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31. 12. 2008
Hexe
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Bildbetrachtung
 
 
 

Hexe und Teufel ? Eine Bildbetrachtung

Frau und Minotaurus, Gemälde von Angela Hampel
 
Zuerst sah ich das Fremde, Bedrohliche dieser beiden Menschen auf dem Gemälde von Angela Hampel, einer Künstlerin aus Dresden (Künstlerinnen-Gruppe "Paradiesgarten"). Sein Titel ist "Frau und Minotaurus".

Der Blick der Frau  wirkt distanzierend-abfällig, der Mann scheint uns mißtrauisch zu beobachten.  Sie sind im Weggehen, wenden uns schon die  nackten Rücken zu und sehen nur noch einmal prüfend zurück. Der Mann mit seinen Stierhörnern, die Frau mit den verwischt gemalten roten Haaren  sind geradezu eine moderne Version  von Hexe und Teufel. Sie scheinen sehr miteinander verbunden zu sein. Das mag verwundern, wenn  man die Legende kennt: die Jungfrauen mußten dem Minotarus geopfert werden, einem Monster aus einer sodomistischen Beziehung der Königin von Kreta, Pasiphae, mit einem Stier. Dieses Monster, dieser Minotaurus, wurde in ein Labyrinth gesperrt. Der Erbauer Dädalus  soll ein  Genie gewesen sein. Dessen Sohn Ikarus wurde berühmter für seinen Leichtsinn beim  Fliegen. Mit Ariadnes Hilfe - ihrem Trick mit dem roten Faden - fand Theseus aus dem Labyrinth, nachdem er den Minotaurus getötet hatte. Das ist die Legende aus männlicher Sicht.*

Die Frau auf dem Bild ist also weder Pasiphae noch Ariadne. Sie kann nur eine der Jungfrauen sein. Doch Angela Hampel zeigt sie nicht ängstlich, ihn nicht als Triebtier, der sich gleich auf sie stürzen wird.  Eher scheint sie ihn beschützen zu wollen.

Lange Zeit galt dieses gern gemalte Motiv als "Symbol unerlöster menschl. Triebnatur"**. Sicher ging es dabei nicht um weibliche Triebe, sondern um das "Vögele es oder töte es"  (siehe Wilber, K.) männlichen Denkens und Empfindens.

Angela Hampel zeigt zwei Menschen in einer Zusammengehörigkeit und Vertrautheit, wie sie selten ist zwischen Mann und Frau - eine sehr interessante Brechung des alten Männerbildes als Trieb-Tier und des alten Frauenbildes als Opfer des Mannes.
 

 Im ersten Augenblick, als ich das Bild sah und seinen Titel noch nicht wußte, sah ich es als "Hexe und Teufel". Es wurde sozusagen Stichwortgeber für die Seitenüberschrift meiner "Bilder von Männern und Frauen". Das Bild war in unserer Tageszeitung abgebildet und ich konnte nicht mehr wegsehen. Ca. eine halbe Stunde starrte ich es an und dachte nach und versuchte herauszufinden, warum mir dieses Bild trotz seines ersten abschreckenden Eindruckes immer mehr gefiel, mehr noch, warum ich nicht mehr davon loskam.

Mit der Zeit fielen mir immer mehr Dinge auf, die dem ersten oberflächlichen Blick verborgen bleiben: beider Münder sind leicht geöffnet. Das gibt ihren Gesichtern trotz des ersten abweisenden Eindrucks einen Ausdruck von Unsicherheit und Trauer. Es scheint, als wollten sie den Betrachter etwas fragen. Immer mehr sehe ich: die beiden sind ja gar keine Bedrohung - trotz der Hörner und der roten Haare mit all den damit verbundenen Vorurteilen und Klischees! Hilflos wirken sie. Irgendwie sieht es so aus, als verstehen sie nicht, warum sie ausgestoßen werden. Sie gehen zwar weg, doch ich habe das Gefühl, daß sie es nicht freiwillig tun. Die Nacktheit hat nichts vordergründig Sexuelles, keinen Bezug zu wüsten Orgien in Walpurgisnächten, in denen "Hexen" sich mit dem "Teufel" triebhaft paaren. Hier betont sie die Schutzlosigkeit der beiden. Sie sind mir, dem Beobachter, und meinem Urteil ausgeliefert. Sie verstehen nicht, warum man sie nicht haben will. Sie haben nur sich in ihrer Einsamkeit. Ihr Anderssein hat sie verbunden.

Das, was diese Bild in meinen Augen so eindringlich schön macht, ist diese Ausstrahlung von bedingungsloser Zusammengehörigkeit.
     Mann und Frau sollen "ein Fleisch und Blut" sein, sich wie die beiden Halbkugeln, die zusammengehören, suchen und finden. Warum nur machen wir es uns dabei so schwer?
 
 
    Auf das Bild wurde ich aufmerksam durch einen Artikel in der MZ vom 10. 03. 2006.
Auf meine zweimalige Anfrage über Kontaktadressen von Galerien in Dresden
habe ich leider bisher noch keine Antwort bzw. Zusage von Frau Hampel erhalten,
dieses  Bild hier zeigen zu dürfen.  Deshalb frage ich auch an dieser Stelle:


Liebe Frau  Hampel,
bitte erlauben Sie  mir, dieses Bild weiter  verwenden zu dürfen.  
           Herzlichst

                                                      Ihre Brunhild Krüger
        
 
 
 
* Die Legende  vom Minotaurus  aus einer anderen Blickrichtung, der matriarchalen,
schildert Heide Göttner-Abendroth (siehe Namen)in  "Für die Musen" - eine überraschende, spannende  Sicht
** aus BDE (siehe Quellen )  Suchwort Minotaurus
 
PS
Natürlich kann man dieses Bild auch ganz anders interpretieren und ich bin mir ziemlich sicher, daß es Frau Hampel absolut nicht so gemeint hat wie ich es sehe. Das ist ja das schöne an der Kunst.
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