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20. 10. 2009
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Labyrinth
 
 
Gedanken-ABC
Das Labyrinth - ein "typisch weibliches" Symbol

Das Labyrinth ist ein typisch weibliches Symbol - so habe ich diese Seite angekündigt.
Als erstes erhebt sich daher die Frage, was ein Symbol überhaupt ist. Wodurch unterscheidet es sich z. B.von einem "Zeichen" und warum ist das Labyrinth kein Zeichen?

Leider erlebe ich es oft, daß zwischen beiden Begriffen nicht exakt unterschieden wird bzw. sie willkürlich verwendet werden. Dabei wird das Symbol i. a. sogar als ein spezielles Zeichen angesehen oder Zeichen werden als Symbole bezeichnet.

Zeichen - so könnte ich es verkürzt darstellen - bewegen sich auf der "männlich-abstrakten", rationalen Erkenntnisebene, Symbole sind auf der "weiblich-allgemeinen", intuitiven Erkenntnisebene angesiedelt.

Der Unterschied  zwischen beiden - ebenfalls stark vereinfacht gesagt - ist der:
Ein Symbol ist "selbsterklärend" in dem Sinne, daß es eine konkrete Bedeutung hat und eine  sich aus dieser konkreten Bedeutung erschließende abgeleitete,  sekundäre, allgemeine Bedeutung, während ein Zeichen immer ein Ersatz für ein konkretes oder allgemeines "Ding" ist, das sehr stark von den konkreten Gegebenheiten abstrahiert und das zuvor vereinbart werden muß.

Daraus ergibt sich, daß es zwei unterschiedliche "Sprachen" gibt: die "Zeichensprache" und die "Symbolsprache".   Beide haben ihre Daseinsberechtigung, ihre Vor- und Nachteile - und sie können nicht ohne weiteres einander ersetzen. Mathematik ist z. B. eine typische "Zeichensprache", während uns die Symbolsprache heute fast nur noch in Märchen begegnet. Zu ihr gehören auch im weitesten Sinne Parabeln, Metaphern, Analogien und ähnliche sprachliche Möglichkeiten, bei denen der eigentliche und der "übertragene" Sinn verbunden werden.

Natürlich kann ich hier keine umfassende Darstellung der Labyrinthe geben, doch eine kleine Einführung und Empfehlungen über weitere Informationsmöglichkeiten biete ich an:

  1. Labyrinth, Trojaburg und Irrgarten
  2. Die Legende
  3. begehbare Labyrinthe
  4. Typologie
  5. Die Labyrinthe in Steigra  und bei  Belzig
  6. Verwandte Themen
7. ein Buch über Labyrinthe von Sig Lonegren


Am 13. Oktober 2009 war übrigens der "Internationaler Labyrinth-Tag" - bei dem sich Interessenten  an  einem der begehbaren Labyrinthe trafen.
1. Labyrinth, Trojaburg und Irrgarten
Die meisten Menschen nennen Irrgarten ebenfalls Labyrinthe, obwohl sie nur auf den ersten Blick Ähnlichkeit miteinander haben, jedoch zwei völlig verschiedene Dinge sind. Das einfachste Unterscheidungsmerkmal ist, daß ein Irrgarten Sackgassen kennt, während beim "klassischen" Labyrinth ein einziger Weg, mehr oder weniger verschlungen von außen zu einem Zentrum und wieder zurück führt.  Beim Irrgarten gelangt man zum Zentrum, ohne alle Wege abgelaufen zu sein, beim echten  Labyrinth muß man den ganzen Weg gehen. Wenige Spezialfälle sind so gebaut, daß man von außen einen Weg zum Zentrum und einen anderen Weg nach draußen gehen kann, aber auch hier ist es der "ganze Weg", der zu gehen ist.
Trojaburg hingegen ist nur ein andere Name für Labyrinth, er taucht vorwiegend im nordeuropäischen, aber auch im deutschen Raum auf.
 
2. Die Legende
Bekannt ist die Geschichte vom Labyrinth auf Kreta,  das von Dädalus für das Monster, den Minotaurus, gebaut wurde. Der "Ariadne-Faden", der "rote Faden", half Theseus, den Minotaurus zu besiegen und wieder aus dem Labyrinth herauszukommen. Das läßt vermuten, daß es eher ein Irrgarten war.
Denn ein echtes Labyrinth hat nur einen einzigen Weg - von außen zum Mittelpunkt und wieder hinaus.
 
Es gibt eine  interessante und wesentlich andere Interpretation dieser Legende von Frau Prof. Heide Göttner-Abendroth.

Sie schreibt in ihren beiden Essaybänden ausführlich über die Rolle der Labyrinthe als Multi-Funktionsplätze in matriarchalen Kulturen, vor allem als Tanz-, Fest- und Kultplatz, als Observatorium, Kalender und Abbildung komplexer Gestirnsbewegungen.


Das Interesse an Labyrinthen wächst wieder...
siehe "Für Brigida", S. S. 181ff, S. 188ff  und S. 197ff - genauere Angaben in  Quellen
3. begehbare Labyrinthe
Im Jahr 2007 stieß ich auf eine Webseite, die  über begehbare Labyrinthe in Deutschland  informiert. Die meisten der  inzwischen mehr als 200 vorgestellten Labyrinthe sind in den vergangenen 10 bis 15 Jahren entstanden. Nur zwei sind aus dem 17.Jahrhundert und eines aus dem 19. Jh.  Weitere Informationen siehe:
www.begehbare-labyrinthe.de

Dieser Webseite sind auch die beiden Typ-Bilder von Labyrinthen auf dieser Seite entnommen.
4. Typologie
Auf dieser Webseite werden auch die verschiedenen Labyrinth-Typen vorgestellt.
Eines gefiel mit besonders, erinnert es doch noch an die Legende vom Ariadne-Faden:

Wenn man sich die Zeit nimmt, diese verschiedenen Labyrinthe "durchzublättern", dann ist man von der Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten überrascht:  die Materialien reichen von Farbe auf einem mit Steinplatten belegten Platz über im Rasen einfach ausgestochene Wege  bis zu Steinen, Kräutern, Büschen ...
Die Initiatoren sind Frauengruppen, Schulen, Kommunen, esoterisch angehauchte Initiativen, kirchliche Kreise und Privatpersonen.


ein Labyrinth-Typ
Beispiel für einen Labyrinth-Typ
5. Steigra und Belzig
Das Rasenlabyrinth in Steigra (Sachsen-Anhalt, südwestlich von Halle) ist aus dem 17. Jh. und hat die Typologie, wie sie hier abgebildet ist.   Es ist schon ein recht komplexes Labyrinth, doch das Prinzip läßt sich sehr gut erkennen.
Im Jahr 2007 ist in der Nähe von  Belzig ein weiteres begehbares Labyrinth im Rahmen einer "Kunstspur" öffentlich zugänglich gemacht worden: ein Rinden-Steine-Pflanzen-Labyrinth.
Hier in Wittenberg ist die Idee ebenfalls angekommen, bei ein paar älteren Frauen. Ich bin gespannt, ob sie es schaffen, sie zu realisieren.
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Das Labyrinth in Steigra
Das Labyrinth in Steigra
6. Verwandte Themen
Eng dem Labyrinth verbunden sind Symbole und Muster wie  Spirale, Doppelspirale und Mäander. Die Doppelaxt "Labrys" könnte mit dem Labyrinth in Zusammenhang stehen.  Der Wirbel als physische Realität in Spiralform gehört ebenfalls dazu.
Diese Unterscheidung in Wirbel und Spirale ist wichtig: die Spirale ist zum einen das Symbol aller Wirbelerscheinungen, zum anderen ist sie in der Sprache der Mathematik die Abstraktion des Wirbels.  Ja, auch das ist möglich.
7. ein Buch über Labyrinthe von Sig Lonegren
Sig Lonegren
Labyrinthe
Verlag Zweitausendeins  Frankfurt / Main
1. Auflage 1993
2. Auflage 1994
ISBN 3-861150-028-0

Dort erfährt man einleitend, daß das Jahr 1991 das "Internationale Jahr  der Labyrinthe" war.  Natürlich gibt es zahlreiche Abbildungen - und besonders interessant sind die, die das Konstruktionsprinzip des Labyrinths veranschaulichen.
Sig Lonegren hat Maria Reiche in Peru besucht, wo diese die Nasca-Zeichnungen untersuchte, bei denen die Spirale eine herausragende Rolle spielte. Offenbar hatten diese Zeichnungen eine ähnliche Funktion wie in Europa die Labyrinthe.
Das Konstruktions-Prinzip einfacher Labyrinthe finden Sie hier:
Konstruktion
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