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31. 10. 2008
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
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Mann und Frau - vom Gegeneinander zum Miteinander

Wenn ich mit dieser Website und diesem Thema mithelfen möchte,  eine neue Kultur im Umgang von Männern und Frauen miteinander ins Leben zu rufen, dann gibt es einen Grundgedanken, der mich hoffen läßt, daß es in absehbarer Zeit auch gelingen wird.

Auf der Seite UNIFEM ist der Aufruf zu einer Unterschriftenaktion von Nicole Kidman und dem UNIFEM "Sage nein zur Gewalt gegen Frauen" erwähnt. In diesem Aufruf hieß es, Gewalt gegen Frauen sei die schlimmste aller Gewalten, schlimmer als Terrorismus, Extremismus,  Rassismus und Krieg   zusammen. Doch auch er verschweigt eines: Diese Gewalt geht von Männern aus: von einigen Männern, nicht von der Mehrheit und erst recht nicht von allen Männern. Für die friedlichen Männer mag diese Gewalt ein Randproblem sein, für Frauen ist sie es nicht: sie wissen ja nicht, wann von welchem Mann diese Gewalt tatsächlich ausgeht. Sie ist immer latent, als Möglichkeit vorhanden.

Diese gegen Frauen sich nur mit Gewalt durchsetzen könnenden Männer haben ihre Gründe, so zu handeln. Diese Gründe müssen erkannt und benannt werden - und so schnell wie möglich aus der Welt geschafft werden. Ich denke,  auf Dauer hilft  dafür keine Moral und keine Justiz.
Der aus meiner Sicht einzige Weg ist, daß Männer und Frauen gemeinsam sichtbar machen, daß diese von vielen angestrebte neue Kultur im Umgang der Geschlechter miteinander für beide Seiten nur von Vorteil ist.

Es gilt also, die Grundgedanen dieser neuen Kultur  sichtbar zu machen und zu zeigen, wo und wie sie sich bereits durchsetzt. Ihr aus meiner Sicht
bester Grundgedanke ist ganz einfach:
Wo es Frauen gut geht,
kann es Männern gar nicht schlecht gehen.

Wenn also Männer dafür sorgen, daß es (ihren) Frauen gut geht, wird es (nicht immer gleich und sofort und in jedem Fall, aber insgesamt immer mehr) auch Männern immer besser gehen.

Damit verschließe ich die Augen nicht davor, daß auch immer mehr Frauen heutzutage ihr "weibliches" Denken verlernt (oder nie gelernt) haben und daß sie sich ausgerechnet an den Extremen männlichen Verhaltens glauben beteiligen zu müssen.

Hier die Gedanken auf dieser Seite im einzelnen:

 
 
1. Abhängigkeiten - ökonomische Abhängigkeit von Mann und Frau ist keine freie  Beziehung
 
2. Wenn Männer und Frauen einander genießen - ein Beispiel aus der Geschichte, das "Schule machen" könnte
 
3. Gleich-Berechtigung - Eine abstrakte Betrachtung über "gleiches Recht für alle" und den Ausgleich von gruppenspezifischen Nachteilen
 
4. Feminismus und Frauen-Bewegung
Meine These: Feminismus ist nur eine einzige von mehreren möglichen, eine historisch sicher erforderliche, heute jedoch überlebte Variante  der Frauenbewegung
 
5. Die "andere" Frauen-Bewegung - DDR-Erfahrungen und die nichtfeministische  Frauenbewegung in der Bundesrepublik
 
6. Der Aufbau einer partnerschaftlichen Kultur - Überwindung des Geschlechterkampfes als Kulturtat der Menschheit, als gemeinsame Aufgabe der Männer und Frauen
 
 
8. Ein paar sehr direkte  Fragen an die "Herren der Schöpfung"
z. B.
Wissen Sie von der Angst der Frauen vor Männern?
 
9. An die Mütter - meine ganz persönliche Bitte
 
10. In memoriam - Erinnerungen an  einige der Frauen, die Opfer der verschiedensten Formen von Gewalt wurden, und an Menschen, die sich für die Beendigung  von Gewalt und Krieg einsetzten  und dafür ihr Leben  lassen mußten
Die direkte Fortsetzung dieser Seite ist die Seite "Teamwork"
(zur Zeit noch im Aufbau)
1. Abhängigkeiten
Meine Großeltern hatten die Stellmacherei im Dorf und bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof mit etwas Wald, Wiese und Feld. Dazu gab es einen recht großen Garten, das Vieh (Kühe, Schweine, Hühner, Ziegen) mußte versorgt werden und im Haus war genug Arbeit, die sechs Personen unserer Drei-Generationen-Großfamilie (die verwitwete Schwester meines Großvaters gehörte ganz normal zur Familie) zu versorgen. Die Alten waren ein eingespieltes Team. Die Arbeit ging in friedlicher Absprache, ohne Streit und Ärger von der Hand. Ein "Geschlechterkrieg" war undenkbar, sie hätten es nicht verstanden, daß andere Männer und Frauen sich bekämpfen müssen. Im Haus hatte die Tante das Sagen, in Hof und Garten "herrschte" die Großmutter,  in der Werkstatt und auf dem Feld der Großvater. Der gemeinsame Feierabend wurde friedlich genossen, an Sonntagen ging man in die Kirche, besuchte Verwandte oder bekam Besuch. 

Diese sogenannte "ökonomische Abhängigkeit" verband die Eheleute und die ganze Familie. Trennung oder Streit hätte das Leben aller ruiniert. Sie hatten keine andere Wahl als sich zu vertragen.  
Wirklich frei können Männer und Frauen ihre Beziehungen erst gestalten, wenn sie in ihrer Existenz nicht mehr vom Partner abhängig sind. Ökonomischer Druck, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, ist entwürdigend und kulturlos.
Der erste Schritt hin zu einer wirklich freien Geschlechter-beziehung muß daher die ökonomische Freiheit erwirken. Wo diese fehlt, ist alles Gerede von Gleichberechtigung Heuchelei.
2. Wenn Männer und Frauen einander genießen ...
Diese Art von Beziehungen zwischen Männern und Frauen, wie sie im folgenden geschildert wird, erscheint mir  als sehr wünschenswert auch für die Zukunft. Deshalb sei mir dieses etwas längere Zitat gestattet.
aus
Grete Meisel-Hess
„Die sexuelle Krise“
siehe Quellen
 
Die Hetären der Pythagoreer, Stoiker, Epikureer, Cyniker, kurz aller Philosophenschulen der griechischen Blütezeit, pflegten ihre Zeit / außer der Liebe / der Philosophie, insbesondere aber der Mathematik und Rhetorik zu widmen. »Geboren von ehrbaren Eltern, die ihr (Nikarete) eine sorgfältige Erziehung gaben, war sie leidenschaftlich eingenommen für die Probleme der Geometrie, und sie verweigerte keinem ihre Gunst, der ihr eine algebraische Gleichung löste«. Sie war die Geliebte des Stoikers Stilpon, dessen Lehre, welche Apathie und Trägheit empfahl, sie auf das heftigste bekämpfte. Philenis, die Schülerin und Mätresse Epikurs in seiner Jugend, »schrieb eine Abhandlung über die Physik und die Atome«.
Ihre Werke sowohl wie ihre Briefe sollen durch besondere Eleganz des Stils geglänzt haben. »Meine Königin,« so schrieb ihr Epikur, »welches Vergnügen empfinde ich beim Lesen deiner Briefe.« Leontium war die Geliebte seines Alters (und nicht weniger seiner Schüler). Sie wurde von ihnen allen, am meisten aber von ihm selbst vergöttert. Der Maler Theodor hat sie als »Philosophin«, d.h. »im Nachdenken« dargestellt. Besonders berühmt war sie als Polemikerin. »Ihre Schrift gegen den gelehrten Theophrast erregte die Bewunderung Ciceros.« »Aspasia lehrte die Rhetorik: die vornehmsten Bürger waren ihre Hörer und Bewunderer.« / Man nannte diese Hetären »Herrinnen der Philosophie«. Es waren dies, wie mir scheint, Frauen, bei welchen, schon durch die bloße Unterhaltung mit ihnen, den Männern das Herz aufging. Durch die »erotisch betonte« Note ihrer Geistigkeit, gerade wie durch die geistig gefärbte Nuance der Sinnlichkeit dieser Frauen wurden die Männer, mit denen sie umgingen, ihres Lebens froh. Man zog oft einen bloßen Plauderabend mit einer solchen Frau / bei Mahl, Musik und Philosophie / dem intimsten Kontakt mit irgendeiner anderen vor. Das erotische Fluid bei diesem Verkehr zwischen Mann und Weib war sogar in der geistigsten Unterhaltung in höherem Grade vorhanden, als bei sexueller Vollerfüllung mit irgendeiner weniger starken Weiblichkeit. Dieser Kreis von Dichtern, Philosophen und hochgebildeten Hetären war in sich ein nahezu vollständig glücklicher, denn diese Männer und Frauen verstanden und genossen einander in einem Grade, wie er früher oder später in einer größeren Gruppe von Menschen kaum je wieder erreicht wurde.“
 
3. Gleich-berechtigung
Es ist immer amüsant zu hören oder zu lesen, daß sich jemand für die "Gleichberechtigung der Frauen" stark macht. Gleichberechtigung - das liegt schon im Wort - setzt die Nennung von mindestens zwei unterschiedlichen Menschen, Geschlechtern, Rassen,  Völkern voraus, zwischen denen "gleiches Recht" gelten soll. Oder man spricht vom "gleichen Recht für alle". Gleichmacherei und Gleichberechtigung schließen einander aus. In  diesem Fall ist es exakter, die "Gleichberechtigung von Mann und Frau" zu benennen. Nachteile des einen Geschlechts sind Vorteile  des anderen. Die Forderung nach Gleichberechtigung meint,  daß Nachteile auszugleichen und einseitige Vorteile abzubauen sind. Gleichberechtigung ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe, ein Ideal, ein Ziel.

Einmal unterhielt ich mich mit Frauen über die von der Sowjetischen Besatzungsmacht auf dem Territorium der späteren DDR gleich nach Kriegsende 1945 erlassene Verordnung, die allen Frauen gleicher Lohn wie den Männern für gleiche Arbeit zusprach. Dieses Gesetz hatte damals heftige Diskkussionen ausgelöst. Ich fragte eine der älteren Frauen: "Wieso waren denn die Männer so dagegen, daß die Frauen den gleichen Lohn wie sie erhielten?  Man hat ihnen doch keinen Pfennig von ihrem Lohn weggenommen?" Da erwiderte sie:


Es ist spannend zu sehen, daß mittlerweile Männer auf bestimmten Gebieten um ihre Gleichberechtigung mit den Frauen kämpfen müssen. Z. B. wird Exhibitionismus bei Frauen - wenn überhaupt - nur mit einer Ordungsstrafe belegt, während Männer dafür u. U. ins Gefängnis gehen können. Formaljuristisch  ist das eine Ungerechtigkeit, die jedoch biologisch-sozial begründbar ist: Frauen müssen vor Männern, die sich ihnen entblößt nähern, mehr Angst haben als Männer vor nackten Frauen.
  "Na, das ging doch gegen die Ehre der Männer!"

Ich denke, dieses Beispiel macht ein Grundproblem deutlich!
 
4. Feminismus und Frauenbewegung
Oft wird alles, was Frauen für ihre Gleichberechtigung mit den Männern tun, als Feminismus bezeichnet. Meist werden auch andere Aktivitäten von Frauen mit dem Wort "Feminismus" oder "Emanzengetue" abgewertet.  Daß die Frauenbewegung mehr ist als nur eine gegen Ungerechtigkeit gerichtete "Anti-Männer"-Bewegung ist vielen Männern und Frauen nicht bekann.
Angesichts der von Männern oft noch geleugneten Ungerechtigkeit gegenüber Frauen  sollte zumindest anerkannt werden, daß Frauen das Recht haben, sich dagegen zu wehren. 
Welche Methoden sie wählen, ist dabei sekundär: wichtig ist, daß die Frauenbewegungen, speziell der Feminismus diese Ungerechtigkeit erst einmal bewußt gemacht haben:

Doch solange nur Frauen für die Überwindung dieser Ungerechtigkeiten kämpfen, bleibt diese Gesellschaft eine ungerechte Gesellschaft. 
  Erst wenn Männer selbst es als unerträglich empfinden, daß unsere Gesellschaft noch so frauenfeindlich ist, haben wir eine Chance auf echte Gleichberechtigung von Mann und Frau.


Ungerechtigkeit ist noch nie allein dadurch überwunden worden, daß die Benachteiligten sich wehrten.
Erst, wenn diejenigen, die aus der Ungerechtigkeit einen Vorteil ziehen, von sich aus auf diesen Vorteil verzichten, kann es Gerechtigkeit geben.
5. Die "andere" Frauenbewegung
In der DDR war der in Westdeutschland verbreitete Feminismus nicht so sehr bekannt und auch nicht so erforderlich. Männer und Frauen gingen im großen und ganzen schon wesentlich freundlicher und friedlicher miteinander um. Natürlich gab es auch in der DDR Gewalt gegen Frauen und viele Ungerechtigkeiten, doch was mir nach der Wende als Frau begegnete, erschien mir wie ein "Rückfall ins Mittelalter".  Viele der real schon erreichten gleichen Rechte gingen wieder verloren. Das jetzt vorgeführte Frauenbild (Frau als Lustobjekt des Mannes, Frau muß sich über körperliche Vorzüge dem Mann anbieten, Jugend- und Schönheitskult, Sexkult, Prostitution usw.)  führte in der DDR höchstens ein Schattendasein, war in den Medien und der öffentlichen Meinung nicht zu finden.

Mich stieß auch der neu auf uns einstürmende Feminismus mit seinen Äußerlichkeiten und neuen Dogmen (wie z. B. dieser Endungskult, der von den  neuen Feminstinnen sehr aggressiv betrieben wurde) immer mehr ab. Um so mehr freute ich mich, als ich vor ca. 10 Jahren auf die "Thesen für eine neue Frauenbewegung" von Sabine Lichtenfels (siehe 6.) stieß. Ihre so ganz andere Sprache, der so ganz auf Frieden, Gewaltverzicht und Verständigung unter den Geschlechtern orientierter Inhalt  hoben sich wohltuend von den  feministischen Geschlechterkampf-Parolen ab, daß sie mir als Basis für zukünftige Frauenbewegungen erschienen. Ich bringe hier nur einen kleinen Auszug:
Ein Mann aus den alten Bundesländern, der gleich nach der Wende nach Wittenberg kam, um hier politische Karriere zu machen, hörte, daß es in der  DDR keine Puffs gegeben hat. Da soll er zu einigen Männern gesagt haben: "Wie habt ihr das bloß die ganze Zeit ausgehalten?"

6. Der Aufbau einer partnerschaft-lichen Kultur

"Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Die Entstehung gewaltfreier Kulturen kann nur eintreten, wenn der Geschlechterkampf gründlich überwunden wird. Frauen werden sinnliche Räume und Begegnungsformen aufbauen, in denen sich die Geschlechter auf neue Weise begegnen und dadurch erkennen können. Sie folgen dabei dem Prinzip der Polarität und Ergänzung, der erotischen Anziehung und Einlösung. Sexualität ist hierbei ein wesentliches Element der Erkenntnis und der Solidarität. Frauen besinnen sich hierfür auf ihre eigenen weiblich matriarchalen Quellen und Kräfte. Daraus folgt der Aufbau einer partnerschaftlichen Kultur."
aus Sabine Lichtenfels Thesen für eine neue Frauenbewegung:
2. These:
Beendigung des Geschlechter-Kampfes

Die vollständige Version der Thesen finden Sie in Die Alte » Beziehungswissen  » 
Lichtenfels, S.  
7. "Typisch Mann - typisch Frau"
Wie kann man auch dort, wo  es keine ökonomische Abhängigkeit gibt und wo kein geistiges Band wie im Beispiel der Hetären die Geschlechter verbindet, erreichen, daß wir uns wieder mit Respekt und Freundlichkeit begegnen? Die Fernsehsendung "Typisch Mann - typisch Frau", die  Ende März 2006 im Fernsehen (RTL) lief, hat hierfür meiner Meinung nach schon ein sehr angenehmes Beispiel gegeben.
Viele Mißverständnisse, viel Ärger und Feindseligkeiten wären vermeidbar, wenn wir  mehr über andere  wissen: wie sie denken und fühlen, was sie wollen und können - und auch, was sie nicht können.
Außerdem  frage ich, ob Männer und Frauen in unserer Kultur so sein müssen, wie sie sind - anders gefragt: Was ist am Verhalten von Männern und Frauen biologisch bedingt, welche der biologischen Anlagen werden sozial unterdrückt, welche werden verschärft  - und wie könnte das "Idealbild" von Mann und Frau aussehen ?
" Mehr über andere wissen" gilt übrigens nicht nur auf das andere Geschlecht bezogen: es trifft ebenso auf Menschen anderer Nationen, Kulturen, Religionen zu.
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8.  Ein paar sehr direkte Fragen  an die "Herren der Schöpfung"
 
Sehr geehrte Herren, 

dieses Seite ist wieder ein Anlaß, mich speziell an Sie zu wenden. Noch immer verstehe ich nicht, warum Männer in unserer Kultur so und nicht anders über Frauen denken und mit ihnen umgehen.

Verzeihen Sie die sehr direkten Fragen:
Haben Sie schon einmal ganz "objektiv", ohne Vorurteile, darüber nachgedacht, wie Sie als Mann von Frauen wahrgenommen werden?

Ist Ihnen bewußt, daß viele Frauen vor vielen Männern Angst haben? Ich kenne sehr viele Frauen, die sich abends nicht mehr allein auf die Straße wagen, aus Angst vor "wildgewordenen" Männern, die einfach über Frauen herfallen, Handtaschen stehlen oder ihnen körperliche Gewalt antun. Glauben Sie, daß es immer so bleiben muß?

Wieso geraten viele Männer in eine ausweglose Situation, wenn sie von der Ehefrau oder Lebensgefährtin verlassen werden, so ausweglos, daß sie als letzte Handlungsmöglichkeit Mord sehen? Können Männer ihren Geschlechtsgenossen nicht besser helfen, mit solchen privaten Katastrophen umgehen zu lernen?

Nur ein einziges, klitzekleines Beispiel  will ich nennen, das Ihnen vielleicht zeigt, wie Frauen Männer wahrnehmen. Achten Sie einfach mal darauf, wenn Sie auf der Straße gehen: wie begegnen sich Männer und Frauen, wie begegnen sich Frauen auf dem Gehweg? Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, daß im Normalfall  Frauen Männern vorsichtshalber Platz machen, notfalls auf die Straße gehen?
Wenn Frauen sich begegnen, gehen sie meist glatt und reibungslos aneinander vorbei - jede weicht mit jedem Schritt ein klein wenig nach rechts aus, bis genug Platz ist für beide. Gehen mehrere Frauen nebeneinander in eine Richtung und ihnen kommt ein odes kommen mehrere Frauen entgegen, klappt auch das schrittweise Hintereinandergehen ohne weitere Absprache. Es ist einfach kein Problem. Gut, bei jüngeren Frauen hat die Verrohung, das rücksichtslose Verhalten langsam Fuß gefaßt, aber achten Sie einmal auf ältere Frauen. Und dann sehen Sie sich einmal an, wenn Männer Frauen begegnen.

Stört es Sie als Mann nicht zu sehen, wie niveaulos sich andere Männer Frauen gegenüber benehmen?

Was erwarten Sie von den Frauen, was sollten wir Frauen Ihrer Meinung nach in unserem Verhalten Männern gegenüber ändern?


Einmal las ich eine hübsche Formulierung:
"Wenn ich Mitglied einer Gruppe bin,  deren schlechtes Verhalten ich nicht beeinflussen kann, muß ich mich öffentlich vom Verhalten dieser Gruppe distanzieren."

Ich  wünsche mir, daß die Vernünftigeren unter Ihnen sich öffentlich vom Verhalten solcher Männer abgrenzen und ein "anderes Männerbild" in der Öffentlichkeit sichtbar machen. 
"Kann eine Frau nicht sein wie ein Mann?" singt Professor Higgins in "My Fair Lady" - Seien Sie ehrlich, wollen Sie das wirklich?
 
Denn so, wie es jetzt ist, kann es doch nicht weitergehen. Wir müssen doch endlich einen Weg finden, gemeinsam für mehr Kultur  im Umgang miteinander zu sorgen, oder?
Eine Frage und Bitte
Was müssen Frauen Ihrer Meinung nach Männern gegenüber anders machen?
 
Einmal, vor Jahren gab es hier in Wittenberg einen Vortrag: Frau Dr. Waltraud S., die früher Dr. Walter S. hieß, erzählte von seiner/ihrer  Geschlechtsumwandlung. Sie sagte u. a., daß sie danach lernen mußte, die Stadt anders wahrzunehmen. Ging es als Mann nur darum, den kürzesten Weg und den besten Parkplatz zu finden, mußte sie nun auch noch an Sicherheit und Beleuchtung von Wegen und Parkplätzen denken. Ein gravierendes Erlebnis kurz nach vollzogenen Operation war eine  Vergewaltigung gewesen.
Zu diesem Vortrag waren etwa 30 Frauen und zwei Männer gekommen.

Ich will nicht verschweigen, daß Frau Dr. S. erzählte, wie es vermutlich zu dem Wunsch gekommen war, zu den Frauen zu gehören: als  Kleinkind in einem Kloster aufgewachsen, mit Mädchenkleidern bekleidet, die Frauen dort als Herrscherinnen, dominant und stark erlebend, entstand im Erwachsenenalter zuerst der Wunsch, Frauenkleider zu tragen. Doch seine Frau fand das gar nicht schön und ließ sich scheiden. Frau Dr. Waltraud S. erzählt, daß sie jetzt zu ihrer geschiedenen Frau ein besseres, kameradschaftlicheres Verhältnis hat als früher.  Sie kann jetzt ihre Frau viel besser verstehen.
  
Irgendwann genügte es ihr nicht mehr, die Frauenkleider zu tragen und sie (damals noch er) wollte ganz zur Frau werden: so entschied sie sich zur Operation. Ich hatte bei dem Vortrag den Eindruck, daß sie es schon lange bereut hatte.

Ich denke, dieser Weg der Frau Dr. S. ist nicht der Weg eines Mannes, seine "weibliche Seite" zu entdecken!   Wir Frauen möchten schon einen starken Mann, einen männlichen Mann, einen souveränen Mann, kein Weichei, kein verweichlichtes weibisches Wesen, das jammert und antriebslos auf den nächsten Befehl von Mammi oder Frauchen wartet.

Aber ich denke vor allem: wenn diese kleine Junge in einer so dominant-weiblichen Umgebund so geprägt wurde, dann müssen vor allem auch wir Frauen und Mütter uns darüber Gedanken machen, was wir anders machen müssen. Dabei brauchen wir aber Ihre Hilfe!! Haben Sie also den Mut, uns zu sagen, was Ihrer Meinung nach falsch läuft in der Prägung der kleinen Jungen durch Mütter, Omas, Kindergärtnerinnen, Tanten, ...
 
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9. An die Mütter
Männer geben die Verantwortung in die Hände der Mütter Bertolt Brecht:
Ihr Mütter, da es euch anheimgegeben,
den Krieg zu dulden oder nicht zu dulden,
Ich bitte euch, lasset eure Kinder leben !
Daß sie euch die Geburt
und nicht den Tod dann schulden;
Ihr Mütter, lasset eure Kinder leben.

Pestalozzi:
Ich glaube an die Veredlung eines Volkes, ich will sie in die Hand der Mütter legen.
 
 
Mütter erzählen
Die folgende Geschichte "Mütter erzählen" habe ich vor mehr als 10 Jahren geschrieben. Mein Sohn war gerade in die Schule gekommen, ich putzte seine Schuhe für den nächsten Tag - und auf einmal dachte ich: "Was treibst du da für einen Widersinn! Du sorgst dich darum, daß er morgen mit sauberen Schuhen in die Schule gehen kann. Kannst Du aber etwas dafür tun, ihm garantieren, daß er sein Leben friedlich und glücklich leben kann?  Ich dachte daran, welche Gefahren auf ihn warten: vielleicht wird er Opfer anderer Menschen, die ihm schaden? Vielleicht wird er selbst zum Täter? Oder er gehört zu denen, die das Recht haben, andere zu beurteilen, zu verurteilen, zu bestrafen. Alle diese drei Wege erschienen mir gleich furchtbar.  Und dann fing ich an zu schreiben und die Geschichte schrieb sich fast von allein, war in kürzester Zeit fertig.
Diese Geschichte beschreibt Mütter und Söhne in verschiedensten Situationen: als Täter, Opfer und Richter. Ich habe bewußt verknappt und zugespitzt. Sie ist meine Bitte an Mütter, Frieden zu machen.
Das geht nur, wenn dieser Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen wird.

Vielleicht sollten Sie die Geschichte lieber nicht lesen. Es steht schon alles wichtige hier oben. Nein, ein Satz fehlt noch:

Frieden ist erst möglich,
wenn die Täter zur Reue und Wiedergutmachung,
die Opfer zum Verzeihen
und die Richter zur Gnade fähig sind.
 
 
 


Mütter erzählen

1. Mutter:
„Mein Sohn ist tot. Jemand hat ihn erstochen und ihm Geld geklaut. Den Mörder haben sie. Mein Sohn fehlt mir so, ich hatte nur noch ihn.“

2. Mutter:
„Mein Sohn ist von einem Besoffenen überfahren worden, tot. Ich wünschte, es gäbe in Deutschland wieder die Todesstrafe für solche Verbrecher.“

3. Mutter:
„Mein Sohn hat jemanden ausgeraubt und erschlagen. Ich weiß gar nicht, wie das passieren konnte. Er hatte doch alles zu Hause. Was er uns angetan hat!“

4. Mutter:
„Mein Sohn hatte Zoff mit seinem Vater. Der hatte mich geschlagen. Da war er dazwischengegangen. Anschließend hat er geheult und sich vollaufen lassen. Er schrie: „Ich halte das bei euch nicht mehr aus! Mutter, wann jagst du den Alten endlich weg!“ Dann rannte er raus. Ich hörte, wie er das Auto anließ. Eine Stunde später stand die Polizei vor der Tür - er hatte einen jungen Mann überfahren, der ist tot. Jetzt liege ich hier in der Klinik, weil ich sterben wollte. Morgen soll ich nach Hause. Ich will zu meinen Sohn. Ins Gefängnis darf ich nicht. Aber er braucht mich doch jetzt so.“

5. Mutter:
„Mein Sohn ist tot. Mein anderer Sohn ist sein Mörder. Überall wird die Geschichte ausgeschlachtet und am meisten regen sich die Leute auf, daß das Oberste Gericht den Täter nicht einmal einsperren ließ. Manche forderten sogar die Todesstrafe für ihn. Dann hätte ich gar keinen Sohn mehr.
  Aber was nicht in der Zeitung steht:
Ich liebe beide Söhne. Als mein Sohn, der Mörder, mich sah, schrie er: „Oh Mutter, was habe ich getan! Könnte ich doch nur meinen Bruder wieder lebendig machen!“ Er konnte nicht mehr mit ansehen, wie verzweifelt ich war und wollte sich töten. Ich konnte es gerade noch verhindern.
Der Richter glaubte mir, als ich sagte, mein Sohn wäre jetzt ein anderer Mensch, keine Strafe der Welt könne die Tat ungeschehen machen, keine Strafe ihn zu mehr Reue bewegen. Der Richter sagte: „Wenn die Mutter des Ermordeten dem Täter verzeihen kann, hat niemand das Recht, den Täter zu strafen.“ - Bloß, diesen Teil der Geschichte erfährt man nicht.
(Wer die offizielle Meldung nachlesen will: 1. Buch Mose, Kapitel 4, Name der Mutter: Eva, Name der Söhne: Kain und Abel)

6. Mutter:
„Mein Sohn tötet Menschen. Er ist kein Mörder. Er tötet nicht Unschuldige, sondern Schuldige. Er straft sie - im Auftrag des Gerichts, das diese Menschen zum Tode verurteilt hat. Diese Menschen haben ihr Recht auf Leben verwirkt. Außerdem muß sich die Gesellschaft vor ihnen schützen, damit nicht noch einmal so etwas passiert. Mein Sohn macht seine Arbeit ordentlich. Ich habe ihn einmal gefragt, ob er damit keine Probleme hat. Er meinte: „Einer muß es doch machen. Und es ist im Namen des Volkes. Ich leiste einen guten Dienst für die Gerechtigkeit.“
Ich sage niemandem, daß mein Sohn schon als Kind mit den Puppen seiner Schwester „Kopf abhacken“ gespielt hat.“

7. Mutter:
Ich habe einen Sohn. Er ist erst 9 Jahre alt. Ich habe Angst um seine Zukunft. Ich will nur eins, daß er glücklich wird. Ich will nicht, daß er anderen schadet, ich will nicht, daß andere ihm schaden. Ich will nicht, daß er andere verurteilt oder von anderen verurteilt wird. Ich will nur, daß es ihm gut geht. Er soll arbeiten, lachen, singen, Kinder zeugen und mit ihnen spielen.

Ich flehe euch an, Mütter der Opfer, Mütter der Täter, Mütter der Richter - macht Frieden ! ! !

 
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10. In Memoriam
Erinnerungen an  einige der Frauen, die Opfer der verschiedensten Formen von Gewalt wurden, und an Menschen, die sich für die Beendigung  von Gewalt und Krieg einsetzten  und dafür ihr Leben  lassen mußten
 
Die Ermordung der russischen Journalistin Anna Politkowskaja am  7. Oktober 2006  tut sehr weh. Wieder einmal fühle ich mich ohnmächtig diesem furchtbaren, brutalen, primitiven Gewalt- und Machtdenken ausgeliefert. Deshalb habe ich mich entschieden, an einige dieser  Männer und Frauen wie sie zu erinnern, die um den Preis ihres Lebens bereit waren, sich dieser Gewalt entgegenzustellen. Ich will aber auch einige der zufälligen Opfer benennen, die   verschiedenen, mitunter sehr subtilen Formen  einer für die Gegenwart geradezu typischen Gewalt zum Opfer fallen, wie z. B. die Gewalt des Mode-Diktats und Schlankheitswahns.
 
 
In der Hoffnung, daß es bald gelingt, Gewalt in den Beziehungen der Menschen zu überwinden, erinnere ich an:
 
 
Brankica Becejac Schriftstellerin, im Januar 2001 von ihrem Mann ermordet, als sie sich von ihm trennen wollte
Clara Immerwahr promovierte Chemikerin, Ehefrau des Nobelpreisträgers Fritz Haber, die sich im Mai 1915 erschoß, weil sie sein Engagement für den Giftgaskrieg nicht mehr ertrug
Anna Politkowskaja Journalistin, am 7. 10. 2006 in Moskau ermordet
Anna Carolina Reston Das brasilianische Top-Model, starb am 14. 11. 2006 an den Folgen der Magersucht
mehr als 5000 Frauen fallen jährlich männlicher "Ehre" zum Opfer
 

Brankica Becejac

Sie wurde nur 31 Jahre alt. Im Jahr 2001 wurde sie von ihrem eigenen Maann auf bestialische Art ermordet, als sie sich von ihm trennen wollte.
Die Tochter eines Serben und einer Kroatin wuchs in Deutschland auf, studierte, wurde Schriftstellerin. Wesentlicher Inhalt ihrer Arbeiten ist das Thema Gewalt. In einem online-Artikel des Tagesspiegels vom 17. 1. 2004 heißt es:
"Gewalt wird früh Brankicas Thema. Nicht nur physische. Sondern immer mehr die heimlichen Gewaltstrukturen zwischen den Geschlechtern, Klassen, Ethnien. Ihre eigene unmittelbare Erfahrung läuft über Ausgrenzung durch Sprache. Man lässt sie spüren, dass es für ein Migrantenkind ungehörig ist, besser Deutsch zu können als die Deutschen. ..."
Nach der Tat hat sich ihr  Mann aufgehängt.

 

Clara Immerwahr
Sie lebte von 1870 bis 1915, war eine der ersten promovierten Chemikerinnen in Deutschland - und sie war die Frau von Fritz Haber, dem Nobelpreisträger und Kriegsverbrecher, der höchsten persönlichen Anteil an der Entwicklung und dem Einsatz von Giftgas im 1. Weltkrieg hatte. Sie  ertrug es nicht, daß ihr Mann mitschuldig geworden war an den Kriegsverbrechen des 1. Weltkrieges, forderte, daß er sich davon distanziert und erschoß sich mit seiner Dienstwaffe, als dieser sich weigerte. Er vernichtete ihre Abschiedsbriefe und fuhr am selben Tag wieder an die Front, um weitere Giftgaseinsätze durchzuführen.
In dem Buch "Bahnbrecher" (siehe Quellen) heißt es auf S. 310 über den Tod Habers im Jahr 1934, er sei "seelisch völlig zerbrochen an den unmenschlichen Ereignissen in seinem deutschen Vaterland". Von Frau Haber ist  in dem Buch kein Wort zu finden.
 

Anna Politkowskaja
Sie "hatte viele Feinde" heißt es.  Präsident Putin, an dessen 54. Geburtstag sie ermordet wurde, gehörte wahrscheinlich auch zu diesen Feinden. Denn sie hatte öffentlich erklärt, er sei für die Zerstörung Tschetscheniens und die Zurückdrängung der Demokratie in Rußland verantwortlich. Sie schrieb u. a. in ihrem Buch "Putins Rußland":
"Putin, der zufällig  eine enorme Macht in die Hände bekam, gebraucht diese Macht mit für Rußland katastrophalen Folgen."
Im Jahr 2004  hatte sie eine rätselhafte Vergiftung überstanden, Morddrohungen wurden gegen sie ausgesprochen. So soll der tschetschenische Ministerpräsident Ramsan Kadyrow (30 Jahre alt) "öffentlich Todesdrohungen" gegen sie ausgesprochen haben.   Es hat den Anschein, daß ihre Ermordung - sie wurde erschossen - ein typischer Auftragsmord gewesen ist.

Wer böse Gedanken hat, könnte meinen, da habe jemand dem Putin ein Geburtstagsgeschenk machen wollen. (Das stand nicht in der MZ.)
aus einem Artikel der MZ (siehe Quellen) vom
9. 10. 2006
Das Foto ist aus der MZ vom 12. 10. 2006

Foto von Anna Politkowskaja

Anna Carolina Reston
Der arcor-Newsticker verkündete:
"15. 11. 2006, 16:47 Uhr Brasilianisches Model an Magersucht gestorben Rio de Janeiro (dpa) - Das international erfolgreiche brasilianische Fotomodel Ana Carolina Reston ist im Alter von 21 Jahren an den Folgen einer Magersucht gestorben. Das teilten die behandelnden Ärzte nach Medienberichten in Sao Paulo mit. Reston habe zuletzt bei einer Körpergröße von 1,74 Metern nur noch 40 Kilogramm gewogen. Sie stand unter anderem bei Model-Topfirmen wie Ford, Elite und L'Equipe unter Vertrag."

Mit 13 Jahren begann sie ihre Karriere als Model und ist nun Opfer einer der schlimmsten Formen von Gewalt  geworden: dem Diktat einer Mode, die nur Einzelne akzeptiert und der Mehrzahl der Menschen bescheinigt, daß sie zu alt, zu häßlich oder zu dick seien.  In "brisant"  (ARD 16. 11. 2006) erfährt man auch: Manche von ihnen "essen" in Pepsi light getauchte Wattebäusche, damit sie überhaupt etwas im Magen haben. Die Models tauschen Tips aus, wie man mit möglichst wenig Essen auskommt.
 

mehr als 5000 Frauen ...
... werden jährlich weltweit "im Namen der Ehre" umgebracht. Diese Zahl beruht auf Schätzungen der UNO. Meist geht es dabei um Zwangsverheiratungen.
Eine der Frauen sagt: "Mein Vater ist kein richtiger Mann mehr, weil er seine Familie nicht kontrollieren kann."
aus einer Fernsehsendung "Zur Ehe gezwungen - Frauen flüchten vor ihren Familien" (mdr 16. 11. 2006, ab 22.35 Uhr )
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