| 1. Abhängigkeiten |
Meine Großeltern hatten die Stellmacherei im Dorf und bewirtschafteten einen kleinen Bauernhof mit etwas Wald, Wiese und Feld. Dazu gab es einen recht großen Garten, das Vieh (Kühe, Schweine, Hühner, Ziegen) mußte versorgt werden und im Haus war genug Arbeit, die sechs Personen unserer Drei-Generationen-Großfamilie (die verwitwete Schwester meines Großvaters gehörte ganz normal zur Familie) zu versorgen. Die Alten waren ein eingespieltes Team. Die Arbeit ging in friedlicher Absprache, ohne Streit und Ärger von der Hand. Ein "Geschlechterkrieg" war undenkbar, sie hätten es nicht verstanden, daß andere Männer und Frauen sich bekämpfen müssen. Im Haus hatte die Tante das Sagen, in Hof und Garten "herrschte" die Großmutter, in der Werkstatt und auf dem Feld der Großvater. Der gemeinsame Feierabend wurde friedlich genossen, an Sonntagen ging man in die Kirche, besuchte Verwandte oder bekam Besuch.
Diese sogenannte "ökonomische Abhängigkeit" verband die Eheleute und die ganze Familie. Trennung oder Streit hätte das Leben aller ruiniert. Sie hatten keine andere Wahl als sich zu vertragen. |
Wirklich frei können Männer und Frauen ihre Beziehungen erst gestalten, wenn sie in ihrer Existenz nicht mehr vom Partner abhängig sind. Ökonomischer Druck, eine Beziehung aufrecht zu erhalten, ist entwürdigend und kulturlos.
Der erste Schritt hin zu einer wirklich freien Geschlechter-beziehung muß daher die ökonomische Freiheit erwirken. Wo diese fehlt, ist alles Gerede von Gleichberechtigung Heuchelei. |
| 2. Wenn Männer und Frauen einander genießen ... |
Diese Art von Beziehungen zwischen Männern und Frauen, wie sie im folgenden geschildert wird, erscheint mir als sehr wünschenswert auch für die Zukunft. Deshalb sei mir dieses etwas längere Zitat gestattet.
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aus
Grete Meisel-Hess
„Die sexuelle Krise“
siehe Quellen |
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„ Die Hetären der Pythagoreer, Stoiker, Epikureer, Cyniker, kurz aller Philosophenschulen der griechischen Blütezeit, pflegten ihre Zeit / außer der Liebe / der Philosophie, insbesondere aber der Mathematik und Rhetorik zu widmen. »Geboren von ehrbaren Eltern, die ihr (Nikarete) eine sorgfältige Erziehung gaben, war sie leidenschaftlich eingenommen für die Probleme der Geometrie, und sie verweigerte keinem ihre Gunst, der ihr eine algebraische Gleichung löste«. Sie war die Geliebte des Stoikers Stilpon, dessen Lehre, welche Apathie und Trägheit empfahl, sie auf das heftigste bekämpfte. Philenis, die Schülerin und Mätresse Epikurs in seiner Jugend, »schrieb eine Abhandlung über die Physik und die Atome«.
Ihre Werke sowohl wie ihre Briefe sollen durch besondere Eleganz des Stils geglänzt haben. »Meine Königin,« so schrieb ihr Epikur, »welches Vergnügen empfinde ich beim Lesen deiner Briefe.« Leontium war die Geliebte seines Alters (und nicht weniger seiner Schüler). Sie wurde von ihnen allen, am meisten aber von ihm selbst vergöttert. Der Maler Theodor hat sie als »Philosophin«, d.h. »im Nachdenken« dargestellt. Besonders berühmt war sie als Polemikerin. »Ihre Schrift gegen den gelehrten Theophrast erregte die Bewunderung Ciceros.« »Aspasia lehrte die Rhetorik: die vornehmsten Bürger waren ihre Hörer und Bewunderer.« / Man nannte diese Hetären »Herrinnen der Philosophie«. Es waren dies, wie mir scheint, Frauen, bei welchen, schon durch die bloße Unterhaltung mit ihnen, den Männern das Herz aufging. Durch die »erotisch betonte« Note ihrer Geistigkeit, gerade wie durch die geistig gefärbte Nuance der Sinnlichkeit dieser Frauen wurden die Männer, mit denen sie umgingen, ihres Lebens froh. Man zog oft einen bloßen Plauderabend mit einer solchen Frau / bei Mahl, Musik und Philosophie / dem intimsten Kontakt mit irgendeiner anderen vor. Das erotische Fluid bei diesem Verkehr zwischen Mann und Weib war sogar in der geistigsten Unterhaltung in höherem Grade vorhanden, als bei sexueller Vollerfüllung mit irgendeiner weniger starken Weiblichkeit. Dieser Kreis von Dichtern, Philosophen und hochgebildeten Hetären war in sich ein nahezu vollständig glücklicher, denn diese Männer und Frauen verstanden und genossen einander in einem Grade, wie er früher oder später in einer größeren Gruppe von Menschen kaum je wieder erreicht wurde.“ |
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| 3. Gleich-berechtigung |
Es ist immer amüsant zu hören oder zu lesen, daß sich jemand für die "Gleichberechtigung der Frauen" stark macht. Gleichberechtigung - das liegt schon im Wort - setzt die Nennung von mindestens zwei unterschiedlichen Menschen, Geschlechtern, Rassen, Völkern voraus, zwischen denen "gleiches Recht" gelten soll. Oder man spricht vom "gleichen Recht für alle". Gleichmacherei und Gleichberechtigung schließen einander aus. In diesem Fall ist es exakter, die "Gleichberechtigung von Mann und Frau" zu benennen. Nachteile des einen Geschlechts sind Vorteile des anderen. Die Forderung nach Gleichberechtigung meint, daß Nachteile auszugleichen und einseitige Vorteile abzubauen sind. Gleichberechtigung ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe, ein Ideal, ein Ziel.
Einmal unterhielt ich mich mit Frauen über die von der Sowjetischen Besatzungsmacht auf dem Territorium der späteren DDR gleich nach Kriegsende 1945 erlassene Verordnung, die allen Frauen gleicher Lohn wie den Männern für gleiche Arbeit zusprach. Dieses Gesetz hatte damals heftige Diskkussionen ausgelöst. Ich fragte eine der älteren Frauen: "Wieso waren denn die Männer so dagegen, daß die Frauen den gleichen Lohn wie sie erhielten? Man hat ihnen doch keinen Pfennig von ihrem Lohn weggenommen?" Da erwiderte sie: |
Es ist spannend zu sehen, daß mittlerweile Männer auf bestimmten Gebieten um ihre Gleichberechtigung mit den Frauen kämpfen müssen. Z. B. wird Exhibitionismus bei Frauen - wenn überhaupt - nur mit einer Ordungsstrafe belegt, während Männer dafür u. U. ins Gefängnis gehen können. Formaljuristisch ist das eine Ungerechtigkeit, die jedoch biologisch-sozial begründbar ist: Frauen müssen vor Männern, die sich ihnen entblößt nähern, mehr Angst haben als Männer vor nackten Frauen. |
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"Na, das ging doch gegen die Ehre der Männer!"
Ich denke, dieses Beispiel macht ein Grundproblem deutlich! |
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| 4. Feminismus und Frauenbewegung |
Oft wird alles, was Frauen für ihre Gleichberechtigung mit den Männern tun, als Feminismus bezeichnet. Meist werden auch andere Aktivitäten von Frauen mit dem Wort "Feminismus" oder "Emanzengetue" abgewertet. Daß die Frauenbewegung mehr ist als nur eine gegen Ungerechtigkeit gerichtete "Anti-Männer"-Bewegung ist vielen Männern und Frauen nicht bekann.
Angesichts der von Männern oft noch geleugneten Ungerechtigkeit gegenüber Frauen sollte zumindest anerkannt werden, daß Frauen das Recht haben, sich dagegen zu wehren.
Welche Methoden sie wählen, ist dabei sekundär: wichtig ist, daß die Frauenbewegungen, speziell der Feminismus diese Ungerechtigkeit erst einmal bewußt gemacht haben:
Doch solange nur Frauen für die Überwindung dieser Ungerechtigkeiten kämpfen, bleibt diese Gesellschaft eine ungerechte Gesellschaft.
Erst wenn Männer selbst es als unerträglich empfinden, daß unsere Gesellschaft noch so frauenfeindlich ist, haben wir eine Chance auf echte Gleichberechtigung von Mann und Frau. |
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Ungerechtigkeit ist noch nie allein dadurch überwunden worden, daß die Benachteiligten sich wehrten.
Erst, wenn diejenigen, die aus der Ungerechtigkeit einen Vorteil ziehen, von sich aus auf diesen Vorteil verzichten, kann es Gerechtigkeit geben. |
| 5. Die "andere" Frauenbewegung |
In der DDR war der in Westdeutschland verbreitete Feminismus nicht so sehr bekannt und auch nicht so erforderlich. Männer und Frauen gingen im großen und ganzen schon wesentlich freundlicher und friedlicher miteinander um. Natürlich gab es auch in der DDR Gewalt gegen Frauen und viele Ungerechtigkeiten, doch was mir nach der Wende als Frau begegnete, erschien mir wie ein "Rückfall ins Mittelalter". Viele der real schon erreichten gleichen Rechte gingen wieder verloren. Das jetzt vorgeführte Frauenbild (Frau als Lustobjekt des Mannes, Frau muß sich über körperliche Vorzüge dem Mann anbieten, Jugend- und Schönheitskult, Sexkult, Prostitution usw.) führte in der DDR höchstens ein Schattendasein, war in den Medien und der öffentlichen Meinung nicht zu finden.
Mich stieß auch der neu auf uns einstürmende Feminismus mit seinen Äußerlichkeiten und neuen Dogmen (wie z. B. dieser Endungskult, der von den neuen Feminstinnen sehr aggressiv betrieben wurde) immer mehr ab. Um so mehr freute ich mich, als ich vor ca. 10 Jahren auf die "Thesen für eine neue Frauenbewegung" von Sabine Lichtenfels (siehe 6.) stieß.
Ihre so ganz andere Sprache, der so ganz auf Frieden, Gewaltverzicht und Verständigung unter den Geschlechtern orientierter Inhalt hoben sich wohltuend von den feministischen Geschlechterkampf-Parolen ab, daß sie mir als Basis für zukünftige Frauenbewegungen erschienen. Ich bringe hier nur einen kleinen Auszug: |
Ein Mann aus den alten Bundesländern, der gleich nach der Wende nach Wittenberg kam, um hier politische Karriere zu machen, hörte, daß es in der DDR keine Puffs gegeben hat. Da soll er zu einigen Männern gesagt haben: "Wie habt ihr das bloß die ganze Zeit ausgehalten?" |
6. Der Aufbau einer partnerschaft-lichen Kultur |
"Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Die Entstehung gewaltfreier Kulturen kann nur eintreten, wenn der Geschlechterkampf gründlich überwunden wird. Frauen werden sinnliche Räume und Begegnungsformen aufbauen, in denen sich die Geschlechter auf neue Weise begegnen und dadurch erkennen können. Sie folgen dabei dem Prinzip der Polarität und Ergänzung, der erotischen Anziehung und Einlösung. Sexualität ist hierbei ein wesentliches Element der Erkenntnis und der Solidarität. Frauen besinnen sich hierfür auf ihre eigenen weiblich matriarchalen Quellen und Kräfte. Daraus folgt der Aufbau einer partnerschaftlichen Kultur." |
aus Sabine Lichtenfels Thesen für eine neue Frauenbewegung:
2. These:
Beendigung des Geschlechter-Kampfes
Die vollständige Version der Thesen finden Sie in Die Alte » Beziehungswissen » Lichtenfels, S. |
| 7. "Typisch Mann - typisch Frau" |
Wie kann man auch dort, wo es keine ökonomische Abhängigkeit gibt und wo kein geistiges Band wie im Beispiel der Hetären die Geschlechter verbindet, erreichen, daß wir uns wieder mit Respekt und Freundlichkeit begegnen? Die Fernsehsendung "Typisch Mann - typisch Frau", die Ende März 2006 im Fernsehen (RTL) lief, hat hierfür meiner Meinung nach schon ein sehr angenehmes Beispiel gegeben.
Viele Mißverständnisse, viel Ärger und Feindseligkeiten wären vermeidbar, wenn wir mehr über andere wissen: wie sie denken und fühlen, was sie wollen und können - und auch, was sie nicht können.
Außerdem frage ich, ob Männer und Frauen in unserer Kultur so sein müssen, wie sie sind - anders gefragt: Was ist am Verhalten von Männern und Frauen biologisch bedingt, welche der biologischen Anlagen werden sozial unterdrückt, welche werden verschärft - und wie könnte das "Idealbild" von Mann und Frau aussehen ? |
" Mehr über andere wissen" gilt übrigens nicht nur auf das andere Geschlecht bezogen: es trifft ebenso auf Menschen anderer Nationen, Kulturen, Religionen zu. |
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