www.brunhild-krueger.de - Startseite »  männl.+wbl. Denken » Denkwege » männl. Denken
01. 09. 2009
Hexe
Weibliches Wissen, Denken und Erkennen
Stationen eines "eigen-willigen" Erkenntnisweges
Startseite Einladung Inhalt Neues Namen A - Z
Die Physikerin Selbst denken männl. + weibl. Fridolin Die weise Alte Das Klatschweib
männl. Denken
 
 
 

Das männliche Denken -  eine Spiegelung aus weiblicher Sicht

"Vögele es oder töte es!"

das sei das männliche Basis-Denkprogramm, meint Ken Wilber.

(mehr darüber - siehe  unten Punkt 4. )

Warum kochen zwar mehr Frauen als Männer und lernen auch diesen Beruf und trotzdem sind mehr Männer als Spitzenköche bekannt als Frauen? Warum sind Frauen zwar gute Lehrerinnen, aber seltener als Männer auch Direktorinnen einer Schule?

Nein, ich meine jetzt nicht die historische Benachteiligung der Frauen in der Ausbildung und die geschlechtlichen Prägung  auf bestimmte Tätigkeiten, die sich bis heute auswirkt. Ich habe noch eine andere Vermutung, die ich hier zur Diskussion stellen will.

  1. Warum mehr Männer als Frauen Spitzenköche sind
  2. Ein Mann interessiert sich für weibliches Denken
  3. Wortwahl, Begriffe und verschiedene Sichtweisen
  4. Hat Jesus männlich oder weiblich gedacht?
  5. Ottokar  Domma  bzw. Ottokar Häuser - menschlich gedacht
  6. Die Würde des Mannes
  PS: Offene Fragen

Was ist eigentlich "typisch" Mann im Unterschied zu "typisch" Frau?
Sieht man genau hin, überlagern sich in jedem einzelnen Menschen diese als "typisch" für ein bestimmtes Geschlecht behaupteten Eigenschaften.  Wenn also eine Eigenschaft - egal, ob sie als "männlich" oder "weiblich" bezeichnet wird - bei der Mehrzahl aller Männer und Frauen auftritt, ist sie nicht mehr in dieses Denkschema einzufügen: dann muß man wohl doch von eher "typisch menschlichen Eigenschaften" reden.
Ich hoffe, es gelingt mir, dieses "typisch Menschliche" am Ende meiner Gedankenketten herauszuarbeiten.


PS (frisch gefunden in der "MZ" vom 23. 7. 2009, S. 1 - Spruch des Tages):
Am besten mit Frauen kommen diejenigen Männer aus, die ebensogut auch ohne die Frauen auskommen.
Charles Baudelaire

Wie wahr, wie wahr - und umgekehrt gilt der Spruch natürlich auch für Frauen.
1. Warum mehr Männer als Frauen Spitzenköche sind.
Loriot
Es gibt da diesen hübschen Trickfilm um das Kochen von Eiern: er sagt, sie soll die Eier genau vier Minuten kochen. Sie sagt, sie koche die Eier nach Gefühl.  Der Streit geht nun darum, wer die bessere Variante hat, Eier genau richtig hin zu bekommen.

In der Küche entwickelt man mit den Jahren diese Intuition: da hat man ganz genau den viertel Liter Wasser im Topf, ohne nachzumessen. Da "weiß" man aus dem Unterbewußtsein heraus, wann man nach dem Kuchen sehen muß.
Das Problem ist, daß viele Frauen glauben, diese Intuition zu haben - und trotzdem sind die Eier zu hart oder der Kuchen verbrannt. Männer entwerfen da wohl im Kopf exakte  Zeitpläne - und wenn sie Glück haben, klappt es damit.
Waren es nun vier oder vier-einhalb Minuten oder wie viel? Die genaue Zeit habe ich mir - typisch Frau - nicht gemerkt, da ich schon lange die Eier "nach Gefühl" kochen kann
Das intuitive und das rationale Eier-Kochen
Eierkochen ist ein Optimierungs-Problem unter Beachtung von mehr als zwei Parametern bzw. Variablen:
Eigröße und deren Starttemperatur,
Wassermenge und Wassertemperatur,
Heizkraft der Herdplatte und Topfform und  -größe,
und - ganz wichtig - die Anzahl der Eier, die gekocht werden sollen.

Alle diese Faktoren beeinflussen die Zeitdauer, bis das Wasser zu kochen beginnt. In dieser Zeit haben die Eier sich mehr oder weniger tiefgehend erwärmt, fangen bereits an, fest zu werden. Daraus ist ersichtlich, daß die reine Kochzeit nicht das Maß aller Dinge ist.
Auch wenn man die Eier lieber in kochendes statt in kaltes oder warmes Wasser legt  (ein Risiko wegen der Gefahr des Platzens), sind immer noch Eiertemperatur, Größe und Anzahl die Variablen des Gesamtprozesses.

Ein echter Wissenschaftler würde nun zahlreiche Koch-Experimente anstellen und dann eine Tafel oder Kurven oder  Rechenprogramme entwickeln, die sagen, wann die Eier gerade richtig weich oder doch schon hart gekocht sind. Doch er wird feststellen, daß  die Anzahl der Experimente viel zu hoch ist, eine exakte Voraussage trefen zu können und daß die Streubreite des Ergebnisses trotz allem zu hoch ist - die Vorhersage stimmt nicht öfter als bei reiner intuitiver Vorhersage.

Im Laufe der Jahre entwickelt manche Frau und mancher Mann auch ohne Berechnungen eben  dieses Gefühl für die richtige Kochzeit: das Unterbewußtsein hat all die Variablen besser im Blick als das Bewußtsein.
 
Chefkoch wird, wer beides kann
Doch nun kommt etwas, das mir hoffentlich die Frauen verzeihen:  Viele Frauen denken nicht  rational darüber  nach, was sie da in ihrem Unterbewußtsein an komplexer Rechenleistung vollbringen: sie könne also auch nicht erklären, warum die Eier jetzt fertig sind  und nicht früher oder später.
Wenn nun ein Mann in der Lage ist, mit seinem Unterbewußtsein diesen Prozeß ebenso wie Frauen zu steuern (wenn er die "weibliche Intuition" beherrscht, also "weiblich denken" kann),  und außerdem rational darüber nachdenken kann, was passiert - dann versteht er natürlich besser als eine "nur intuitiv denkende" Frau oder ein "nur rational denkender" Mann, was passiert, er kann es besser anwenden und auch anderen leichter erklären, worauf diese zu achten haben.  Damit ist er natürlich sowohl der einen als auch der anderen einseitigen Denk-Version überlegen - und wird Chefkoch, beispielsweise.
 
Ja, und warum machen Frauen es seltener genau so? Ich kann es noch nicht genau einschätzen, ob es eher an  ihrer Prägung liegt, daß sie sich dem rationalen Denken schwerer öffnen, oder ob es doch daran liegt, daß viele Frauen Männer gern beraten, aber selbst  nicht so sehr "nach außen" präsent sein wollen.
Oder vielleicht liegt es auch einfach daran, daß Kochenlernen für Frauen eher Pflicht und für Männer eher Hobby ist?
2. Ein Mann interessiert sich für weibliches Denken
 
Der Philosoph Helmut Hille hatte mir im Oktober 2006 geschrieben, daß er sich sehr für weibliches Denken interessiert und mit mir gern in  Gedankenaustausch treten möchte.  Er wies auf einige Texte auf seinen Webseiten hin, die ich hier sehr gern erwähne:
www.helmut-hille.de und www.helmut-hille-philosophie.de

Wörtlich schrieb  er mir u. a.:
"Dabei ging es mir  .... um die weibliche Weise des Wissens usw.   um die ich mir ebenfalls schon Gedanken gemacht habe."

Ich habe versucht, ihm eine Kostprobe zu geben, indem ich mich auf einen seiner Texte bezogen habe, doch offenbar ist es mir nicht gelungen, dieses, "mein" weibliches Denken interessant genug rüberzubringen. Unser Konktat ist zu meinem Bedauern ganz schnell wieder eingeschlafen.
Als erstes fiel mir auf, daß ich vom "weiblichen Denken" im Unterschied zum "männlichen Denken" spreche, während er sich auf "die weibliche Weise des Wissens" bezieht. Ich weiß nicht genau, was er damit meinte, das sogenannte "Hexenwissen" der Kräuterfrauen und weisen alten Frauen oder weibliches Wissen in den rationalen Bereichen der Naturwissenschaft, Philosophie usw. Ich ging bei meiner Antwort von letzterem aus.
Hier ein kleiner Text aus Helmut Hilles Webseite www.helmut-hille.de, auf den ich mich in meiner Antwort bezogen hatte:
 
Ego und Beziehungen
"Des griechischen Philosophen Protagoras (480-410) berühmtester Ausspruch "Der Mensch ist (sich) das Maß aller Dinge…" spricht das Problem an, mit dem der Mensch zu kämpfen hat: seine Schwierigkeit, über sich hinaus denken zu können. Das Problem hat zwei Ursachen: einmal den Zwang des Einzelnen, sich auf den eigenen Überlebenskampf zu konzentrieren, sodann das Fehlen eines objektiven Wissens. Wenn jedoch der Einzelne erkennt, dass er ökonomisch, geistig und kulturell auf andere Menschen angewiesen ist und sich darauf einstellt, beginnt er über sich hinaus zu denken."
 
 
Ich beziehe mich auf die von mir fett hervorgehobenen Stellen:
Hier wird schon in wenigen Worten das einseitig-männliche Denken wunderbar deutlich:
Frauen haben keine Schwierigkeit, „über sich selbst hinauszudenken". Sie würden also diese Schwierigkeit gar nicht als Schwierigkeit erkennen. In diesem Sinne sind natürlich Frauen auch von ihrem „einseitig-weiblichen Denken" geprägt. Diese Schwierigkeit erkennen sie höchstens dann und nur dadurch, daß sie ihnen beim / am Mann auffällt.
Frauen sind schon biologisch geprägt, über sich hinauszudenken! (Sorge um Kinder, ...) In diesem Sinne konzentrieren sie sich auch nicht auf ihren eigenen Überlebenskampf, den haben sie bereits vor langer Zeit an die Männer abgetreten. Frauen sind auch nicht primär „auf andere Menschen angewiesen" (das sind sie natürlich auch und dessen sind sie sich bewußt), doch viel mehr sind sie „für andere Menschen da" (von Männern gern mit dem Begriff „Helfersyndrom" pathologisiert). Die gegenseitige Abhängigkeit der Menschen ist aus weiblicher Sicht „trivial", nicht der Rede wert gegenüber der viel wichtigeren Frage, wie sie sinnvoll gestaltet werden kann. Und dann heißt es auch nicht "Abhängigkeit", sondern  "Beziehung"
Frauen leben weniger ihr „ego", sehen sich als „Beziehungs-Tierchen", sind nur zufrieden in der Gestaltung von Beziehungen (Abhängigkeiten sind nur eine Form von Beziehungen, die in Wirklichkeit wesentlich umfangreicher / reicher sind).
Weibliche Einsiedler sind selten. ...
Dieser Text
ist aus einer Mail
an Herrn Hille
vom 18. 10. 2006
und inzwischen leicht bearbeitet und ergänzt.
wiss.Standpunkte
Wissenschaft ist - so die gängige, von Männern vertretene Meinung - objektiv. 
Frauen sagen: Wissenschaft ist "standpunktabhängig", d. h. es gibt sehr wohl  Unterschiede des Erkennens aus sozial, historisch bzw. kulturell unterschiedlicher Lebensweise heraus. Auch zwischen männlicher und weiblicher  Sicht auf Wissenschaft allgemein, in der Themenauswahl und  in der Herangehensweise an die einzelnen Themen gibt es Unterschiede - sagen Frauen.
Die Frage, ob es "männliche" und "weibliche" Theorien in der Wissenschaft geben könnte, wird im männlichen Denken grundsätzlich verneint.

Man kann es ganz kurz fassen:
Männliches Denken ist objektives Denken.
In diesem Sinne ist es selten, daß sich ein Mann für die Spezifik weiblichen Denkens interessiert. Denn es ist ja nicht notwendig. Frauen haben in der Wissenschaft wie Männer zu denken, dann sind sie anerkannt. Wissenschaftskritik aus weiblicher Sicht ist in diesem Sinne aus männlicher Sicht ein Widerspruch in sich, genügt dem Objektivitätskriterium nicht und ist daher abzulehnen.
 
nach oben
3. Wortwahl, Begriffe und verschiedene Sichtweisen
"Vernichtungskampf" oder
"Verschmelzung und Höherentwicklung"?
In seinem Buch "Das Gottesprogramm" (S. 67) spricht  John Updike im Zusammenhang mit der Wechselwirkung zwischen "Materie" und "Antimaterie"  von einem "Vernichtungskampf". Genausogut könnte man (weibliche Sicht) von einem "Verschmelzen beider Komponenten" und einer dadurch erreicht höhere Qualität dieser Materie sprechen: die  Strahlung könnte eine höhere Energieform sein als es die Masse der Materie und der Antimaterie zuvor war.

Das ist eine subjektive Entscheidung, wie man es sehen will. Die Frage ist nur, aus welcher Sicht heraus erhält man einen komplexeren, besseren brauchbareren Einblick in die Struktur der Materie?

Dieses
"könnte" ist ausschlaggebend für die Beantwortung dieser Frage: Bei einem "Vernichtungskampf" bleibt nur "Müll" oder "Asche" - die Strahlung - übrig. Sie ist für weitere Untersuchungen nicht wichtig.

In der anderen Sichtweise wird es erst richtig spannend nach dem Verschmelzen: Was ist das Besondere an dieser Strahlung, wie wirkt diese Strahlung nun weiter im Gesamt-System der Materie?
Mit der Struktur der Materie befasse ich mich ausführlicher in meiner Website "Eine weibliche Physik" - der Klick auf die Farbspirale führt direkt auf die dortige Seite "Struktur der Materie":
zur "Struktur der Materie" in der "Weiblichen Physik"

nach oben
4. Hat Jesus "männlich" oder "weiblich" gedacht?
 
Unbestritten war  Jesus ein Mann.
Das, was von seinen Worten im Neuen Testament überliefert ist, hat bis heute die Welt bewegt, bewirkt immer wieder neu  Diskussionen und Auseinandersetzungen.
 
Wer zum Schwert greift ...
Einmal diskutierte ich heftig mit einem Mann über den Satz von Jesus "Wenn dich einer auf die linke Backe schlägt, so halte ihm auch die rechte hin."
Er meinte, dieser Satz sei falsch, unrealistisch, unrealisierbar. So etwas könne man nicht fordern, jeder habe das Recht auf Selbstverteidigung, auch mit Waffengewalt.
Ich meinte, daß man dem "actio=reactio", dem "Wie du mir - so ich dir." nur ein Ende setzen kann, wenn man diese "Kette der Gewalt" irgendwo reißen läßt. Genau das wollte Jesus mit seiner Aussage bewirken: die übergreifende Sicht darauf, daß die Menschen besser zusammen leben können, wenn sie nach gewaltfreien Lösungen suchen.

Ist nun also "gewalttätig" = "männlich" gedacht und
"gewaltfrei" = "weiblich" gedacht?
Oder gibt es auch ein gewaltfreies, männliches Denken?

Wenn männliches Denken nur gewalttätig möglich ist, hat die Menschheit schon verloren - denke ich.
Jesus hat es uns vorgemacht, daß es auch anders geht.

Warum es die Kirche in 2000 Jahren nicht geschafft hat, diese Denkweise ihres Religiongsstifters durchzusetzen, ist eine spannende Frage.
 
 
Einmal, Mitte der 90er Jahre, gab es im hiesigen Kulturbund eine Diskussion über männliches und weibliches Denken. Darin stellte ich  Jesus im Gegensatz zu James-Bond- und anderen Helden-Typen als den "Typ Mann" vor, wie er mir gefallen würde: sanft, fürsorglich, gewaltfrei, klug, liebevoll.
Das Echo der anwesenden Männer war erschreckend - es gab eine sehr böse Diskussion, an deren Details ich mich nicht mehr erinnere.
Was hatte sie so böse gemacht, daß sie jede Höflichkeit vergaßen?
 
 
In eine christlichen Frauenzeitschrift fand ich später eine Bemerkung feminstischer Theologinnen, daß Jesus wegen seines "weiblichen" Denkens ans Kreuz geschlagen wurde.
Auch darüber mußte ich natürlich lange nachdenken.
Ich glaube, es war die Zeitschrift "Frauen unterwegs".
"Vögele es oder
töte es" - ?
Über  das sexuelle Leben Jesus ist nichts überliefert. Ken Wilbers Behauptung scheint auf ihn nicht zuzutreffen. Trotzdem ist seine Bemerkung, die man weniger grob als "Der Mann ist völlig von seinem Geschlechts- und Jagdtrieb beherrscht" übersetzen könnte, ja nicht aus der Luft gegriffen.
Was mich interessieren würde ist jedoch, ob Männer mit ihrer Fähigkeit zum rationalen Denken nicht auch in der Lage sind, diesen Geschlechts- und Jagdtrieb zu beherrschen bzw. in spielerischer Form auszuleben, oder ob sie Sklave dieser Triebe sein müssen.   Ken Wilbers nennt die Kulturgeschichte die Geschiche der "Zähmung des  Testosterons". Abgesehen von der einseitigen männlichen Sicht auf Geschichte ist es aus meiner Sicht äußerst spannend, einmal zu fragen, wie diese "Zähmung" denn nun weitergehen soll. Wäre als nächster Schritt nicht fällig, daß eine öffentliche Diskussion darüber beginnt und Männer ihre Vorstellungen äußern, wie es weitergehen soll und kann?
siehe auch in Quellen »Wilber, K.
nach oben
5. Ottokar Domma bzw. Ottokar Häuser - menschlich gedacht
Wer war Ottokar Häuser?
Ottokar  Domma war  wohl  neben Alfons Zitterbacke der bekannteste Schüler in der DDR, so etwas ähnliches wie Bibi Blocksberg heute vielleicht.
Erfunden wurde er von  Otto Häuser, der am 15. 7. 2007 83jährig verstarb. Der hatte nach dem Krieg als Neulehrer begonnen, wurde schnell Schuldirektor und später  Redakteur der  "Lehrerzeitung", dann Abteilungsleiter für Volksbildung in der Zeitung "Neues Deutschland". Im Jahr 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz.  1967 kommt das erste  Ottokar-Domma-Buch in den Handel  "Ottokar, das Früchtchen". 
Eine Episode aus seiner Zeit als Schuldirektor, die in dem Nachruf der MZ geschildert wird, mag einen ersten Eindruck von der Denkweise  dieses Otto Häuser  geben:
 
aus dem Nachruf
"Er will eine Elternversammlung veranstalten, um gegen die in den Familien verbreitete Prügelei zu wettern. Aber wie zieht man  Volk in die Schule, das Versammlungen meidet?
Er habe, erzählte Häuser gern, »ein wunderschönes, knalliges Plakat« gemalt mit der Aufschrift: »Wie prügele ich mein Kind richtig?«

......
(die MZ schildert nun Häuser weiter:)
Einer, der gern das letzte Wort hat. Der zu gewitzt und klug ist, um sich der machtplatten Doktrin zu unterwerfen. Der andererseits aber seine Ketzereien so freundlich und verspielt über die Lippen bringt, dass sie den Angsprochenen nicht zum Handeln zwingen.
......
(Nun beschreibt die MZ die Bücher von Häuser:)
Es sind sympathisch kurzweilige, satirisch getönte  Sozial-Idyllen, die Häuser unter dem Namen Ottokar Domma liefert.  ....
Ottokars Themen: Pioniere, Ferienlager und LPG-Leben, Faulheit, Petzerei, Kinderkriegen und Senioren-Hilfe. Da können die Konflikte zeitweilig noch so heftig kochen, am Ende gehen die Schulmärchen stets gut aus. Hier führt auch der Optimismus einer Generation das Wort, die nach 1945 im Osten das bessere Deutschland wähnte."
aus dem Nachruf in der MZ vom 17. 07. 2007, S. 22
Was war daran "weiblich" gedacht?
1.  Macht ist etwas männliches - Frauen versuchen i. a., sich aus diesen Machtspielchen rauszuhalten.  Sie kämpfen nicht um die Macht und sie unterwerfen sich ihr auch nicht wirklich, sondern nur taktisch. Wenn sie die Macht angreifen, dann höchstens mit satirischen Mitteln.

2. Kritik  (bzw. "Ketzerei") kann heftig-ernsthaft-aggressiv-verletzend-arrogant sein. Wird sie  "freundlich und verspielt" vorgetragen, so sind beide Methoden "typisch weiblich": Freundlichkeit und der Versuch, einer eigentlich ernsten Situation eine spielerische, verspielte Komponente zu geben.

3. Sozial-Idylle - was für ein böses Wort für eine  so schöne Sache! Als ob es so einfach wäre, den "sozialen Frieden" zu sichern, als ob der Wunsch danach und die Suche nach Wegen, das Zusammenleben friedlich und freundlich zu gestalten, einfach wäre! Ich wette, Otto Häuser war oft verzweifelt an den Mißständen, die so schwer zu überwinden waren. Seine "Sozial-Idyllen" waren keine weltfremde Phantasie, sondern seine - weibliche - Methode, der Welt einen Spiegel vorzuhalten: einen Spiegel, in dem man sehen kann, wie es auch - ohne (männliche) Kämpfe, Kriegsgeschrei und ohne Gewalt geht.
In der Regel sind es die Frauen, die versuchen, den Frieden zu erhalten, die ihre Sehnsucht nach dem, was der Schreiber so männlich-herablassend "Sozial-Idylle" nennt, gern in Büchern und Filmen (in "guten Beispielen") wiederfinden.
Vor kurzem las ich irgendwo, daß es Männer irritiert, wenn Frauen ihre Kritiken oder Proteste mit einem Lächeln auf den Lippen aussprechen. Für Männer widersprechen sich dann Form und Inhalt der Botschaft.
Doch aus weiblicher Sicht ist es normal (!), Kritik - wenn sie denn direkt angesprochen werden muß und nicht indirekt  machbar ist - freundlich zu äußern. Für Frauen sind sachliche Kritik und ein böses Gesicht ein Widerspruch.
 
4. Das gute Ende  und der Optimismus -  beides Dinge, die im  typisch männlichen Machtdenken heutiger Zeit schrecklich verpönt sind. Sie haben etwas mit dem "Zukunftssinn der Frauen" zu tun.

5. Das allerwichtigstes Symptom weiblichen Denkens ist jedoch, daß seine Äußerungen "den Angsprochenen nicht zum Handeln zwingen" - typisch weiblicher geht es gar nicht: Männer diktieren anderen das Handeln oder lassen es sich diktieren: Befehlfsgeber und Befehlsempfänger sind typisch für männliche Strukturen, sei es im Strafvollzug, in der Armee oder in der Fabrik. Weibliches Prinzip ist immer, dem anderen die Handlungsfreiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, was er tun möchte und was nicht. Weibliches Prinzip kennt Ratschläge oder Gleichnisse, die zum Denken anregen können, aber nicht müssen.

Otto Häuser hat   in meinen Augen bestes weibliches Denken praktiziert, sein Erfolg   hing offenbar gerade damit zusammen.
 
menschlich gedacht
Ich hoffe, an diesem Beispiel wird sehr schön deutlich, daß die Abgrenzung zwischen "männlichem" und "weiblichem" Denken gar nicht möglich ist. Es sind nur die geltenden Vorstellungen von diesem Denken - die Realität sieht ganz anders aus.
Auch wie Ottokar Domma   dachte, läßt sich nicht in dieses Klischee des geschlechtsabhängig unterschiedlichen Denkens pressen. Er ist einer von denen, die einfach nur "menschlich" gedacht hat.
 
Sehnsucht nach Harmonie
Auf der gleichen Seite  der MZ wird des Malers Wolfgang Mattheuer gedacht (7. 4. 1927 - 7. 4. 2004) und seine Ausstellung "Landschaftsbilder - Sehnsuchtsbilder", die im Museum der Bildenden Künste in Leipzig bis zum 14.  Oktober 2007 zu sehen war, vorgestellt. 
Andreas  Montag schreibt, seine Bilder hätten "eine unstillbare Sehnsucht nach Harmonie offenbart".
Harmonie  gilt als Schlüsselwort  für weibliches Denken und für das Erkennen allgemein - Erkenntnissuche findet ihre Erfüllung im Erkennen der "kosmischen Harmonie"
nach oben
6. Die Würde des Mannes
 
In einer Artikel-Serie berichtet die "Prisma" über die Auseinandersetzungen zwischen den Römern und den Germanen.  In dieser Ausgabe ist Germanicus an der Reihe, der Feldherr, der "die Niederlage des Varus" an Arminius (Herrmann) rächen wollte und ebenfalls scheiterte.
Detlef Hartlap, der Chefredakteur, schreibt nun in diesem Artikel den schönen Satz:
"Germanicus, obgleich gerade 30 Jahre alt, wird sich seiner Würde hinreichend bewusst gewesen sein, um auch nur die kleinste Regung zu zeigen."
gefunden in der Prisma* Nr. 18/2009,
S. 5

* siehe Quellen
 
Gut, ich wußte, daß Männer sich schwer tun, "kleinste Regungen" - sprich Gefühle - zu zeigen. Mir war auch klar, daß das eine wichtige Rolle spielt, wenn man dem Feind gegenüber steht. Da darf man sich keine Blöße geben.
Nur - ich hätte nie gedacht, daß diese Zur-Schau-Stellung von angeblicher Emotionslosigkeit etwas mit der "Würde des Mannes" zu tun hat.

Da werden wir es nun doppelt schwer haben: es ist schon  ohne Würde eine Kunst, einen Mann zu bewegen, seine Gefühle zu zeigen. Wenn er aber auch noch Angst hat, seine Würde zu verlieren, so er  Gefühle zeigt- dann wird es ein riesiges Problem. Und die Folgen sehen wir: der eine oder andere dreht aus diesen Zwängen heraus irgendwann durch.

Was also kann getan werden, damit die Männer Gefühle zeigen dürfen und dabei trotzdem keine Angst haben müssen, ihre Würde zu verlieren?

Reicht es, ihnen zu sagen: im Grundgesetz steht
"Die Würde des Menschen ist unantastbar." - oder ist dort eine andere Würde gemeint?
 
nach oben
PS: offene Fragen
 
Warum fühlen sich Männer bedroht, wenn Frauen gleiche Rechte einfordern? (Beispiel: gleicher Lohn für gleiche Arbeit)
 
nach oben
www.brunhild-krueger.de / Männl.-weibl. /  Denkwege / Das männliche Denken