lassen (und so den Import chinesischen Spielzeugs unnötig machen). Man kann dieses erhöhte Angstlevel ja nutzbar machen für die Gemeinschaft:
als Innenminister z. B. ist man sicher sensibler für Gefahren, die dem Volk drohen, wenn man selbst „Betroffener” ist. Das hat unsere Regierung im Prinzip also sehr gut gemacht, dass sie Herrn Schäuble eine verantwortungsvolle Position gegeben hat.

Nur eines hätte ich noch anzumerken:
wäre es nicht für uns alle noch viel, viel besser gewesen, wenn Herr Schäuble Minister für Verbraucherschutz geworden wäre?

www.brunhild-krueger.de / Das Klatschweib / Einmischung / Dornröschen-Syndrom