Doc, der so stolz auf sein angehäuftes Wissen war, daß er sich mir so überlegen fühlte und mir vorschreiben wollte, was ich denken darf und was nicht,
half mir auf eine ganz und gar spannende Weise: durch die Art und Weise,
durch die Grenzen seines Denkens. Er war in seinem Wissen und in seinem Überlegenheitsgefühl so sehr gefangen, daß er nie auf die Idee gekommen wäre, ich könnte auch kluge Gedanken haben. Er brauchte immer sehr lange, ehe er sich vom Boykott und Angriff auf meine Gedanken schließlich doch dazu durchrang, mit mir darüber zu diskutieren und einiges auch herablassend anzuerkennen.
Einmal sprachen wir über die Mikrostruktur der Materie, über Elektronen und Protonen und den ganzen Elementarteilchenzoo, als er erwähnte, daß er sicher weiß und davon ausgeht,
daß die stabilen Teilchen (Elektron, Proton) sich immer gleich bleiben. Ich wollte von ihm wissen, ob die sich denn nie verändern, nie altern oder so. Da war er "ganz sicher", daß sie das nicht täten.
Dieser Widerspruch zu den sonstigen Eigenschaften der Materie, eben zu altern und sich zu verändern,
reizte mich außerordentlich: woher nahm er die Sicherheit, mit der er seine Behauptungen aufstellte? Er zeigte doch eindeutig, daß er darüber nicht nachgedacht hatte, sondern nur nachplapperte, was Philosophen vor ihm seit rund 2000 Jahren mehr oder weniger intensiv behaupteten.
Also nahm ich aus Protest, aus einer "Kontra"-Stellung heraus hypothetisch die gegenteilige Position ein:
diese Teilchen sind ebenso in ständiger Veränderung wie alle Materie, auch sie können altern, "werden und vergehen".
Doc hatte mir geholfen, mich von der männlich-
statischen Sicht auf die Atome frei zu machen. Damit war mein Gehirn frei, Fridolin überhaupt denken zu können.
Das spannende an "Fridolin" ist in diesem Zusammenhang, daß in diesem Modell sowohl die ständige Veränderung als auch das ständige "Sich-gleich-bleiben" ein Bild gefunden haben: indem die "Teilchen" nicht statisch sind, sondern einen ständigen Energiezufluß und Energieabfluß haben, "reinigen" und "erneuern" sie sich ständig und bleiben so "ewig jung". Doc hatte recht: die "Teilchen" altern wirklich nicht - in meinem dynamischen Modell ebensowenig wie in seiner statischen Sicht.