| 1. Finanzkrise und Steuerhinterzieher |
| Der Teufelskreis |
Da hat es also die Finanzkrise geschafft, Wort des Jahre 2008 zu werden. Mein Gott, welch ein Preis für diesen Ruhm!
Wenn ich das richtig sehe, sucht man (á la Friedrich Mertz: "Mehr Kapitalismus" - oder hat er gefordert "Mehr Marktwirtschaft"? - ach, ist ja auch egal) die Lösung des Problems, das zur Finanzkrise geführt hat, nämlich die nichtgedeckte Ausreichung von Krediten - sprich Schaffung von "virtuellem" Geld, das in die "reale" Welt eingreift und damit die alten Ware-Geld-Beziehungen unterwandert - in der verstärkten Schaffung von genau diesem: Gegenwärtig wird solches "virtuelles Geld" offenbar in noch viel größerem Umfang als bisher "erzeugt", indem der Staat bei den Banken Kredite aufnimmt, obwohl da gar kein Geld mehr "vorhanden" ist im Sinne realer Guthaben von Kunden. |
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| Die Abschaffung des Geldes |
Nun hat zwar ein Politökonom* des vorvorigen Jahrhunderts bereits mit Hilfe exakter wissenschaftlicher Analysen, wissenschaftlich äußerst beeindruckender Verallgemeinerung seiner Erkenntnisse und daraus abgeleiteten nicht minder wissenschaftlich hieb- und stichfester Trendanalyse und -voraussage prognostiziert, daß eines Tages das Geld "abgeschafft" wird. Aber natürlich konnte er nicht ahnen, auf welchem Weg sich dieser Trend durchsetzen würde.
Man kann es auch so sagen:
Das Geld als "Blut" im Kreislauf der Marktwirtschaft ist in den vergangenen Jahren zunehmend aus dem Wirtschaftsorganismus abgezogen und in künstliche Parallelkreisläufe (Börse, Finanzströme rund um den Globus ohne jegliche parallele wirtschaftliche Aktion, ...) geflossen, mit der Tendenz, sich vermehren zu wollen, also immer mehr "Blut" aus dem Organismus der Wirtschaft und des Konsums zu entziehen.
Und nun haben sich die Regierungen also entschieden, das letzte bißchen Blut auch noch in diesen Parallelkreislauf zu stecken. |
* ein gewisser Karl Marx |
| Eine weibliche Alternative |
Mit anderen Worten: man muß Formen der Organisierung des Wirtschafts- und Verteilungskreislaufes finden, die ohne Geld auskommen, will man die Wirtschaft dauerhaft beleben.
Hier gibt es übrigens hübsche Ansätze einer sogenannten "weiblichen Ökonomie des Schenkens", die zwar in der heutigen Struktur auch noch nicht ganz ohne Geld auskommen, aber ohne Geld auskommen können. Vorausgesetzt, man schafft andere Strukturen, den Wirtschafts- und Verteilungskreislauf zu organisieren.
Dafür hat es auch schon ein paar Experimente gegeben: von Tauschringen bis Lebensmittelgutscheinen, Suppenküchen und bis hin leistungsunabhängigen Sozial- und Kulturleistungen, die kostenlos verteilt werden.
Auch die Familie funktioniert nach dem Prinzip der "geldfreien Verteilung des Vorhandenen". Oder müssen Ihre Kinder bezahlen, wenn sie sich an den Tisch setzen? |
siehe auf meiner Website www.heitere-zukunft.de in "Weg + Ziel" die Seite "Ideensuche" - ein Klick auf die Blume führt direkt auf diese Seite
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| Steuern und die Todesstrafe auf Eigentumsdelikte |
Nun haben wir in letzter Zeit viel über die "Unmoral" von Steuerhinterziehern gelesen, auch von Piraten und anderem Gesocks, gegen die sogar die Armee wie gegen ein feindliches Land eingesetzt wird, ist die Rede. Allen diesen Typen gemeinsam ist, daß hier nach Wegen der Umverteilung des Vorhandenen gesucht wird, die ein Zusatzplus in der eigenen Tasche bewirken. Zwischen einem Zumwinkel und einem Piraten vor der somalischen Küste gibt es nur einen Unterschied: Zumwinkel könnte auch überleben, wenn er "moralisch sauber" bliebe, nicht kriminell würde. Die Piraten sind meist Leute, die keine Chance haben, durch ehrliche Arbeit zu überleben.
Auf Piraten wird geschossen, die werden also mit der Todesstrafe (ohne richterliches Urteil) belegt, wenn sie sich an fremdem Eigentum vergreifen. Früher wurde Dieben meist erst die Hand abgehackt. Aber Todesstrafe auf Eigentumsdelikte, da haben wir eine lange Tradition in Europa. |
Apropos Piraten: Eigentlich fehlt jede gesetzliche Grundlage für den Einsatz der Soldaten. Die können die Piraten nicht einmal gefangen nehmen, ohne sich strafbar zu machen. Die können die nur "in Notwehr" erschießen. |
| Drei-Klassen-Gesellschaft |
Inzwischen bildet sich in Deutschland heimlich, still und leise eine Drei-Klassen-Gesellschaft heraus:
- die Klasse der Steuerhinterzieher, die meist im oberen Einkommensbereich angesiedelt ist,
- die Klasse der "gewöhnlichen" Steuerzahler,
- die Klasse der "gemeinen" Nichtsteuerzahler.
Die mehrdeutigen Worte "gewöhnlich" und "gemein" erlauben diverse Wortspiele.
Früher bedeutete "gemein" eigentlich die Zugehörigkeit zu einer sehr alltäglichen, gewöhnlichen Erscheinung:
der "gemeine Bauer" oder der "gemeine Sperling".
Damals hing die Bedeutung noch mit dem "Gemeinwesen" zusammen: sowohl die Bauern als auch die Spatzen traten massenhaft auf.
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| Der kranke Steuerhinterzieher |
In diesem Sinne könnte man folgerichtig und ganz allgemein das Wort "gemein" auf Gruppen von Menschen anwenden, die massenhaft auftreten:
Da wäre der "gemeine Steuerhinterzieher" sachlich richtig - in der doppelten Bedeutung des Wortes. Oder klingt "gewöhnlicher Steuerhinterzieher" besser? Immerhin kann man daraus - ebenfalls in schöner Doppeldeutigkeit - ableiten, daß Steuerhinterzieher "Gewohnheitstäter" sind, Steuerhinterziehung also auch zu einer Zwangshandlung werden kann, die - wie jede Suchtkrankheit - nur durch diverse Entzugs-Therapien (Sperre des Umgangs mit Geld vielleicht?) behandelt werden kann:
Also sollte man endlich damit aufhören, Steuerhinterzieher zu kriminalisieren. Man sollte endlich dazu übergehen, solches Verhalten als krankhaft zu behandeln. |
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