| 1.Und sie hatten beide recht. |
„Und schon waren sie in einem endlosen Streit über die Frauen; der eine sagte, sie seien gut, der andre, sie seien schlecht; und sie hatten beide recht; der eine dumm, der andre klug; und sie hatten beide recht; der eine falsch, der andre ehrlich; und sie hatten beide recht; der eine geizig, der andre freigebig; und sie hatten beide recht; der eine schön, der andre häßlich; und sie hatten beide recht; der eine geschwätzig, der andre verschwiegen; der eine offen, der andre verschlagen; der eine ungebildet, der andere gebildet; der eine sittsam, der andre liederlich; der eine närrisch, der andre vernünftig, der eine groß, der andre klein; und sie hatten alle beide recht.
Während sie sich diesem Streit hingaben, über dem sie durch die ganze Welt gekommen wären, ohne eine Atempause und ohne sich zu einigen, wurden sie von einem Unwetter überrascht, ...” |
Aus Denis Diderot:
„Jacques der Fatalist und sein Herr”
Das nebenstehende Zitat ist entnommen aus der Ausgabe des Aufbau-Verlages Berlin und Weimar 1980, 1. Auflage , aus der Reihe: Taschenbibliothek der Weltliteratur,
in der Übersetzung von Christel Gersch,
S. 22 |
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| 2.Die Venus von Dolni Vestonice - das älteste Frauenbild? |
Rechtsstehende Abbildung habe ich ganz zufällig in der "BDE"* (Brockhaus, Die Enzyklopädie) gefunden, unter dem Suchwort "Dolni Vestonice".
Es wird erwähnt, daß diese Statuette in die Zeit um 23000 v. Chr. datiert wird. Gefunden wurde sie in Dolni Vestonice in der Tschechischen Republik, zusammen mit vielen anderen Funden aus dieser Zeit: Gräber, Knochen, Feuerstellen, Werkzeuge, Schmuck usw.
Mich würde vor allem interessieren, ob diese Frauendarstellung als die älteste bisher bekannte Abbildung einer Frau gelten kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn mir jemand diese Frage beantworten kann.
* Quellenangaben zu BDE siehe Quellen, zur Abbildung siehe Abbildungen |

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| 3.Die dicke Eva |
Ein Musikwettbewerb zwischen Schulchören und Schulbands fand statt. Das kleine Orff-Orchester, das die Musiklehrerin meines Sohnes liebevoll aufgebaut hatte, nahm daran teil. Wieder beginnt ein Lied, Eva, die Dicke aus der 5. Klasse, tritt an die Rampe für eine Soloeinlage. Im Publikum bricht bei ihrem Anblick leises Gelächter aus. Ich sehe mich um: die jungen Männer des Gymnasiums feixen um die Wette und amüsieren sich über das Mädchen. Der Text ihrer Strophe handelt davon, wie sie sich fühlt, wenn sie im Sportunterricht so schlecht ist, wenn alle sie verspotten, weil sie so dick ist .... - Die jungen Männer hinter mir sehen auf einmal etwas unsicher aus. Schämen sie sich für ihren Spott? Ich hoffe es ....
Eva leidet schon genug unter ihrer Körperfülle. Warum wird sie so verspottet? Weil sie ihren Freßtrieb nicht im Griff hat? Ist das etwas so furchtbar schlimmes?
Wenn einer seine Frau schlägt oder seine Kinde mißbraucht, sieht man ihm das nicht so schnell an. Wem schaden dicke Frauen außer sich selbst?
Warum sehen viele nicht, daß die Dicken die Fettschicht oft als Schutzschild aufbauen oder diese aus Kummer gewachsen ist (der berühmte "Kummerspeck"), oder daß es unglückliche Menschen sind, die nur ganz wenige Glücksmomente in ihrem Leben haben - beim Essen? |
Orff-Orchester:
die Kinder spielen mit verschiedenen Klang-Instrumenten, u. a. Pfeifen, Triangeln, Schellen. Die Kunst besteht darin, die vielen Stimmen so zusammen zu führen, daß der Gesamtklang gelingt. Jedes einzelne Instrument liefert nur wenige oder nur gleichmäßig rhythmische Klänge.
Wie schön anzusehen und lobenswert selbstbeherrscht sind doch die Mädchen, die ihren Eßtrieb total kontrollieren können und ihren Brechreiz dazu.
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Ich habe eine Katze, Maya ist 10 Jahre alt. Damals war sie als halbwüchsige Katze, mit ca. 5 Monaten, irgendwie auf der Straße gelandet. Eine Freundin sammelte sie auf: völlig ausgehungert und abgemagert, verdreckt, scheu. Damit sie nicht ins Tierheim mußte, nahm ich sie zu mir. Maya wird verspottet von meinen Gästen, weil sie eine so fette Katze ist. Manchmal erzähle ich, daß sie damals, in dem Alter, in dem die Katzen lernen, ihren Freßtrieb zu beherrschen, gerade total ausgehungert war. So hat sie es wohl nicht gelernt, wie die anderen Katzen das Gefühl zu entwickeln: Jetzt bin ich satt, jetzt höre ich auf mit dem Fressen. Meine andere Katze ist klein und zierlich, frißt wenig, wird nicht dick. Sie hatte immer genug zu fressen, trotzdem "weiß" sie, wann sie genug hat.
Wenn es schon bei Katzen solche Unterschiede gibt .... |
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| 4.Die häßliche Eva |
Diese Frau ist so sturzhäßlich, daß es einem schon wieder in der Seele dauert, sie anzusehen. Sie ist bösartig, hinterhältig, verschlagen, falsch, zynisch, berechnend. Sie ist psychologisch gesehen ein Naturtalent: sie findet die Schwachpunkte ihres Gegenübers mit traumwandlerischer Sicherheit. |
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Warum ist sie so geworden?
Ich sehe sie vor mir: das kleine Mädchen, das von den Erwachsenen betroffen angesehen wird. Nein, sie schauen gleich wieder weg, weil es ihnen peinlich ist, sie anzustarren. Niemand streichelt ihr über den Kopf und sagt, sie sei hübsch. Sie sieht immer nur mit Neid, wenn die anderen kleinen Mädchen gelobt werden. Bei der Einstudierung des Märchens im Kindergarten bekam sie die Rolle als Fliegenpilz, da sah man ihr Gesicht nicht. Sie hat längst begriffen: sie wird nie das Schneewittchen oder Dornröschen spielen dürfen. In der Schule hat sie es schwer, eine Freundin zu finden, die Jungen hänseln sie um so mehr, je älter sie wird. Sie sieht in den Filmen, wie der Mann zu seiner Traumfrau sagt, wie schön sie sei. Wenn sie in den Spiegel sieht, kann sie ihr eigenes Bild nicht ertragen, möchte sich verkriechen, verschleiern, nie mehr aus dem Haus gehen. ...
Doch dann lernt sie, probiert sie, findet sie Wege, wie sie die anderen durchschauen und sie bewegen kann, freundlicher zu ihr zu sein. Sie wird Zuträgerin von Informationen, sie schmeichelt den Leuten, von denen sie sich Vorteile erhofft. Wenn diese Leute ihr sagen, wem sie eins auswischen soll, tut sie es - so kann sie sich Anerkennung und Zuwendung verschaffen.
Mich erschütterte als Kind der Film über den Glöckner von Notre Dame sehr. Es war furchtbar, mit anzusehen, wie er unter seiner Häßlichkeit litt. Eine häßliche Frau im Film, die nicht als Karrikatur oder als böses Weib gezeichnet wird - suchen Sie die mal! |
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| 5.Ein Vater zu seinem Sohn: |
"A propos: Wirklich erschrocken hat mich jedoch Deine Bemerkung: "Außerdem lerne ich schoene Frauen kennen. Glaub mir, wirklich schoene....."
Mit "wirklich schönen Frauen" meinst Du hoffentlich nicht diese Püppchen, die aufgetakelt junge Männer wie Dich (und alte wie mich) aufreizen (wollen). Wenn Du schon nicht dem Schiller ("Die Schönheit vergeht, die Liebe muß bleiben") glaubst, so nimm Dir wenigsten den alten Schopenhauer zu Herzen: "Beim Weibe hat`s die Natur auf Täuschung angelegt."
Zum Glück gibt es noch Frauen, die andere Qualitäten als ihre äußere Hülle haben und nicht extrem eitel, faul und verfressen sind. Glaub mir, mit Püppchen hält man es höchstens ein paar Wochen lang aus.
So hör` wenigstens einmal auf Deine Mutter wie auch auf Deine Großmutter: Laß Dir von so einer bloß kein Kind "schenken"; oder besser auf den Vater von Herrn Geith: Eine Braut muß wenigstens so viel Futter in die Ehe mit einbringen, wie sie in ihrem Leben vertilgt.
Sein Sohn Manfred (72) ist allerdings der Meinung, Du solltest eine "wirklich schöne Frau" nehmen, die wirst Du bei Not schnell wieder los."
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aus einer Mail von A. W. vom 3. 3. 2006 an seinen Sohn (Kopie an mich)
Das Betreff der Mail war: "Schöne Frauen, kluge Männer"
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| 6. Die ewig unzufriedene Ehefrau |
Warum Frauen selten ihren Traummann heiraten? Angeblich, weil sie Spaß daran haben, an jemandem rummeckern zu können.
Ich hatte einmal eine solche Kollegin: sie selbst hatte es bis zur Diplompädagogin geschafft (zu deutsch: sie war Lehrerin und das ist eine ganz besondere Berufsgruppe, wie jeder weiß). Ihr Mann war "nur" einfacher Facharbeiter, konnte ihr also geistig nie und nimmer das Wasser reichen. Sie litt ständig darunter, daß er nicht so klug war wie sie und nicht der Schwarm aller Frauen auf dem Betriebsfest. Ständig glaubte sie, sich für das Benehmen ihres Mannes entschuldigen zu müssen, ständig war sie irgendwie peinlich berührt, wenn sie beide gemeinsam in der Öffentlichkeit auftauchten. Ständig nörgelte sie an ihm herum. Er und der Sohn hatten keine Chance, es ihr recht zu machen. Irgendwann gaben beide auf. Wir Kollegen fanden ihn sehr sympathisch, freuten uns, wenn wir ihn sahen, es gab immer angenehme Gespräche mit ihm ...
Warum litt diese Frau so, warum konnte sie ihren Mann nicht so akzeptieren, wie er war? Er ging nicht fremd, er soff nicht, er war in Gesellschaft beliebt. Er war immer hilfsbereit und freundlich, nie aggressiv oder beleidigend, ein durch und durch friedlicher und angehmer Mensch. Nur eines konnte er nicht ertragen: Dummheit der Vorgesetzten und Ungerechtigkeit. Er riskierte manchen Ärger, wenn er dann "sein Maul aufriß". Denn das brachte ihm viele Nachteile. Eigentlich war das ziemlich mutig von ihm. Doch sie sah das nicht so. Es war ihr unangenehm, daß er auffiel.
Es ist sinnlos, die Frage zu diskutieren, warum sie geheiratet hatten. So etwas passiert immer wieder: man merkt erst später, daß man eigentlich nicht zusammenpaßt. Meist ist es dann sogar zu spät oder zu nachteilig, sich wieder zu trennen. |
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| 7. Die weise Ehefrau |
Nein, Carola ist kein hochgebildete Frau, nicht besonders klug, was die Dinge betrifft, die man so mit Bildung und Klugheit beschreibt. Doch ich habe gelernt sie zu bewundern!
Ihr Ehemann ist Analphabet. Er ist nicht wirklich"dumm", seine Arbeit macht er fleißig und gut. Er mußte nach der Wende den Führerschein erwerben, sonst hätte er seine Arbeit verloren. In einem Speziallehrgang für Analphabeten schaffte er es. Wir alle hatten ihm die Daumen gedrückt.
Doch er hat ein Benehmen, für das sich jede Ehefrau schämen würde, jede. Jede außer Carola.
Sein Hauptnahrungsmittel ist Bier. Frauen gegenüber neigt er ständig zu den gröbsten Scherzen im Stil: "Eh, laß mich ma an deine Titten fassen!" Er erzählt Details aus dem Intimleben mit seiner Frau, fährt sie in der Öffentlichkeit an, putzt sie herunter, beleidigt sie. Und sie? Sie schweigt und lächelt. Sie liebt ihn, versteht, daß er dieses Getue braucht, um sich bei den anderen Männern Ansehen zu verschaffen. Sie schweigt und erträgt es. Sie weiß, daß er sie braucht, daß er ohne sie völlig hilflos dem Leben ausgeliefert wäre.
Einmal kam ich dazu, wie sie ihm nach dem Frühstück aus der Zeitung vorlas. Diese kleine Episode werde ich wohl nie vergessen, so schön fand ich sie. |
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| 8. Bildchen |
- Weibsbilder, eine Comedy-Serie mit drei Frauen bei Sat1 wird angekündigt im Videotext:
".. ihre Makel, Macken und Marotten liegen offen. Sie sind keine verkniffenen Emanzen, aber auch keine rolligen Betthasen."
Was für Frauenbilder! Das männliche Gegenstück zum "rolligen Betthasen" könnte vielleicht der "geile Bock" oder der "Hurenbock" sein. Wie heißt eigentlich das männliche Gegenstück zur "verkniffenen Emanze" - "Hagestolz", oder gibt es da keines? |
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| 9. Das Mädchen - Bild in den Medien |
Zwei Zitate aus dem Artikel eines Tilman P. Gangloff, in dem es vor allem darum geht, daß Mädchen zahlenmäßig weniger in Hauptrollen in Kinderfilmen vertreten sind, habe ich ausgewählt: |
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"Power-Frauen wie Karen Markwardt („Karen in Action", Ki.Ka, Bayerischer Rundfunk), die die typische Frauenrolle sprengen und sich physischen Herausforderungen stellen, sind die Ausnahme."
und
"Auch das Frauenbild, das in Zeichentrickserien verbreitet wird, steht in der Kritik: Zwei von drei weiblichen Figuren, ergab die Studie, hätten unnatürlich lange Beine und eine Wespentaille. Junge Zuschauerinnen wurden auf diese Weise mit einem Frauenbild konfrontiert, dem sie nie entsprechen könnten, was zu Unzufriedenheit und vor allem Essstörungen führen könne. Außerdem erreichten weibliche Figuren ihre Ziele in erster Linie dank der sogenannten Waffen der Frau, also etwa durch Flirten. Diese Sexualisierung der Figuren sei eindeutig das Ergebnis der Fantasie männlicher Erwachsener, stellt die Studie fest." |
gefunden in der MZ* vom 09. Juni 2008, S. 27
* nähere Quellenangaben siehe Quellen |
| Anmerkung: |
Sich "physischen Herausforderungen" zu stellen, war in meinen Augen bisher vorwiegend eine Aufgabe von Männer- und Jungen- Bildern in den Medien. Geht es nun um Gleichberechtigung, wenn dieses Leitbild auch auf Frauen übertragen werden soll oder geht es um die Vermännlichung des Frauenbildes im Sinne: Frauen müssen auch Soldaten sein, müssen schießen können, Verbrecher jagen und genauso kriminell wie Männer werden?
Ja, und wo dann das Mädchen-Fernsehen endlich einmal brauchbare Tipps gibt, steht es in der Kritik: es IST nun einmal so, daß Frauen mit ihren sogenannten "Waffen" mehr erreichen als durch Leistung, Überzeugung, Intelligenz, Kompetenz und wie die hübschen Eigenschaften, mit denen Männer ihre Ziele erreichen, sonst so heißen.
Frauen, die diese Tricks nicht lernen, können Leistung bringen, so viel sie wollen, sie werden gar nicht wahrgenommen.
Deshalb, liebe Frauen und Mädchen, mein Ratschlag:
Laßt Euch ja nicht davon abbringen, diese Waffen zu schulen und anzuwenden! Im Gegenteil - wendet sie bitte, bitte noch viel, viel mehr an! Übertreibt es mit Euren Waffen bis an die Grenze des Machbaren, karikiert sie, führt die Männer, die solche Frauenbilder benötigen, an der Leine vor, benutzt sie für Eure Ziele, denn darauf zu hoffen, daß Eure Leistungen "ohne Ansehen der Person" von Männern anerkannt werden, das ist die größte Illusion, der Ihr Euch hingeben könnt. Da spreche ich aus bitterer Erfahrung ... |
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