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08. 03. 2008
Hexe
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Arbeit+Faulheit
 

Das alte Klatschweib - Geschreibsel
Arbeit und Faulheit

Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen!

In diesem russisches Märchen "Das Huhn, das Birkhuhn und die Maus" wird wie in vielen Märchen und Erzählungen das alte Motiv von Fleiß und Faulheit gegenübergestellt. Ich hatte es wiedergefunden in der Fibel meines Sohnes, als er 1994 in die Schule kam. Da war ich gerade  aus der Arbeitslosigkeit* in eine ABM**- Stelle vermittelt worden und die folgende 2. Variation des Märchens schrieb sich sozusagen mit Herzblut und unter Tränen von selbst.

Sie werden bald sehen, warum ich diese Seite nicht "Fleiß und Faulheit", sondern "Arbeit und Faulheit" genannt habe: wer kann schon seinen Fleiß zeigen, wenn er keine Arbeitsstelle abbekommt?

Hier also die Gegenüberstellung - links die klassische Version des Märchens, rechts meine Aktualisierung:


* Die Arbeitslosigkeit hatte ich mir selbst zuzuschreiben: eine gut bezahlten Stelle  bei einem westdeutschen Großhandel hatte ich gekündigt, weil ich die Betreuung meines Sohnes wegen der Arbeitszeit und der vielen Überstunden nicht mehr absichern konnte. Die neue Stelle erwies sich als Flop: ein westdeutsches, eigentlich angesehenes Unternehmen hatte mich in eine  Scheinselbständigkeit übernommen und als ich die etwas eigenartigen Praktiken der Kundengewinnung und des Verkaufs nicht anwenden konnte und wollte, wieder gefeuert.

** ABM - Arbeits-Beschaffungs-Maßnahme. Es wird an anderer Stelle noch ein Bericht folgen, wie "Arbeits-Beschaffung" in der Praxis aussah. Mit "Arbeit" hatte das leider wenig zu tun.
Abschrift aus der Fibel des Volk und Wissen Verlag GmbH, neubearbeitet 1993, gedruckt 1994 S. 106 - 107:
Meine Version des Themas
Es waren einmal ein Hühnchen, eine Maus und ein Birkhuhn.
Das Hühnchen fand ein Gerstenkorn und gackerte freudig:
"Hab́ ein Korn gefunden, hab́ ein Korn gefunden! Man muß es mahlen !
Wer wird das Korn in die Mühle tragen?"

"Ich nicht" , sagte die Maus.
"Ich nicht", sagte das Birkhuhn.
Es waren einmal ein Hühnchen, eine Maus und ein Birkhuhn.
Das Hühnchen fand ein Gerstenkorn und gackerte freudig:
"Hab́ ein Korn gefunden, hab́ ein Korn gefunden! Man muß es mahlen!
Wer wird das Korn in die Mühle tragen?"

"Ich" , sagte die Maus.
"Ich", sagte das Birkhuhn.



Da war nichts zu machen. Das Hühnchen nahm das Korn
und trug es selbst in die Mühle.
Dort wurde es gemahlen.
"Wer wird den Teig kneten?"
fragte das Hühnchen.
"Ich nicht" , sagte die Maus.
"Ich nicht", sagte das Birkhuhn.


Da knetete das Hühnchen den Teig.
Aber das Hühnchen antwortete:
"Ich habe das Korn gefunden, also darf ich es auch in die Mühle tragen."
Da war nichts zu machen. Das Hühnchen nahm das Korn
und trug es selbst in die Mühle.
Dort wurde es gemahlen.
"Wer wird den Teig kneten?"
fragte das Hühnchen.
"Ich" , sagte die Maus.
"Ich", sagte das Birkhuhn.
Aber das Hühnchen erwiderte:
"Es ist mein Mehl,
denn ich habe das Korn gefunden,
und darum knete ich auch den Teig."

Da war wieder nichts zu machen.
Das Hühnchen knetete den Teig.

"Wer wird den Ofen heizen?"
frage das Hühnchen.
"Ich nicht", sagte die Maus.
"Ich nicht", sagte das Birkhuhn.


Da heizte das Hühnchen den Ofen.

"Wer wird den Ofen heizen ?"
frage das Hühnchen.
"Ich - bitte , bitte, laß mich wenigstens diese Arbeit machen ",
bat die Maus.
"Ich - bitte, ich kann es gut, ich bin stark", bot sich das Birkhuhn an.
Aber das Hühnchen schickte sie weg.
"Das ist mein Ofen, das ist mein Reisig. Ich würde mich ja inzwischen langweilen. Nichts da, ich tue es selbst."

Da heizte das Hühnchen den Ofen.
Das Brot wurde groß und knusprig.
Das Hühnchen legte es
auf den Tisch und fragte:
"Und wer wird das Brot essen?"
"Ich", sagte die Maus und setzte sich an den Tisch.
"Und ich" , sagte das Birkhuhn und setzte sich auch.

Das Brot wurde groß und knusprig.
Das Hühnchen legte es
auf den Tisch und fragte:
"Und wer wird das Brot essen?"

Die Maus und das Birkhuhn
standen in der Ecke
und wagten nicht zu sagen,
daß sie Hunger hatten.

Russisches Märchen
Deutsche Wirklichkeit?
Wer nicht arbeiten kann, soll auch nicht essen dürfen!
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