6. Nicht mehr ganz so aktuell:
der Film "Der daVinci-Code / Sakrileg) und die Suche nach dem "Heiligen Gral" - die "Schein-Mystik" |
Der Werbefeldzug für diesen Film lief eine Zeitlang auf Hochtouren. Pro7 brachte in seiner scheindokumentarischen Sendung "Galileo spezial" einige "Hintergrundinformationen". Darin werden Mystik und die Suche nach einem "Heiligen Gral" in einen Topf geworfen. Wenn ich diesen ganzen Zirkus richtig verstanden habe, wird einem "Mythos" nachgejagt, dem "Mythos vom Heiligen Gral" und das wird als "Mystik" bzeichnet. Es wird erwähnt, daß die deutschen Nationalsozialisten, insbesondere Himmler, ein starkes Interesse an "Mystik" hatten. Ich habe nicht den Eindruck, daß damit das gemeint ist, was Menschen wie z. B. Hans-Peter Dürr und Dorothee Sölle unter Mystik verstehen.
Ich möchte ausdrücklich betonen:
Solche Mythen und auch Geheimnisgetue hat noch lange nichts mit Mystik zu tun.
Bei Mystik geht es nicht einmal und nicht vordergründig um bestimmte Wissen, sondern um eine Erkenntnismethode.
Eher mit Mystik zu tun hat wohl die Suche Newtons nach Wissen auch außerhalb der offiziellen Wissenschaft: er wurde als "letzter Magier seiner Zeit" bezeichnet und soll sich mit allem möglichen "okkulten" Wissen befaßt haben. Vielleicht hat er dabei auch "mystische Erkenntniserlebnisse" gehabt, das ist aus den Sekundärinformationen über ihn nicht ersichtlich.
Doch die Grenzen sind fließend zwischen Wissen und Erkennen. Ich möchte jedoch ausdrücklich betonen: auch das "okkulte Wissen" und diverse magische und esoterische Rituale haben nichts, absolut nichts mit der echten Mystik zu tun! |
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| 7. Hans-Peter Dürr: Mystik und Wissenschaft |
Der Physiker Hans-Peter Dürr ist vielen bekannt. Vor Jahren hörte ich einen Vortrag von ihm über "Mystik und Wissenschaft". Meine Notizen daraus werde ich irgendwann einfügen. Dürr engagiert sich auch stark für die Versöhnung von Wissenschaft und Religion. Ich denke, die Mystik ist die Brücke zwischen beiden. |
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| 8. Das Problem der mystischen Erkenntnis - es gibt keine Antwort, nur eine Handlungs-Anleitung |
Mystisches Erkennen ist letztendlich "wortloses" Erkennen. Da es sich um eine ausgesprochen subjektive Erfahrung handelt, kann man zwar versuchen, das Ergebnis der eigenen Erkenntnis in Sprache zu übersetzen und so anderen Mitteilung davon zu machen. Letztendlich werden die anderen aber nicht verstehen, was gemeint ist, solange sie diese Erfahrung nicht auch selbst gemacht haben. Auch beim obigen Beispiel mit Pythagoras können Sie zwar die Lösung lesen, aber sie nützt Ihnen nichts in dem Sinne, daß sie die Antwort gibt. Die Lösung gibt nur den Weg, wie Sie diese Erkenntnis gewinnen können. Wollen Sie den Beweis finden, müssen Sie das, was ich als Lösung benenne, aktiv tun. Die Lösung ist keine Antwort, sondern eine Handlungsanleitung, sich die beiden Zeichnungen bewußt anzusehen.
Sie können es sich ungefähr so vorstellen: Sie lesen über Verliebtsein Bücher und sehen Filme. Wenn Sie dieses Gefühl noch nicht am eigenen Leibe (an der eigenen Seele) erlebt haben, werden Sie das Verhalten der betroffenen Menschen, die Beschreibung des Zustandes für befremdlich bis albern halten. Im günstigsten Fall können diese Beschreibungen Ihr Verlangen wecken, selbst eine solche "Erkenntnis des Verliebtseins" zu erleben. Verstehen werden Sie es jedenfalls erst durch eigene Erfahrung, nie allein durch Lesen und Lernen von Beschreibungen.
So wie es den Zustand der Verliebtheit gibt, den man nur selbst erfahren kann, gibt es viele geistig-emotionale Zustände, insbesondere auch Erkenntniserlebnisse, die man nicht rational vermitteln kann. Viele Menschen in diesen Zuständen erscheinen Außenstehenden genauso "verrückt", wie Verliebte "verrückt" erscheinen.
Fachdeutsch ausgedrückt heißt das:
Das Problem der Mystiker besteht darin, ihre Erfahrungen ins personale Bewußtsein zu übersetzen.
In einer anderen Formulierung heißt es:
Diejenigen, die mystische Erlebnisse gehabt haben, haben hinterher vier Möglichkeiten, darauf zu reagieren:
1. Sie ignorieren dieses Erlebnis, weil es nicht in ihr rationales Weltbild paßt.
2. Sie werden verrückt in dem Sinne, daß die reale Welt ihre Bedeutung verliert, sie jeden Bezug zu ihr verlieren, aufgeben oder verweigern. Das mystisch Erlebte wirkt so stark, daß es darüber hinaus keinen Sinn mehr gibt.
3. Sie haben den dringenden Wunsch, anderen Menschen von diesem wunderbaren, beglückenden Erlebnis Mitteilung zu machen, können sich dafür aber nur der rationalen Sprache bedienen, in der diese Erfahrung eben nicht ausdrückbar ist. So wirken sie auf die anderen langweilig, anstrengend, abstoßend, "missionierend" bzw. ebenfalls verrückt.
4. Die vierte Gruppe der Menschen mit mystischen Erlebnissen wissen um die Begrenztheit der Ratio, des Verstandes, der Sprache. Sie drücken ihre Erkenntnisse auf andere Art, indirekt, symbolisch aus: sie werden z. B. Dichter, Künstler oder Wissenschaftler (ja! das geht auch!).
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| 9. Kunst und Mystik |
Wer das weiß oder wer selbst schon ein mystisches Erlebnis gehabt hat, erkennt unter den Künstlern die "begnadeten" - diejenigen, die ein mystisches Erlebnis hatten. Man kann sie sehr gut von denen unterscheiden, die vorgeben, begnadet zu sein. Begnadete Künstler kann man auch an ihrer Wirkung über die Jahrhunderte erkennen, selbst dann, wenn man nichts von Mystik und Begnadetsein weiß. In diesem Sinne kann man sicher sein, daß Michelangelo, Leonardo da Vinci, Tschaikowski und andere begnadet waren.
Künstler, die demgegenüber nur das rational Erkannte und vielleicht noch ihre Gefühle in die Kunst übersetzen, können zwar auch anziehen, faszinieren, begeistern. Doch bleibt das Erleben ihrer Kunst meist in der rationelen Ebene stecken. Man bewundert die Kunstfertigkeit, die Formen, die Aussage. Oft "versteht" man so ein Kunstwerk erst mit vielem "Hintergrundwissen", es ist dann Kunst für eine gebildete Elite, die von der ungebildeten Allgemeinheit, dem "einfachen Volk" nicht verstanden werden kann. Das Kunstwerk eines Begnadeten wirkt auf den Betrachter, egal auf welcher Erkenntnisebene er es wahrnimmt, es berührt jeden: das Kind und den Ungebildeten ebenso wie den Kunstwissenschaftler. Jeder entdeckt "etwas" darin, doch nicht jeder kann wirklich "alles" finden, was der Künstler hineingelegt hat. Deshalb wird man solcher Kunst gegenüber eine Entwicklung erleben: je länger man sich mit ihr beschäftigt, um so mehr erkennt man. Sie kann einem ein ganzes Leben etwas geben. Wenn man Glück hat, erkennt man auch ihr "letztes Geheimnis". Da die mystisch inspirierte Kunst Ganzheit vermittelt, wird sie immer eine ästhetische Kunst, eine schöne Darstellung sein .... |
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| 10. mystisches Erkennen und Wissenschaft |
Was soll jemand machen, der auf der mystischen Ebene eine Erkenntnis hatte, die ihm niemand abnimmt? Wenn Erkenntnisse nur in wissenschaftlicher Sprache, mit wissenschaftlichen Beweisen akzeptiert werden, wird ein solcher Mystiker ggf. auf die Idee kommen, Wissenschaftler zu werden und die Beweise mit Hilfe der wissenschaftlichen Methode zu beschaffen. Dann heißt es vielleicht in Fachkreisen: "Der hatte Glück." oder "Der hatte eine besondere Intuition."
Ich möchte an dieser Stelle erinnern, daß mein Interesse an Philosophie begann, als mein Professor für Theoretische Physik, Prof. Schöpf, darauf verwies, daß viele Erkenntnisse bereits gefunden wurden, ehe sie heute auf wissenschaftlicher Ebene bestätigt werden konnten. (siehe: Die Physikerin / Studium - der Abschnitt über die 60-Stunden-Woche und das Rätsel der alten Griechen)
Nun wäre also eine Erklärung für das von ihm Gesagte möglich: Außerhalb der Wissenschaft gab und gib es einen viel umfassenderen Erkenntniszugang - und die Wissenschaft ist nur im Nachtrab.
Doch wie reagiert die Wissenschaft auf diese Situation? Anstatt diese außerwissenschaftliche Erkenntnisebene bewußt in ihre Arbeit einzubeziehen, eiert sie herum.
Lustig wurde es, als ich las, wie Astronomen die Tatsache zu erklären versuchten, daß Jonathan Swift bereits rund 150 Jahre vor der offiziellen astronomischen Entdeckung der Marsmonde (der Entdeckung mit Hilfe eines Fernrohrs) diese beschrieb: nicht nur, daß es zwei sind, sondern er beschrieb auch, daß einer sich retardierend bewegt. Na so ein Zufall! - sagt die Wissenschaft.... - hihi! |
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| 11. Eine Buch- Empfehlung |
Fürs erste will ich es bei dieser Einführung in die Mystik belassen. Später ergibt sich vielleicht aus dem Text der anderen Seiten, daß es zweckmäßig ist, hier noch einiges zu ergänzen.
Wenn Sie jetzt schon mehr über Mystik wissen wollen, kann ich Ihnen ein sehr sachliches, "rational" geschriebenes Buch empfehlen:
Dorothee Sölle
Mystik und Widerstand
Mein Exemplar ist erschienen im Hoffmann und Campe Verlag , Hamburg, 1997
ISBN 3 - 455 - 08583 - 0
Hier ein kleines Zitat von der letzten Seite des Buches: |
Mehr über D. Sölle schreibe ich in Namen » D. Sölle |
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"Die Mystik als die zukünftige Gestalt der Religion bezieht sich auf diese Einheit des Lebens. ... Ist es möglich, die Illusion der Autonomie und der Autarkie und die Praxis der Ausgrenzung durch Liebe zu überwinden? Daß wir ohne diesen mystischen Traum keine Chance haben, ist evident genug. Ihn schon jetzt zu leben ist die Hoffnung bewußter Minderheiten.
... Das Bild vom Leben spricht in schöner mystischer Übertreibung und zugleich durchaus realistisch von drei Qualitäten, die allen offenstehen:
- grenzenlos glücklich,
- absolut furchtlos,
- immer in Schwierigkeiten." |
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Anhang:
Angst vor Mystik |
Das eigentlich schlimme an dem folgenden Beispiel ist, daß in ihm ein völlig einseitiges, geradezu falsches Bild von Mystik existiert:
"Schule verbannt Potter
Eltern sehen durch Mystik religiöse Gefühle verletzt"
ist die Überschrift.
Der Sachverhalt war, daß an einem Chemnitzer Gymnasium Eltern von Schülern einer 5. Klasse "religiöse Bedenken" gegenüber Geschichten vom Zauberlehrling Harry Potter geäußert hatten. Ein Zitat aus der Presse von damals: |
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"Die Eltern wollten nicht, dass ihre Kinder sich mit der in den Büchern enthaltenen Mystik beschäftigten, sagte Lamm. Nach Angaben der Eltern würden dadurch religiöse Gefühle verletzt. Das Kultusministerium wollte den Vorgang nicht bewerten." |
MZ 22. 3. 2007, S. 20
(Lamm ist der Name des Schulleiters ) |
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Die Frage ist nur, ob das, was in den Harry-Potter-Büchern steht, überhaupt etwas mit "Mystik" (Mystik als Erkenntnismethode) zu tun hat und ob diese Erkenntnismethode religiöse Gefühle (welche?) verletzten kann. Schließlich gab es viele Mystiker verschiedener Religionen, auch innerhalb des Christentums.
Abgesehen davon ist mir wirklich rätselhaft, welche religiösen Gefühle durch die Harry-Potter-Phatasie-Bücher "verletzt" werden. Es sind meines Wissens keine Karikaturen von Jesus oder von gläubigen Christen enthalten, das Kreuz als christliches Symbol wird nicht herabgesetzt, das Tragen von Kopftüchern wird nicht einmal erwähnt. Was im Zusammenhang mit den Büchern um Harry Potter als "Mystik" bezeichnet wird, ist viel Phantasie, ein bißchen modernes Märchen, ein bißchen Magie, ein bißchen Zauberei.
Ach ja, in der Bibel wird die Zauberei verdammt. Aber gibt es denn Zauberei wirklich? Zauberei gehört nach modernem Wissenschaftsverständnis eindeutig ins Reich der Phantasie - und die Kinder wissen das durchaus! |
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