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01. 08. 2009
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Harmonie
 
 
 
 
Gedanken-ABC
Harmonie - ein Schlüsselwort für weibliches Denken und für das Erkennen

Die Gegensätze fügen sich zur Harmonie.
Heraklit

Mitte der 90er Jahre war ich auf dieses Wort gestoßen.  Das meint, ich begann, darüber intensiv nachzudenken, andere Menschen um ihre Meinung zu befragen und in der Geschichte (Philosophie, Kosmologie, Musik usw.) zu recherchieren, was es alles im Zusammenhang mit diesem Wort zu sagen gab.

Stutzig machten mich einige Episoden:
Mein früherer Gesprächspartner "Thomas" (siehe Fridolins Väter ) fand  im Jahr 1996 dieses Wort so abstoßend, daß er, als ich es ihm gegenüber aussprach, eine "Kotzbewegung" machte. Er war nach wie vor ein gläubiger Jünger der Klassenkampf-Lehre und alles, was irgendwie den Geruch von Harmoniestreben hatte, war in seinen Augen offenbar gefährlich für diese.
Eine Freundin sagte: "Wenn ich das Wort nur höre, geht es mir schon besser." und einer Dame aus dem Westen fiel bei diesem Wort nur ein anderes ein: "Scheinharmonie". Sie hasse dieses zu Weihnachten so harmonisch-tun, dieses "Friede-Freude-Eierkuchen" - Getue. 
Das erschütterndste Erlebnis war, als  mir meine Nichte, damals in der 11. Klasse am hiesigen Melanchthon-Gymnasium - Mitte der 90er Jahre eine Aufgabe aus dem Kunstunterricht nannte: sie sollten eine Wohnzimmereinrichtung mit bewußt disharmonischen Farben gestalten. Da hatte ich geglaubt, das optische Harmoniegefühl zu lernen, sei schwierig und sicher einige praktische Übungen wert - und nun sollten die Schüler das Gegenteil durch praktisches Üben einprägen. Was war in unseren Schulen los?
All diese Erlebnisse und Erkenntnisse versprach also interessante Einsichten. Fortan war ich bei diesem Thema sehr hellhörig. Es fiel mir auf, daß es "normal" ist, dieses Wort eher abwertend zu benutzen.

Inzwischen habe ich eine so umfangreiche Sammlung von Abbildungen, Fremdtexten und Notizen, daß ich sie hier gar nicht alle vorstellen kann. Ich werde mich also auf einige wenige Aussagen - die allerwichtigsten aus meiner Sicht - beschränken müssen.

Natürlich werde ich hier nicht Definitionen aus Lexika oder ähnlichem wiederholen. Mir geht es darum,  auf die - gegenwärtig stark unterschätzte - Bedeutung dieses Wortes aufmerksam zu machen. Deshalb lautet meine erste Behauptung:

Ohne  den Vesuch, das Wort Harmonie zu verstehen, ist ein Verstehen der Welt ausgeschlossen.

Hier nun einige Gedanken im Detail:

  1. Harmonie als Basisbegriff für das Verstehen der Welt
  2. Symbole, Sprichwörter, Sprachanalysen
  3. Harmonie in Wissenschaft und Gesellschaft
  4. Harmonie in der Kunst
5. Harmonie mit der Natur

1. Harmonie als Basisbegriff für das Verstehen der Welt
Ist Harmonie eher etwas für Frauen?
Weiblicher Führungsstil sei einer, der auf  Ausgleich, auf Vermittlung setzt. Während Männer stärker auf Kampf, Auseinandersetzung, "Aggressivität" setzen, sind Frauen eher  "harmoniesüchtig" - ein Wort, das das Streben nach Harmonie geradezu pathologisiert.
Das sei als Reminiszenz an das Grundthema dieser Webseite angemerkt. Von nun an will ich mich aller geschlechtsspezifischer Betrachtungen enthalten - dazu ist das Thema einfach zu wichtig und zu umfassend, als daß ich zulassen würde, es als "weibliches" Thema einseitig zu betrachten.

 
Die Gegensätze fügen sich zur Harmonie
Das Streben nach Harmonie, nach Ausgleich, nach dem "Zusammenfügen der Gegensätze"  ist eines der beiden Grundprinzipien, die in allen Prozessen der Welt - egal auf welcher Ebene - zu finden sind. Das andere Prinzip ist der "Kampf", die Auseinandersetzung, die Trennung. Im ständigen Wechselspiel beider "Elemente" des Weltgeschehens realisiert sich die Höherentwicklung der Materie.
Dieses Harmoniestreben ist von Heraklit  und später noch von vielen Philosophen und - das sollte besondere Beachtung finden - Religionsstiftern erkannt und in verschiedenen Darstellungen gelehrt worden.

Eine besondere Bedeutung erlangte dabei für mich die Formulierung, die ich im Thomasevangelium  als Ausspruch von Jesus fand. Ich gebe diesen Satz nun zum dritten Mal auf dieser Webseite wieder - denn  er ist in meinen Augen der größte und wichtigste und schönste Satz, der je gedacht, ausgesprochen und aufgeschrieben wurde.

"Wenn ihr die zwei zu eins macht und wenn ihr das Innere wie das Äußere macht und das Äußere wie das Innere und das Obere wie das Untere, und wenn ihr das Männliche und das Weibliche zu einem Einzigen macht, so daß das Männliche nicht mehr männlich und das Weibliche nicht mehr weiblich ist - ... dann werdet ihr ins Reich eingehen."

Spaßeshalber habe ich diesen Satz in mathematische Schreibweise übertragen und "Weltformel" genannt:

1  +   1    =   1

In meiner Webseite www.eine-weibliche-physik.de habe ich dieser "Weltformel" breiten Raum gegeben: auf insgesamt vier Seiten befasse ich mich mit diesem mathematischen Ausdruck für das Harmoniestreben.
zur "Weltformel" siehe auf meiner Webseite www.eine-weibliche-physik.de die Seite Weltformel  - klick hier

zur Seite WELTFORMEL in www.eine-weibliche-physik.de
Ordnung und Unordnung
oder
Chaos und Harmonie?
Die nächste Phase des Nachdenkens drehte sich dann um diese Frage: Wie hängen die Begriffe Ordnung, Unordnung, Chaos und Harmonie zusammen? Dabei begriff ich, daß die Begriffe "Ordnung" und "Unordnung" nur sehr unzulänglich das beschreiben, was mit den Begriffen "Harmonie" und "Chaos" ausgedrückt werden kann.
Diese Gedanken waren sogar Auslöser, das physikalische Konzept, das um den Begriff "Entropie" herum entstanden ist, aus kritischer Distanz zu beleuchten und dessen Schwachpunkte zu erkennen.

Vielleicht kann ich das, was ich dabei erkannte, an einem Beispiel deutlich machen:
Wenn Soldaten im Gleichschritt marschieren, sieht das sehr "ordentlich" aus. Diese Ordnung der Gleichmäßigkeit von Abständen und Bewegungen hat etwas durchaus faszinierendes, das kann man nicht anders sagen. Von einer "harmonischen Bewegung" kann hierbei jedoch noch nicht im eigentlichen Sinne gesprochen werden.
Diese ist eher beim Tanz, vor allem beim Paartanz zu erkennen: es gibt unterschiedliche Abstände, unterschiedliche Schrittfolgen und Bewegungen der einzelnen Tänzer und Tänzerinnen - doch trotzdem bewegen sie sich insgesamt "harmonisch", aufeinander abgestimmt, zusammengehörig in einer wesentlich komplexeren Art als es der Gleichschritt ist. 
Die Gedanken zu diese physikalischen Fragen sind zur Zeit noch nicht veröffentlicht. Sobald das geschieht, wird von hier ein Link hinführen.
Harmonie und Rhythmus
Dieses Beispiel des Tanzes weist auf eine weitere Beziehung hin, die zwischen Harmonie und Rhythmus: alle Bewegung erfolgt   entweder  als lineare Bewegung "abrupt" bzw. "ruckweise" ( z. B. anfahren - fahren - abbremsen eines Autos) oder sie schwingt  als "kreisförmige Bewegung" in einem bestimmten Rhythmus, im Takt bzw. in einer sogar meßbaren Frequenz.  Diese rhythmischen Bewegungen sind nicht nur  schöner, sondern auch energieökonomischer.
Wenn verschiedene Bewegungen (egal, ob die einer Maschine oder von Menschen) rhythmisch  verlaufen sollen, müssen sie "synchronisiert" werden. Im Falle des Tanzes übernimmt das die Musik.
 
2. Symbole, Sprichwörter, Sprachanalysen
Synonyme
Einklang, Resonanz, Übereinstimmung, Gleichgewicht, (geistige) Gemeinschaft  und – nicht zu vergessen – Liebe sind  andere Worte für Harmonie. Mit Liebe  meine ich hierbei den umfassenderen Begriff, der nicht nur die (sexuelle) Liebe zwischen Menschen beschreibt, sondern jede Form von Liebe, auch die zur Arbeit, zur Natur, zur Kunst  und Musik oder z. B. die Vaterlandsliebe.
 
aus dem Thesaurus des Schreibprogramms

Der Thesaurus meines Schreibprogramms bot mir folgende Synonyme für "harmonisch" an:
ausgeglichen, abgestimmt, ausgewogen, brüderlich, einträchtig, gleichmäßig, melodisch, übereinstimmend, wohlklingend, wohltönend, zusammenpassend, ästhetisch, einheitlich, einig

Herkunft des Wortes
Duden, Band 7, Herkunftswörterbuch(Kürzel: "Du7" )
Das Wort Harmonie ist erst seit dem 16. Jh.  in unserem Sprachgebiet anzutreffen, zunächst nur als musikalischer Fachausdruck, und kommt aus dem Griechischen bzw. Lateinischen "harmonia"  - für  "Bund, Fügung, Fuge, Ordnung".

Frauenlexikon "Das geheime Wissen der Frauen" (Kürzel "Frauen-Lex")
Das Wort Harmonie wird nicht als Suchwort erwähnt, doch im  Wort "Har" finden sich interessante Gedanken zur Herkunft:
Zuerst wird auf "Ishtar", die Patronin der heiligenTempelhuren ("harines"), sowie auf den "Harem" verwiesen.  Die Wurzel "har" leitet sich aus dem Hebräischen "Har" her, das sowohl Heiliger Berg als auch schwangerer Bauch bedeutet. Aus Har wurde später auch Harmonia, eine "Tochter der Aphrodite", die Friedensbringerin, hergeleitet.
Du7 und Frauen-Lex: siehe Quellen
3. Harmonie in Wissenschaft und  Gesellschaft
Teil und Ganzes
Auch die Systemtheorie (die Beziehung von Teil und Ganzem) kommt ohne den Begriff der Harmonie nicht aus: erst wenn die einzelnen Teile "zusammenpassen", sich ineinander "fügen", funktional aufeinander "abgestimmt" sind, funktioniert auch das "Ganze" bzw. das System. Das gilt für alles - egal ob es ein organisches System wie der menschliche Körper ist oder ein technisches System wie ein Auto oder eine Uhr. Auch Gesellschafts-"Systeme" funktionieren so gut oder schlecht,  wie das Zusammenspiel, die Harmonie der einzelnen Teile und des Ganzen realisiert wird.

Hieran wird schon deutlich, daß Harmonie nichts mit "Friede, Freude, Eierkuchen" zu tun hat, sondern eine außerordentliche Herausforderung an das Denken und Handeln der einzelnen Gesellschaftsmitglieder ist:
Harmonie muß - wenn möglich auf immer höherer Ebene - ständig hergestellt werden. Ständig ändern sich die Rahmenbedingungen der Gesellschaft, d. h. ständig wird die einmal erreichte Harmonie (so sie denn überhaupt schon einmal erreicht wurde) gestört und muß wieder hergestellt werden. Harmonie ist wie ein labiles Gleichgewicht, wie ein Balanceakt.
4. Harmonie in der bildenden Kunst
Der "Goldene Schnitt"
Erstaunlicherweise führt der "Goldene Schnitt" ein eher Schattendasein im Allgemeinwissen der  meisten Menschen.   In der BDE* (der Brockhaus-Enzyklopädie in 30 Bänden 90er Jahre) sind ihm ganze 21 Zeilen und eine geometrische Zeichnung über das mathematische Teilungsverhältnis gewidmet.
Das Buch von Günther Kaphammel (leider ist es vergriffen) "Der Goldene Schnitt - Harmonische Proportionen"  zeigt, daß dieses mathematisch beschreibbaren harmonisch wirkenden Proportionen in allen Bereichen des Lebens anzutreffen sind, vor allem daß sie in der Natur weit verbreitet sind.
*siehe Quellen



Günther Kaphammels Buch stelle ich vor auf meiner Webseite  www.die-besten-gedanken.de
zur Seite über das Buch von Kaphammel auf der Webseite www.die-besten-gedanken.de
Harmonie und Schönheit gehören zusammen
Die Kunst, die Architektur, unser Schönheitsideal, die Mathematik - in allen diesen Bereichen sind diese durch den "Goldenen Schnitt" beschriebenen Proportionen die harmonischsten, angenehmsten, die schönsten.
Mit anderen Worten - Harmonie und Schönheit gehören ebenfalls zusammen.
Disharmonien werden als "unschön", als "häßlich" empfunden.
Während diese ein Leidgefühl auslösen (mit dem gegenwärtig Künstler verschiedener Couleuer sehr gern spielen), werden durch harmonische, schöne Propotionen angenehme Gefühle im weitesten Sinne ausgelöst: Lust, Freude, Entspannung, Zufriedenheit, Glück.
5. Harmonie in und mit der Natur
weltweit
In allen Kulturen finden sich Sagen, Götterbilder usw., in denen das Streben nach Harmonie mit der Natur (oder mit Gott bzw. mit den Göttern) als letztes Ziel menschlichen Lebens angesehen wird. Indem die Natur als heilig angesehen wird, wird sie vor wilder Zerstörungslust der Menschen beschützt.
Symbiose oder Kampf ums Dasein?
Betrachtet man die Vorgänge in der Natur nicht einseitig-vorgeprägt unter dem Darwinschen Aspekt des "Kampfes ums Dasein", sondern unter dem Harmonie- bzw. Symbiose-Aspekt, wird die Hierarchie beider Begriffe sehr schnell deutlich: Harmonie ist das übergreifende Lebens-Prinzip, der "Kampf" ist nur ein Teil des Prozesses  - und er läuft nach strengen Regeln ab. Gäbe es "nur Kampf", wäre das Leben  auf der Erde wohl schon längst erloschen.  Erst durch die symbiotischen Effekte ist die Biosphäre der Erde funktionsfähig: und da will ich  als einziges Beispiel nur an die Bienen und die Blüten erinnern.
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