| 1. Labyrinth, Trojaburg und Irrgarten |
Die meisten Menschen nennen Irrgarten ebenfalls Labyrinthe, obwohl sie nur auf den ersten Blick Ähnlichkeit miteinander haben, jedoch zwei völlig verschiedene Dinge sind. Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist, daß ein Irrgarten Sackgassen kennt, während beim "klassischen" Labyrinth ein einziger Weg, mehr oder weniger verschlungen von außen zu einem Zentrum und wieder zurück führt. Beim Irrgarten gelangt man zum Zentrum, ohne alle Wege abgelaufen zu sein, beim echten Labyrinth muß man den ganzen Weg gehen. Wenige Spezialfälle sind so gebaut, daß man von außen einen Weg zum Zentrum und einen anderen Weg nach draußen gehen kann, aber auch hier ist es der "ganze Weg", der zu gehen ist.
Trojaburg hingegen ist nur ein andere Name für Labyrinth, er taucht vorwiegend im nordeuropäischen, aber auch im deutschen Raum auf. |
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| 2. Die Legende |
Bekannt ist die Geschichte vom Labyrinth auf Kreta, das von Dädalus für das Monster, den Minotaurus, gebaut wurde. Der "Ariadne-Faden", der "rote Faden", half Theseus, den Minotaurus zu besiegen und wieder aus dem Labyrinth herauszukommen. Das läßt vermuten, daß es eher ein Irrgarten war.
Denn ein echtes Labyrinth hat nur einen einzigen Weg - von außen zum Mittelpunkt und wieder hinaus.
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Es gibt eine interessante und wesentlich andere Interpretation dieser Legende von Frau Prof. Heide Göttner-Abendroth.
Sie schreibt in ihren beiden Essaybänden ausführlich über die Rolle der Labyrinthe als Multi-Funktionsplätze in matriarchalen Kulturen, vor allem als Tanz-, Fest- und Kultplatz, als Observatorium, Kalender und Abbildung komplexer Gestirnsbewegungen.
Das Interesse an Labyrinthen wächst wieder... |
siehe "Für Brigida", S. S. 181ff, S. 188ff und S. 197ff - genauere Angaben in Quellen |
| 3. begehbare Labyrinthe |
Im Jahr 2007 stieß ich auf eine Webseite, die über begehbare Labyrinthe in Deutschland informiert. Die meisten der inzwischen mehr als 200 vorgestellten Labyrinthe sind in den vergangenen 10 bis 15 Jahren entstanden. Nur zwei sind aus dem 17.Jahrhundert und eines aus dem 19. Jh. Weitere Informationen siehe:
www.begehbare-labyrinthe.de
Dieser Webseite sind auch die beiden Typ-Bilder von Labyrinthen auf dieser Seite entnommen. |
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| 4. Typologie |
Auf dieser Webseite werden auch die verschiedenen Labyrinth-Typen vorgestellt.
Eines gefiel mit besonders, erinnert es doch noch an die Legende vom Ariadne-Faden:
Wenn man sich die Zeit nimmt, diese verschiedenen Labyrinthe "durchzublättern", dann ist man von der Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten überrascht: die Materialien reichen von Farbe auf einem mit Steinplatten belegten Platz über im Rasen einfach ausgestochene Wege bis zu Steinen, Kräutern, Büschen ...
Die Initiatoren sind Frauengruppen, Schulen, Kommunen, esoterisch angehauchte Initiativen, kirchliche Kreise und Privatpersonen. |
Beispiel für einen Labyrinth-Typ |
| 5. Steigra und Belzig |
Das Rasenlabyrinth in Steigra (Sachsen-Anhalt, südwestlich von Halle) ist aus dem 17. Jh. und hat die Typologie, wie sie hier abgebildet ist. Es ist schon ein recht komplexes Labyrinth, doch das Prinzip läßt sich sehr gut erkennen.
Im Jahr 2007 ist in der Nähe von Belzig ein weiteres begehbares Labyrinth im Rahmen einer "Kunstspur" öffentlich zugänglich gemacht worden: ein Rinden-Steine-Pflanzen-Labyrinth.
Hier in Wittenberg ist die Idee ebenfalls angekommen, bei ein paar älteren Frauen. Ich bin gespannt, ob sie es schaffen, sie zu realisieren. |
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| 6. Verwandte Themen |
Eng dem Labyrinth verbunden sind Symbole und Muster wie Spirale, Doppelspirale und Mäander. Die Doppelaxt "Labrys" könnte mit dem Labyrinth in Zusammenhang stehen. Der Wirbel als physische Realität in Spiralform gehört ebenfalls dazu.
Diese Unterscheidung in Wirbel und Spirale ist wichtig: die Spirale ist zum einen das Symbol aller Wirbelerscheinungen, zum anderen ist sie in der Sprache der Mathematik die Abstraktion des Wirbels. Ja, auch das ist möglich. |
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| 7. ein Buch über Labyrinthe von Sig Lonegren |
Sig Lonegren
Labyrinthe
Verlag Zweitausendeins Frankfurt / Main
1. Auflage 1993
2. Auflage 1994
ISBN 3-861150-028-0
Dort erfährt man einleitend, daß das Jahr 1991 das "Internationale Jahr der Labyrinthe" war. Natürlich gibt es zahlreiche Abbildungen - und besonders interessant sind die, die das Konstruktionsprinzip des Labyrinths veranschaulichen.
Sig Lonegren hat Maria Reiche in Peru besucht, wo diese die Nasca-Zeichnungen untersuchte, bei denen die Spirale eine herausragende Rolle spielte. Offenbar hatten diese Zeichnungen eine ähnliche Funktion wie in Europa die Labyrinthe. |
Das Konstruktions-Prinzip einfacher Labyrinthe finden Sie hier:
Konstruktion |
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