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31. 12. 2008
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
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Gott
 
 
 



Gedanken-ABC
  Gott: "Ich bin der, der ich sein werde."

 Warum darf ein Physiker zwar an Gott glauben, in seinen wissenschaftlichen Arbeiten jedoch die "Hypothese Gott" nicht verwenden?
Diese Frage finde ich spannend und deshalb denke ich, daß es interessant ist, sich den Begriff "Gott" genauer anzusehen:

Wenn ich im folgenden "Gott" schreibe, dann bitte ich zu beachten, daß ich hiermit nicht behaupte, es gäbe einen Gott und ich behaupte auch nicht, daß es keinen gäbe.  Ehe ich mich dieser Frage überhaupt annähern (!) kann, muß ich erst einmal wissen, was andere Menschen unter Gott verstehen, ich muß mir also  zuerst die verschiedenen Gott-Bildern der Menschen  ansehen und fragen, warum sie davon ausgehen, daß es einen Gott gibt oder nicht gibt.
Wie schwer es ist, dieses "es gibt" einzuschätzen, werde ich versuchen, an einer anderen Frage anschaulich zu machen: Gibt es den Weihnachtsmann? 

Eine Freundin von mir, eine sehr kluge und verständnisvolle Christin, sagte einmal, für sie ist Gott "Alles in Allem".  Dieses nachdenkenswerte  Gott-Bild möchte ich  als Ausgangspunkt nehmen in der Hoffnung,  daß es bei allen - egal welcher Religion sie angehören oder ob sie Atheisten sind -   akzeptiert werden kann.

  1. Deus in rota est - ein Gottbild aus dem Kölner Dom
  2. Gibt es den Weihnachtsmann oder gibt es ihn nicht? - die Schwierigkeit mit dem "es gibt"
  3. Schuf der Mensch Gott?
  4. Die reale und die geistige Welt
  5. Gottes Atem (mein Lieblingsbild)
  6. Gott und "Obst" - oder die Frage, ob  Gott nur ein abstraktes Wort  ist
  7. Gottbilder - Jeder hat seine eigene Vorstellung von Gott:
- Gott als Richter oder Richtungsgeber / Orientierungshilfe
- Der Beobachter-Gott und die Wissenschaft
- Gott als Schöpfer, der sein Handeln von Menschen beeinflussen läßt
- Gott oder Göttin
- Gott und das "ewige Leben"
- Atheismus - Wo Gott ist, ist der Atheismus nicht weit ....
- Wissen und Handeln in einen Gottbild: der "alleswissende, handlungsunfähige Gott"
- Gott als logos, Notwendigkeit usw.(in Vorbereitung)
- Gott als Allheit, Ganzheit
  8. Gottes "Nesthäkchen", der Atheist (in Vorbereitung)
  9. "Ich bin, der ich sein werde ..." - Nachdenken über "Gottes Selbstbild"
  10. "Gottesbeweis" und die Erkennbarkeit Gottes
  11. "Gotteserfahrung"
  12. Offenbarung oder Denken?
  13. Das Wirken Gottes - oder die Frage nach den "göttlichen Wundern"
  14. Schweigt Gott? Oder irrt sich der Papst nur?
  15. "Und führe mich nicht in Versuchung" ... - ?
16. Jesus, der der Versuchung widerstand und der glücklichste Mensch wurde
  17. Der lachende Gott
  18. Gott als Zielursache, als Zweck
1. Deus in rota est
Als erstes biete ich ein Gottbild aus dem Kölner Dom an:
Das Rad in der Mitte trägt den Text: "Deus in rota est" (Gott ist in der Drehung). Man kann den Text auch an anderer Stelle beginnend lesen: "In rota est Deus". Doch man kann es drehen und wenden wie man will: diese jahrhundertelange Erkenntnis ist einfach genial. Wie albern-einfältig wirkt im Vergleich zu diesem einen Satz unser ganzes lineares Denken: "Die kürzeste Verbindung zweier Punkte ist die Gerade."
 
 

Wie nur sind die Menschen damals auf dieses "Deus in rota est" gekommen? Kann mir jemand mehr Hintergrundwissen zu diesem Satz geben?

Deus in rota est

Diese Frage stelle ich auch in der Fragen- Übersicht - klick hier:
Link zur Seite mit der FRAGEN-Übersicht        






Im Dezember 2005 war der Dom Baustelle, an einigen Stellen mit Bauzäunen umstellt und diese mit Tüchern behangen. Auf einem von ihnen fand ich nebenstehende Abbildung. Leider fand ich das Mosaik im Dom selbst nicht, ich nehme an, es ist dort als Bodenmosaik gestaltet.





2. Die Weihnachtsmann-Frage
In der ersten Klasse fragten mich ältere Mitschüler, ob ich noch an den Weihnachtsmann glaube. Da ich sie verständnislos ansah - ich verstand die Frage  wirklich nicht - lachten sie sich scheckig und johlten: "Ha, die glaubt noch an den Weihnachtsmann!"
Aber ich hatte doch gar nicht an ihn "geglaubt"! Bis zu diesem Augenblick war ich mir ganz sicher, daß es ihn wirklich gibt!
Viele Jahre später, mein Sohn war etwa im gleichen Alter wie ich damals, doch er "glaubte" natürlich nicht an den Weihnachtsmann, hatten wir  kurz vor Weihnachten eine interessante Diskussion:
Er fragte etwas wegen der erwarteten Geschenken und ich erwiderte: "Na, die legt doch der Weihnachtsmann unter den Baum!" Er lachte und sagte: "Den Weihnachtsmann gibt es doch gar nicht! Du legst doch die Geschenke unter den Baum.", worauf ich ihn auf die vielen Weihnachtsmann-Bilder in Büchern, Schaufenstern und im Fernsehen hinwies und meinte, dort könner er doch selbst den Weihnachtsmann sehen. Er meinte darauf: "Ja, soo gibt es ihn, aber doch nicht wirklich!" Und dann kam  mir dieser Satz spontan und scherzhaft in den Sinn - und erst hinterher wurde er mir richtig bewußt:
"Was glaubst du wohl, warum so viele Menschen  gleichzeitig zu Weihnachten sich gegenseitig beschenken und dann sagen, es sei der Weihnachtsmann gewesen? Das passiert doch nur, weil alle diese Geschichte vom Weihnachtsmann kennen und sie ihnen gefällt.  Deshalb passiert genau das, was  "der Weihnachtsmann macht". Wir sind halt alle seine Helfer."
Was ich damit sagen will: den Weihnachtsmann, wie Kinder ihn sich vorstellen: mit Rauschebart, irgendwo da oben am Nordpol, mit Rentierschlitten usw., den gibt es nicht. Und trotzdem gibt es ihn, sozusagen auf einer anderen Ebene, auf einer geistigen. Es gibt die Idee des Weihnachtsmannes - und die ist so stark, daß Millionen Menschen dieser Idee "ver-wirklichen".
Bitte unterschätzen Sie dieses "Weihnachts-Mann-Problem" nicht!
In der Physik geht es um physische Ursache und physische Wirkung in der materiellen Welt, eine "Idee" als Ursache einer physischen Wirkung kann von der Physik nicht erkannt werden. Sie müßte  die Wirkung einer Idee also als "ursacheloses" Wirken - ja was ? - ignorieren!
3. Schuf der Mensch Gott?
Wenn Gott nicht "wirklich" existiert, sondern "nur" in den Köpfen der Menschen als Vorstellung, so hat es doch Auswirkungen auf das Denken, Fühlen und Handeln der Menschen. In diesem Sinne könnte man sagen: die Menschen "schaffen sich Gott", der sich dann "verselbständigt". Er existiert, weil die Menschen ihn geschaffen haben.   Das ist zwar verwirrend, doch ich kann diesen Gedanken nicht außen vorlassen, wenn ich die Gottbilder verstehen will.  Der Atheist kann dieses Phänomen ignorieren, das befreit ihn nicht von dem Phänomen, daß geistige Produkte der Menschen eine objektiv reale Existenz haben: Wissenschaft z. B. oder Gedichte, Musik - und die Liebe, die Freundschaft, die Freude.


"Die Idee wird zur materiellen Gewalt, wenn sie die Menschen ergreift."
Karl Marx
4. Die reale und die geistige Welt
Ähnlich ist es mit Träumen: sie sind nicht "wirklich" im Sinne, daß das, was da passiert, in der physischen Realität der Alltagswelt passiert ist, sie passieren "nur geistig", doch sie passieren irgendwie so, daß man geneigt zu sagen:  "Ich habe  wirklich geträumt, daß wir  nach Berlin gefahren sind." Dieses "wirklich" meint, ich lüge nicht, ich erfinde das nicht, ich erinnere mich sehr genau an diesen Traum. Normalerweise kann man sehr gut unterscheiden, ob man etwas "wirklich" oder "im Traum" erlebt hat. Eigenartigerweise ist die Erlebnisintensität mancher Träume stärker als die der  Realität.

Auch Pläne, Wünsche, Phantasien von Reisen oder Erlebnissen passieren "wirklich" in unseren Köpfen. Doch es ist eine "andere" Welt als die, die wir i. a. mit dem Wort "Wirklichkeit" bezeichnen. 

Einmal vor mehr als zwanzig Jahren las ich einen Ausspruch von Maxim Gorki über "die halb reale, halb phantastische Existenz des Menschen". Jahrelang (!) hat mich sein Gedanke immer wieder beschäftigt, versuchte ich zu verstehen, was er damit gemeint hatte.

"Gibt es" nun Gott nur in den Köpfen der Menschen, so wie  Weihnachtsmann, Träume, Pläne und Phantasien? Oder gibt es noch mehr, das man aus den Gottbildern erfahren kann?
5. Gottes Atem
Irgendwo fand ich einmal eine Textstelle, in der gesagt wurde:
    "Wenn Gott aufhört zu atmen,
      hört die Welt auf zu sein."

Wieso kommen Menschen auf die Idee, so etwas zu denken? Die Welt als "Gottes Atem". Die Welt aber auch als Lebensbedingung Gottes: wenn er aufhört zu atmen, hört er ja selbst auch auf zu sein. Gott und die Welt - ein sich gegenseitig bedingendes Wechselspiel?
 
6. Gott und "Obst"
Also suchte ich das Gespräch mit einem Theologen, einem evangelischem Pfarrer.
In meiner ersten Phase, in der ich noch aus völlig atheistischer Sicht die Gottbilder der Menschen untersucht hatte, war ich an dem Punkt angekommen, daß ich sie für eine Abstraktion nahm: so wie  "Obst" eine Abstraktion verschiedener konkreter, eßbarer Früchte ist: Man kann Äpfel, Birnen, Bananen, Kirschen usw. als "Obst" bezeichnen. Obst "gibt es und gibt es nicht". Denn man kann Obst nicht essen, nicht anfassen, nicht sehen: wenn man es sieht, berührt, ißt, dann berührt, sieht, ißt man immer die konkrete Frucht: den Apfel und eben nicht "Obst". An diesem Punkt war ich also in meinem Erkenntnisweg angekommen, als ich mit Herrn Dr. S. reden wollte über Gott. Meiner ersten Frage, begegnete er mit: "Gott ist eine Abstraktion, so etwas wie "Obst"." - Ich jubelte schon innerlich, dachte ich doch, nun könnten wir anfangen, über Gott zu reden, hatten wir hier doch - aus unterschiedlichen Richtungen kommend - einen Berührungspunkt gefunden. Doch oh weh! Das war nicht der Anfang, sondern das Ende unseres Gespräches. Für ihn war damit   alles gesagt, was über  Gott gesagt werden kann, weitere Gespräche waren überflüssig....

Mein Fazit war: mit Theologen kann man nicht über Gott reden.
7. Gottbilder
Jede Religion, jeder Mensch hat seine eigene Vorstellung von Gott. Auch ein A-Theist hat ein "Gottbild" - Gott ist für ihn das "Nichts".
Deshalb betone ich noch einmal: Wenn ich im folgenden von "Gott" (bzw. den Gottbildern der Menschen) schreibe, schließe ich auch dieses Bild mit ein.
Letztlich kann auch ein Atheist nicht umhin, anzuerkennen, daß Menschen in ihren Gott-Bildern wichtige Erkenntnisse verallgeinern, personifizieren, ihnen ein Bild geben, diese Erkenntnisse bündeln, symbolisieren , ... - nennen Sie es wie Sie wollen.
siehe auch in
" Die Physikern" Gottbild
In einem Gespräch mit einem Studenten über Gott  hatte ich damals gedacht, daß sein Gottglaube und mein Unglaube sich ergänzen wie in der Physik das  Welle- und das Teilchenbild.
- Der Richter
Mir wurde dieser Gott in meiner Kindheit als Beobachter und Kontrolleur nahegebracht: er paßt auf und sieht alles, was ich  mache. Und das schlechte wird gesammelt und mir eines Tages vorgehalten und dann kommen Abrechnung und Strafe.  Wie sollte ich damals wissen, daß er gar nicht der strafender Ver-Urteiler ist,  daß das Wort "Richter" von "Richtungsgeber" hergeleitet werden muß? In diesem Sinne  wird Gott  als Orientierungshilfe benötigt. Wer den falschen Weg ging, konnte mit Hilfe des Wissens über Gott ( = den richtigen Weg) zurückfinden. Gott straft nicht, wenn man vom richtigen Weg abkommt, sondern der falsche Weg wird mir Schaden bringen und Gott kann mich davor bewahren, wenn ich ihn als Wegweiser in meinem Leben benutze. In diesem Gottbild bündeln sich also die Lebenserfahrungen von Generationen: was hat sich im Handeln bewährt für den Einzelnen und die Gemeinschaft, was ist schädlich?  Erste überlieferte Erfahrungen waren wohl die 10 Gebote, die Moses als göttliche Eingebung, als Gotteswerk den Menschen brachte.

Diese andere Vorstellung von Gott als "Richter", diese andere Bedeutung dieses Wortes möchte ich hiermit zur Diskussion stellen.
 
- Der Beobachter-Gott und die Wissenschaft
Gott wird meist als "außerhalb seiner Schöpfung", als Gegenüber zur wirklichen Welt gedacht. In diesem Bild ist er in erster Linie "Beobachter", der die Rahmenbedingungen seines Experimentes bestimmt und dann zusieht, was seine "Versuchkaninchen" mit ihrem "freien Willen" so anstellen können.
Dieses Bild findet seine völlige Entsprechung im Selbstbild des Wissenschaftlers als mächtigen Beobachter, der die Bedingungen diktiert und jederzeit Einfluß auf sein Experiment nehmen kann, es sogar abbrechen kann, wie es im beliebt.
Ein anderes Gottbild - könnte es die  Wissenschaft von ihrem Dünkel und Machbarkeitswahn befreien?
- Der Schöpfer

Mal ganz ehrlich: was macht es für einen normalen Menschen für einen Unterschied, ob er an eine Schöpfung glaubt ("Am Anfang war das Wort...") oder ob er  an die Urknall-Hypothese glaubt ("Am Anfang war ein Knall.")? Beides ist nicht bewiesen und kann nicht bewiesen werden.
Es gibt Variationen der Schöpfungsgeschichten,  es gibt  Vorstellungen von einem Anfangsakt und anschließender göttlicher Teilnahmslosigkeit dem Weltgeschehen gegenüber oder es gibt sogar die Möglichkeit, den Gott zu bewegen, bestimmte Absichten zu ändern, das Gebet.  Der Mensch kann also Einfluß auf das Handeln Gottes nehmen!

B. Brecht läßt seinen Keuner fragen:
"Brauchen Sie einen Gott?"
- Die Göttin
Einmal fragte mich ein Freund in irgendeinem Zusammenhang: "Denkst du mal wieder darüber nach, ob Gott ein Mann oder eine Frau ist?"
Ich versuchte, es ihm so zu erklären, in welchem Stadium meiner "Gott-Erfahrung" ich war: "Das ist nicht das Thema: deine Frage ist ungefähr so, als wolltest du wissen, ob die Erde eine runde oder eckige Scheibe ist."
Mit anderen Worten: eine " männliche Geschlechtlichkeit" Gottes ist vorwiegend in patriarchalen Kulturen zu beobachten. Vorherige matriarchale Kulturen kannten das Bild der "Göttin". Doch diese Vorstellung hat mit den Gott-Bildern heutige Weltreligionen so gut wie nichts gemeinsam, ist eine völlig andere Ebene eines Gottbildes. In diesem Göttinnenbild wird eher die Fähigkeit der Frau, Leben zu geben als schöpferische Kraft verallgemeinert.  Diese Art des Gottesbegriffes ist auch eher über  "Spiritualität" (die weibliche Art der Religiosität) beschreibbar, die eine ausgeprägte Komponente der Materie-Verehrung beinhaltet (Beseeltheit der Materie). Dem stehen übrigens "patriarchale" Religionen mit ihrer "Materie-Feindlichkeit" und Sinnesfeindlichkeit (Sinneslust als "Sünde") gegenüber.

Wozu sollte aber ein Gott eine Welt, die Materie schaffen, wenn nicht als "Spielplatz" für den schöpferischen Geist des Menschen? Materie-Feindlichkeit ist Gotteslästerung, Verachtung für die Schöpfung Gottes. Sinnesfeindlichkeit, Lustfeindlichkeit ist ebenso ein Verkennen göttlicher Absicht mit uns. Wenn Gott ein menschenfreundlicher Gott ist, dann ist er ein fröhlicher Gott, der erwartet, daß wir mit "Lust und Liebe" an die Vollendung seiner Schöpfung gehen.
Es gibt diesen hübschen feministischen Satz:
Als Gott Adam schuf, übte sie nur.

- Das ewige Leben
Die meisten Vorstellungen von einem Gott   sind eng verknüpft mit der Vorstellung von einem Leben nach dem physischen Tod auf Erden.  Dabei gibt es zum einen Wiedergeburtsvorstellungen, zum anderen gibt es Vorstellungen, daß das irdische Leben eine einmalige Sache sei und die den Tod überdauernde Seele in einem "Jenseits", im "Himmel"   ("Paradies" oder "ewige Jagdgründe" oder wie auch immer genannt) dann in der Ewigkeit ein süßes, besseres "Leben" erwartet.
Diese Vorstellungen waren wesentliche Ursache, daß der Atheismus Zulauf fand: man wollte nicht auf später vertröstet werden, man wollte das schöne Leben jetzt schon:
"Es rettet uns kein höhres Wesen,
Kein Gott, kein Kaiser, noch Tribun.
Uns aus dem Elend zu erlösen,
Können wir nur selber tun."

Die Wiedergeburtslehre könnte ihre physikalische Entsprechung in der These von der Informationserhaltung finden.  






Liedtext aus der "Internationale" - dem Kampflied der internationalen Arbeiterklasse
- Atheismus
Nun also, der Atheist sagt: Gott ist "nicht existent", es gibt keinen Gott, er ist das "NICHTS", "nichts ist unmöglich", Gott ist unmöglich.
Wer sich als Atheist mit Gott befaßt, befaßt sich mit dem "Nichts". In allen Philosophien ist das Nichts der Gegenpol zum "Seienden". Das steht im krassen polaren Gegensatz zu den positiven Gottbildern, die darin "alles Seiende" umschließen, einschließlich allen zukünftig möglichem Seienden. Irgendwie erscheint es mir - aus rein logischen Überlegungen -   passender, einen Begriff für das "Alles" zu suchen und dann darüber nachzudenken. Das "Nichts"  wirkt demgegenüber  viel zu langweilig.

Will  man sich diesem atheistischen Gottbild annähern, kann es interessant sein, was verschiedene philosophische Strömungen über "Nichts"  zu sagen haben.  Doch es genügt eigentlich schon, sich dem Nichts aus physikalischer Sicht zu nähern:

Andere Worte für Nichts sind "Leere" bzw. "Vakuum". Das klingt vornehmer, besagt aber nichts anderes als daß es Raum gibt, in dem es "nichts" geben soll. Das ist zwar nur ein Modell, denn alle realen Räume sind mindestens von Gravitationsfeldern durchdrungen, die sich nicht abschirmen lassen (oder doch?). Mit anderen Worten, die Physik sagt: Nichts gibt es nicht. Es gibt nur "etwas". Das ist eine Tautologie und hilft auch nicht weiter. Doch etwas kann weiterhelfen: die Physiker haben entdeckt, daß dieses Vakuum, dieses räumliche Nichts etwas hervorbringen kann: in den sogenannten "Paarbildungsprozessen" bilden sich aus dem Nichts sogenannte Materie- und Antimaterie-Teilchen, manchmal wird auch von "virtuellen Teilchen" geredet, ohne daß damit irgendeine  bessere Erkenntnis erreicht wird.  Andere nennen diese Fähigkeit des Nichts, etwas hervorzubringen das "kreative Vakuum", das "schöpferische Universum".   Wieder andere nennen es "creatio ex nihilo" - die Schöpfung aus dem Nichts. Der Kreis schließt sich. Denn die Bibel sagt genau das gleiche: aus dem Nichts schuf Gott am Anfang Himmel und Erde...

Noch etwas vergißt der Atheist:
Die Gottbilder sind  (unter anderen auch) eine Widerspiegelung der Menschen von  Begriffen wie Ganzheit und Vollkommenheit. Wenn der Atheist sich mit diesen Gottbildern nicht befaßt, wird er wichtige Erkenntnisse über diese beiden Begriffe nicht  beachten bzw. nicht verstehen. Ohne die Betrachtung der Gottbilder ist der Atheist also ein bißchen dümmer als andere Menschen.
creatio ex nihilo:
diese "Schöpfung aus dem Nichts" ist auch physikalisch interessant in dem Sinne, daß sie ja dem Energie-Erhaltungssatz widersprechen würde. Andererseits ist sie Teil weiblichen Seins-Verständnisses.
Diesen  Gedanken der "creatio ex nihilo" greife ich in meinem  Atommodell "Fridolin"   auf und übertrage ihn in die Sprache der Physik.

siehe
zur Seite FRIDOLIN auf www.eine-weibliche-physik.de
- Der "alleswissende, handlungsunfähige Gott"
Auf dieses Gottbild stieß ich vor  etwa 30 Jahren. Deshalb ist es hoffentlich verzeihlich, daß ich die Quelle nicht mehr nennen kann.

Sie begeisterte mich ungemein, diese Vorstellung: je mehr jemand weiß, desto mehr Wissen steht ihm für jede Entscheidung zur Verfügung. Andererseits benötigt er jedoch mit zunehmendem Wissen immer mehr Zeit, alle möglichen Varianten  auf ihre möglichen Wirkungen in der Zukunft durchzuspielen bzw. durchzurechnen. Im Extremfall dauert diese Rechenzeit bis zur Wahl der "besten" Handlungseintscheidung zu lange.  Im Normalfall ist der Mensch also immer gezwungen, zwischen Wissensbeschaffung und Verknüpfung dieses Wissens und  der Handungs-Entscheidung zu optimieren: dann kann sich später eine Entscheidung auch als "falsch" erweisen.
Ein "alleswissender" Gott   muß alle Verknüpfungsvarianten seines unendlichen Wissen ebenfalls "durchspielen", es ergibt sich folglich eine "unendliche" "Rechenzeit".

Ohne Wissen kann man augenblicklich entscheiden, z. B. mittes Wurf einer Münze.

Wenn Gott dieses Problem erkannt hat, dann muß er sozusagen "Teileinheiten" von sich schaffen, die jeweils mit einem Teilwissen ausgestattet sind und Teilentscheidungen treffen. Na, wer sagt es denn, wenn das keine schöne Erklärung dafür ist, warum Gott den Menschen geschaffen hat!

Auch  Gott kann nicht in endlicher Zeit entscheiden. Doch das ist nur ein Vergleich mit menschlichem Entscheidungsvermögen. Vielleicht kann er doch in einer Art Zeitlosigkeits-Ebene alles überblicken, auch alle möglichen Varianten von Zukunft? Und er kann jetzt schon erkennen, welche gegenwärtigen Handlungen für  eine ganz bestimmte Variante von Zukunft  erforderlich sind?  Dann wäre das   physikalische Prinzip der kleinsten Wirkung doch nur eine  Gotteserkenntnis in der Sprache der Physik...
Link zur Seite mit der FRAGEN-Übersicht          
Wer kann mir helfen und mir sagen, von wem dieses Bild des "alleswissenden, handlungsunfähigen Gottes" in welchem Zusammenhang geprägt wurde?
- Gott als Logos 
u. a. Bilder

Viele Umschreibungen und Vorstellungen gibt es zum Gottbegriff, einige von ihnen will ich hier nur nennen. Für eine "all-seitige" Sicht auf die "All-heit" ist es sicher notwendig, möglichts viele Gott-Vorstellungen, Gott-Begriffe (bzw. -Umschreibungen) zusammenzustellen. Ich bin gespannt, was sie in ihrer Summe verraten:
- Gott als Logos
- Gott als Notwendigkeit
- Gott als derjenige, der die Zukunft kennt
- Bewegung als das ewige Wesen Gottes
- Gott als Ende, als Finalursache  

- Gott als Einheit, Ganzheit, Allheit

Was es mit dem Gottbild jenseits aller geschlechtlich geprägten Bilder und aller Religionen auf sich hat, wird in dem Buch von Thomas M. Waldmann "Die Gottesformel" sehr schön herausgearbeitet. Er sucht nach den übergreifenden Gemeinsamkeiten in  den Gottbildern aller Religionen  und bezieht sogar den Atheismus ein: Gott hat bei ihm auch einen "Nichts-Aspekt". Er nimmt mathematische Symbole, vor allem die Null und das Symbol für "unendlich" zur Veranschaulichung heran - und  muß doch über die üblichen Mathe-Regeln hinausgehen,  sie "transzendieren", will er das, was Gott in seinen Augen ist, sichtbar machen.

mehr über das Buch "Die Gottesformel" auf meiner Website www.die-besten-gedanken.de:
zur WEB-Seite www.die-besten-gedanken.de, zur GOTTESFORMEL    
 
Wenn er von Gott als "Einheit" spricht, kann ich ergänzen:
Gott = 1 gesetzt ist wohl eines der interessantesten Gottbilder - und eines der am weitesten verbreiteten:
Beispielsweise gibt es das russische Wort für "eins": "adihn" gesprochen, "odin" geschrieben, das eine überraschende Übereinstimmung mit dem germanischen  Gott "Odin" aufweist.

Один

8. Gottes Nesthäkchen
Gottes Nesthäkchen ist der Atheist. An ihm hat Gott seine helle Freude. Wie ich das meine, werde ich  später ergänzen.

Hier will ich nur einen "Witz mit Hintergedanken" anbieten, der nur auf den ersten Blick "atheistisch" ist. Jedoch wenn man genauer darüber nachdenkt ...:
Am Dorfrand, direkt neben einem Brachland, hat sich ein Atheist  ein Grundstück gekauft und werkelt im Garten. Auch sonntags, wenn die Menschen zum Gebet eilen und den Feiertag heiligen, indem sie die Arbeit ruhen lassen, arbeitet und arbeitet er im Garten. Der Pfarrer sieht das nicht so gern und besucht ihn an einem Sonntag nach dem Gottesdienst. Nun will er ihn jedoch nicht gleich verprellen und so sagt er erst einmal  freundlich:
"Sieh an, wie schön Sie doch mit Gottes Hilfe diesen Garten gestaltet haben!"
Der Atheist weist auf das Brachland, auf dem die wilden Pflanzen  wuchern: "Na, dann sehen Sie einmal nach nebenan. Da hat der liebe Gott allein gearbeitet."

Anfangs fand ich den Witz schön atheistisch, doch mit der Zeit, vor allem mit eigener Gartenarbeit verstand ich ihn ganz anders: in "freier Natur" herrscht zwischen den Pflanzen  Gleichgewicht. Die "wilden" Landschaften sehen viel schöner aus als unsere rechtwinkligen Gartenbeete mit Gemüsepflanzen, die wie Soldaten aufmarschiert sind. Es ist gar nicht so leicht, einen "wilden" Garten vorsätzlich anzulegen.  Die Harmonie des Zusammenspiels der einzelnen Komponenten der Natur erscheint, je mehr man sie beobachtet, immer mehr als ein faszinierendes Wunder: alles - von den Temperaturen, der Wärmespeicherung im Eis bis hin zu den Bienen und anderen Symbiosen - erscheint wie komponiert, ist so voller Schönheit, bewirkt so viel Freude, daß man nur ein Wort zu seiner Beschreibung hat: es ist einfach "göttlich".

Für den Atheisten ist es unvorstellbar, daß er "Werkzeug Gottes"  sein könnte, Teil eines Gesamtplanes kosmischer Entwicklung. Es gibt Menschen, die von der Existenz eines solchen Gesamtplanes ausgehen und sich wirklich als "Werkzeug Gottes"  sehen. Leider birgt dieser Gedanke  eine Gefahr: die des Größenwahnsinns, des Machbarkeits-Wahnsinnes: einige glauben, deshalb sei ihnen alles erlaubt, bis hin zu Mord und Totschlag "im Namen Gottes" ...

Der Pfarrer hätte vielleicht sagen sollen:
"Sehen Sie einmal, was Gott da mit Ihrer Hilfe geschaffen hat."
 
Wie gesagt,  das ist Stoff für ein gesondertes Thema.
9. "Ich bin, der ich sein werde..."
Nachdenken über "Gottes Selbstbild"
Im Alten Testament erscheint Gott dem Moses, dieser will seinen Namen wissen und bekommt zur Antwort:
         "Ich werde sein, der ich sein werde."
So steht es in der Luther-Übersetzung. Gelegentlich  wird  die Stelle auch mit
          "Ich bin, der ich bin." 
übersetzt.

Irgendwann kam ich auf die Idee, beide Aussagen, die für sich eigentlich trivial erscheinen, zu vermischen:

          "Ich bin, der ich sein werde."

Ich sprach mit einem evangelischen Pfarrer darüber, wollte wissen, ob man die Stelle auch so übersetzen kann, doch er lehnte strikt ab.
Trotzdem erscheint mir die Kopplung von Präsens und Futur logischer als eine der beiden obigen Übersetzungen:
Ich bin, der ich sein werde: welch ein Potential steckt in mir, was kann alles aus mir werden. Schon heute sind alle diese Möglichkeiten latent in mir gespeichert, die beste davon werde ich realisieren.
Bibel, Altes Testament, 2. Buch Mose, Kapitel 3, Vers 14
(Die Übersetzung in der "Neue-Welt-Übersetzung der Heiligen Schrift", wie sie von den Zeugen Jehovas benutzt wird, schreibt: "Ich werde mich erweisen, als was ich mich erweisen werde.")
 
In diesem kleinen Satz steckt ein Menschenbild von unvorstellbarem Optimismus, von einer solchen Schönheit und Hoffnung. Er ist wie ein Brennpunkt, wie ein Nadelöhr aller Philosophie, Ethik, aller Morallehren und aller Religionen zusammen.
Und niemand erkennt und erklärt das so!

Das Gottbild der unbegrenzten Möglichkeiten spiegelt den Menschen:
Was alles liegt vor mir, was mache ich aus diesem Potential?
Ist das nicht die beste aller denkbaren Herausforderungen? Die einzige, die sich lohnt bei der ganzen Warterei auf den Tod?
 
10. Gottesbeweis und die Erkennbarkeit Gottes
Nein, ich werde mich hüten, in diese typisch männliche gedachte Diskussion um den Gottesbeweis einzusteigen! Das ist wie die Forderung nach einem  Orgasmusbeweis.  Was ich selbst erkannt bzw. erfahren habe, das muß mir niemand beweisen.  Andererseits kann  ich alles  mögliche behaupten und vortäuschen bzw. mir alle möglichen Beweise ausdenken. Bewiesen ist damit gar nichts! 

Es ist viel spannender, darüber nachzudenken, woran Gott - so es ihn denn gibt  - erkannt werden kann.
John Updike hat darüber ein hübsches Buch geschrieben: "Das Gottesprogramm".  Darin geht es um die Frage, ob es möglich ist, Gottes Existenz zu beweisen.   Ein Student will ein Computer-Programm entwickeln, mit dem er diesen Beweis antreten will. Er beruft sich auf die moderne Physik, hinter deren modernsten Erkenntnissen Gott sichtbar würde. Eine der Hauptfiguren ist ein Theologieprofessor, der vor langer Zeit aufgehört hat, an Gott zu glauben. Gegen Ende des Buches sagt der Professor: "Der Computerkram, wie du das nennst, sollte einen Beweis für die Existenz Gottes erbringen. Wenn das gelungen wäre, so hätte die Welt keine andere Wahl gehabt als unterzugehen. Dieser Bastard wollte unsere Welt kaputt machen."
Selbst in diesem "Modell" gedacht,  ist Gott spannend: wieso meint der Theologieprofessor, daß der Gottesbeweis gleichbedeutend ist mit dem Weltuntergang? Wäre dem so, gehört also die Unbeweisbarkeit seiner Existenz zum Plan Gottes?
Dem Professor wird die Entscheidung nicht abgenommen: Gibt es einen Gott oder gibt es keinen? - Diese Frage muß er immer noch selbst für sich beantworten.
Die lustige Seite ist: gäbe es einen Beweis für oder gegen die Existenz Gottes, würden immer Menschen diesen Beweis akzeptieren und andere nicht. Auch der beste Beweis würde also letztlich zur Glaubensfrage. Auf dieser Ebene versagt das "Beweisverfahren" - weil es zu klein gedacht ist für eine so große Frage.
Updike- siehe Quellen
11. Gottes-Erfahrung
Wie sehr die Gottbilder der Menschen mit den allgemeinsten Fragen der Erkenntnis zu tun haben, soll an folgendem Gedanken aufgezeigt werden:
Es gibt Menschen, die sprechen davon, eine "Gotteserfahrung" gemacht zu haben.
 Andere Menschen finden das albern und lachen darüber, verstehen nicht, was damit gemeint sein könnte.
Ich versuche einmal, das mit anderen Erfahrungen zu vergleichen: wer nicht sehen kann, weiß nichts von Farbe, wer nicht hören kann, weiß nichts von Musik, wer  nicht riechen kann, kann Speisen und Getränke nur sehr eingeschränkt genießen, ...
Die  Sinne  Sehen, Hören, Riechen, Tasten usw. wurden zur  Basis unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse. Was außerhalb dieser sinnlichen Wahrnehmungen existiert, können wir nicht wahrnehmen. Wir können also gar nicht wissen, ob es darüber hinaus noch etwas gibt, das unseren Sinnen (auch wenn wir sie mit Hilfe der Technik verfeinert haben) verschlossen bleibt.  Man sollte also genauer hinhören, wenn einzelne Menschen von Erfahrungen berichten, die uns fremd sind:
Was steckt dahinter, wenn Menschen sagen, sie hätten eine "Gotteserfahrung" gemacht? Manchmal nennt man das auch "Erleuchtung" (Buddha), "Verklärung" (Jesus), "Initiation" (esoterische Kreise), "mystisches Erlebnis" (allgemein) - oder auch "Offenbarung": Gott hat sich "offenbart". Wer hat das Recht, einem anderen Menschen solche Wahrnehmungen und Erfahrungen abzusprechen?  
12.Offenbarung oder Denken ?
Es gab in der Geschichte einmal einen hübschen Streit zwischen zwei Männern :
Bernhard de Clairvaux und Pierre Abelard stritten sich, ob Erkenntnis durch Offenbarung oder "nur" durch rationales Wissen zu erlangen sei....
Es war die Frage nach dem Verhältnis von Wissen und Glauben:
Clairvaux meinte, man müsse nichts wissen, um glauben zu können, Abelard meinte, er könne nur glauben, was er wirklich weiß.
Meine "weibliche" Denkmethode sagt mir nun: auch das ist ein typisch männlich gedachtes Problem: wie wäre es meine Herren, Sie versuchten einmal, aus beiden Varianten "eine" zu machen? Wie Jesus gelehrt hat:
"Wenn ihr die zwei zu eins macht, ... werdet ihr in das Himmelreich eingehen."
In der BDE
- siehe Quellen Kürzel BDE -
steht über Bernhard de Clairvaux übrigens:
"Gegen die Dialektik des ABELARDUS wachte er streng über die   Reinheit des Glaubens."

13. Gottes Wirken - oder die Frage nach den göttlichen Wundern
Viele Menschen glauben, Gottes Wirken müsse sich in Wundern oder außergewöhnlichen Handlungen zeigen. Dazu möchte ich jetzt nur zwei Gedanken anbieten:
- der eine ist ein Traumerlebnis aus meiner Studentenzeit,
- der andere ist wieder in einen Witz verpackt.

Der Traum:
Es war nur ein Satz, den ich träumte - und ich fand diesen Traum damals ziemlich verrückt:
"Warum soll ich zum Beweis meiner Existenz die Naturgesetze übertreten, wo ich sie doch geschaffen habe?"

Der Witz:
Ein Feuerwehrmann kommt nach dem Dienst am Moor vorbei, sieht, wie der Pfarrer darin steckt.   Er will ihn herausziehen, doch der Pfarrer wehrt ab mit der Begründung, daß der liebe Gott ihn schon retten werde. Was bleibt dem Feuerwehrmann übrig - er muß nach Hause gehen. Beim Kaffeetrinken erzählt er seiner Frau die Geschichte, findet keine Ruhe und geht noch einmal zum Moor. Der Pfarrer steckt bis fast zum Hals im Sumpf, läßt sich - wieder mit der Begründung, Gott werde ihn schon retten - nicht heraushelfen. Wieder geht der Feuerwehrmann, wieder kommt er nach einiger Zeit, weil er keine Ruhe findet. Der Pfarrer kann kaum noch atmen, so tief ist er bereits im Moor versunken. Er verweigert wieder - ein letztes Mal - das Hilfeangebot des Feuerwehrmannes und versinkt. Als er in den Himmel kommt und mit dem lieben Gott spricht, fragt er ihn, warum dieser ihn denn nicht gerettet habe. Gott erwidert: "Was sollte ich denn noch tun. Dreimal habe ich dir den Feuerwehrmann doch vorbeigeschickt..."

Der Witz könnte nun eine hübsche Diskussion über freien Willen, "innere Stimme", "Gottes Auftrag" usw. einleiten, doch wozu? Jeder denke sich sein Teil.
Der Witz kann auch zeigen, daß man sich Gottes Wirken  nicht unbedingt als Abweichungen vom Normalen  (als "Wunder") vorstellen muß. Wer die "Wunder im Alltag" sieht, hat Gottes Wirken entdeckt. Ist nicht alles, was wir sehen und erleben, "wunderbar"? Kann man nicht über das Zusammenspiel in der Natur, über die Schönheit, über unsere Fähigkeiten, zu denken und uns zu wundern, nur immer wieder staunen? Ist die Freude und das Glücksgefühl, das wir empfinden können, nicht das größte Wunder überhaupt?

Gott und  die  Freude und das Leid in der Welt:
„Alles geben die Götter ihren Lieblingen ganz:
alle Freuden, die unendlichen,
alle Leiden, die unendlichen.
Alles ganz.”

"Freude, schöner Götterfunken ..." (Schiller)

 Mensch sein heißt, "...das Göttliche  in uns zu verwirklichen..."
(Goethe) 
Dieser Satz, anders ausgedrückt, heißt:
Gott wirkt in uns.
14. Schweigt Gott?  Oder irrt sich der Papst nur?
Übrigens sollte man diesen Witz mal dem Papst erzählen. Irgendwie habe ich den Eindruck, daß dem die Pointe nicht klar ist. Oder wie ist es sonst zu erklären, daß er in seiner ersten Enzyklika über die Liebe in Abschnitt 38 schreibt:
"...., bleiben sie [gemeint sind die Christen - B. K.] gefestigt in der Hoffnung, daß Gott ein Vater ist und uns liebt, auch wenn uns sein Schweigen unverständlich bleibt."

Wem Gott sich offenbart hat, der "sieht Gottes Wirken überall", für den ist diese Behauptung vom "Schweigen" Gottes nicht verständlich.  Was erwartet nun der Papst noch vom lieben Gott?
zur Enzyklika siehe Quellen
15. Und führe  mich nicht in Versuchung... - ?
Wieso betet Jesus, beten die Christen bis heute im "Vaterunser":
     "Und führe uns nicht in  Versuchung,
     sondern erlöse uns von dem Bösen."
   
Führt Gott Menschen in Versuchung?  War das nicht die Aufgabe der Schlange im Paradies bzw. wird nicht der Teufel als der große Versucher dargestellt?
Wieso hat Gott eine Welt geschaffen, in der Menschen in Versuchung geführt werden? Was ist "Versuchung" überhaupt?
Gott will den Menschen "prüfen"? Warum?
Er hat ihnen den freien Willen gegeben? Warum und wofür?
Jesus betete "Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden." und "Nicht mein, sondern dein Wille geschehe." - Was ist Gottes Wille?
Um im "Bilde" zu bleiben: was meinen die Menschen mit dem Willen Gottes? Hat Jesus nicht genug darüber gesagt? Warum wird dann auch und gerade von Christen dieser, Gottes Wille, nicht erkannt? Oder - schlimmer noch - warum maßen sich Leute wir Georg W. Bush an, im Namen Gottes gegen sein Gebot der Nächstenliebe zu verstoßen? Von wem oder was haben die sich in Versuchung führen lassen, der Macht, dem Geld und der Gewalt zu dienen? Wie war das doch gleich bei Jesus: "Wer dich auf die rechte Backe schlägt, dem halte auch die linke hin!" - ?
"Selig sind die Sanftmütigen, die Friedfertigen..."
Was ist mit Jesus Mißachtung allen weltlichen Besitzes und aller weltlicher Macht? ...
Hieß es früher nicht: "Erlöse uns von dem Übel."?
16. Jesus, der der Versuchung widerstand ...
... und der glücklichste Mensch wurde.
Der Engel Gotte führte ihn in die Wüste, damit der Teufel ihn versuchen konnte. Handelte der Teufel hier nicht in Gottes Auftrag?
Worin hat er denn Jesus versucht? Etwas zu tun, das Jesus hätte tun können, es aber nicht tun sollte? Was war das gleich?
   -  Jesus sollte die Macht haben, die  physikalischen Naturgesetze zu übertreten? Denn sonst hätte der Teufel ihn wohl nicht herausgefordert, sich ohne Gefahr vom Felsen zu stürzen.
   - Jesus sollte die Macht haben, tote Materie zu beleben? Denn sonst hätter der Teufel ihn nicht herausgefordert, aus einem Stein Brot zu machen.
   - Jesus sollte die Macht gehabt haben, sich zum irdischen Herrscher der damaligen bekannten Welt zu machen? Denn sonst hätte der Teufel es ihm nicht angeboten. Jesus war intelligent und begabt genug, hatte Ausstrahlung, Charisma, die Leuten liefen ihm hinterher - er hätte alles von ihnen verlangen können. Er hätte auch den Kaiser in Rom stürzen können.

ABER - Jesus zog ein Leben in Armut, ständigem Risiko, ohne Macht und Gewalt vor. Warum hat er das getan? Was hat er dafür eingetauscht? - Einen Schatz, der unbezahlbar ist:  

Jesus war der glücklichste Mensch, den man sich denken kann! Doch das konnte er nur werden, weil er all den Versuchungen, die ein Schein-Glück vorgaukeln, widerstanden hat. 

Wer auf dieses echte Glück aus ist, den kann niemand in Versuchung führen.

Jesus wußte aber auch, wie schwer es den anderen Menschen fällt, den äußeren Verlockungen zu widerstehen. Damit sie  das nicht vergessen, hat er für sie gebetet: "Und führe uns nicht in Versuchung." Es ist eine Aufforderung an den Menschen selbst, seine innere Stärke zu erkennen.

So viele Gedanken, die in diesen religiösen Lehren versteckt sind - so viel Seelentherapie, so viel Liebe und Verständnis, so viel  Weisheit ...
17. Der lachende Gott
Das "homerische Gelächter", das sich ursprünglich auf das Lachen der Götter auf dem Olymp  bezog, ist bekannt.  Also verbanden Menschen mit ihren Gott-Bildern immer auch die Fähigkeit dieses Gottes bzw. dieser Götter, lachen zu können. In jüdisch-christlichen Gott-Verständnis ist dieser lachende Gott nicht überliefert.
Im Gegenteil, das meiste, was in unserem christlich geprägten Abendland gegen Gott, gegen seine mögliche Existenz gesagt wird, richtet sich gegen ihn wegen des menschlichen Leides, das dieser Gott angeblich zuläßt. Sogar seinen eigenen Sohn hat er "geopfert", wird ihm vorgehalten.
Da mag es verwundern, auch in diesem Gott den Freude-Aspekt sehen zu wollen oder gar - welch frevelhafter Gedanke - Gott als Spieler zu sehen, der seine Freude am Paradoxen hat, der die menschliche Geschichte als "Eulen-Spiegelei" schreiben läßt:
Doch wie anders mag es erklärbar sein (actio = reactio lassen grüßen!), daß Gott als Sitz für seinen Stellvertreter auf Erden sich ausgerechnet Rom ausgesucht hat, den Ort, in dem seine Anhänger am meisten verfolgt wurden? Wie anders mag es zu erklären sein, daß er demgegenüber das Geburtsland seines Sohnes zum schlimmsten Religions-Kriegsgebiet der Menschheit gemacht hat? Welche Ursache sollte es geben außer der, daß er uns Anstöße geben will zu lernen?
Das sind Gedanken, wie sie einem gläubigen Christen zu stellen wären.

Einen gläubigen Atheisten könnte man vielleicht   fragen, ob angesichts dieser Geschichtssatire nicht doch  ein höherer Zusammenhang hinter dem Wirken in dieser Menschheitsgeschichte stehen könnte - ein Ziel, ein Zweck, eine Absicht?   
Gedanken über die Rolle des Leides werde ich an anderer Stelle ausführen. Diese Seite ist schon viel zu lang.
18. Gott als Zielursache, als Zweck, als  Frage nach dem Sinn
Und damit bin ich bei der eigentlichen Gottes-Frage angekommen: Die Frage nach einer „Existenz Gottes” ist die Frage danach, ob die Entwicklung des Kosmos, des menschlichen Lebens auf der Erde, ob das individuelle Leben jedes Menschen ein Ziel, einen Zweck, einen Sinn hat. Dieser Frage gehe ich im Wörteruch in der „Grundfrage der Philosophie” nach.

Wie man Gott zum Lachen bringt:
"Willst du Gott zum Lachen bringen, dann erzähl ihm von deinen Plänen."
 
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