| 5. Ottokar Domma bzw. Ottokar Häuser - menschlich gedacht |
| Wer war Ottokar Häuser? |
Ottokar Domma war wohl neben Alfons Zitterbacke der bekannteste Schüler in der DDR, so etwas ähnliches wie Bibi Blocksberg heute vielleicht.
Erfunden wurde er von Otto Häuser, der am 15. 7. 2007 83jährig verstarb. Der hatte nach dem Krieg als Neulehrer begonnen, wurde schnell Schuldirektor und später Redakteur der "Lehrerzeitung", dann Abteilungsleiter für Volksbildung in der Zeitung "Neues Deutschland". Im Jahr 2006 erhielt er das Bundesverdienstkreuz. 1967 kommt das erste Ottokar-Domma-Buch in den Handel "Ottokar, das Früchtchen".
Eine Episode aus seiner Zeit als Schuldirektor, die in dem Nachruf der MZ geschildert wird, mag einen ersten Eindruck von der Denkweise dieses Otto Häuser geben: |
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| aus dem Nachruf |
"Er will eine Elternversammlung veranstalten, um gegen die in den Familien verbreitete Prügelei zu wettern. Aber wie zieht man Volk in die Schule, das Versammlungen meidet?
Er habe, erzählte Häuser gern,
»ein wunderschönes, knalliges Plakat« gemalt mit der Aufschrift: »Wie prügele ich mein Kind richtig?«
......
(die MZ schildert nun Häuser weiter:)
Einer, der gern das letzte Wort hat. Der zu gewitzt und klug ist, um sich der machtplatten Doktrin zu unterwerfen. Der andererseits aber seine Ketzereien so freundlich und verspielt über die Lippen bringt, dass sie den Angsprochenen nicht zum Handeln zwingen.
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(Nun beschreibt die MZ die Bücher von Häuser:)
Es sind sympathisch kurzweilige, satirisch getönte Sozial-Idyllen, die Häuser unter dem Namen Ottokar Domma liefert. ....
Ottokars Themen: Pioniere, Ferienlager und LPG-Leben, Faulheit, Petzerei, Kinderkriegen und Senioren-Hilfe. Da können die Konflikte zeitweilig noch so heftig kochen, am Ende gehen die Schulmärchen stets gut aus. Hier führt auch der Optimismus einer Generation das Wort, die nach 1945 im Osten das bessere Deutschland wähnte." |
aus dem Nachruf in der MZ vom 17. 07. 2007, S. 22
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| Was war daran "weiblich" gedacht? |
1. Macht ist etwas männliches - Frauen versuchen i. a., sich aus diesen Machtspielchen rauszuhalten. Sie kämpfen nicht um die Macht und sie unterwerfen sich ihr auch nicht wirklich, sondern nur taktisch. Wenn sie die Macht angreifen, dann höchstens mit satirischen Mitteln.
2. Kritik (bzw. "Ketzerei") kann heftig-ernsthaft-aggressiv-verletzend-arrogant sein. Wird sie "freundlich und verspielt" vorgetragen, so sind beide Methoden "typisch weiblich": Freundlichkeit und der Versuch, einer eigentlich ernsten Situation eine spielerische, verspielte Komponente zu geben.
3. Sozial-Idylle - was für ein böses Wort für eine so schöne Sache! Als ob es so einfach wäre, den "sozialen Frieden" zu sichern, als ob der Wunsch danach und die Suche nach Wegen, das Zusammenleben friedlich und freundlich zu gestalten, einfach wäre! Ich wette, Otto Häuser war oft verzweifelt an den Mißständen, die so schwer zu überwinden waren. Seine "Sozial-Idyllen" waren keine weltfremde Phantasie, sondern seine - weibliche - Methode, der Welt einen Spiegel vorzuhalten: einen Spiegel, in dem man sehen kann, wie es auch - ohne (männliche) Kämpfe, Kriegsgeschrei und ohne Gewalt geht.
In der Regel sind es die Frauen, die versuchen, den Frieden zu erhalten, die ihre Sehnsucht nach dem, was der Schreiber so männlich-herablassend "Sozial-Idylle" nennt, gern in Büchern und Filmen (in "guten Beispielen") wiederfinden. |
Vor kurzem las ich irgendwo, daß es Männer irritiert, wenn Frauen ihre Kritiken oder Proteste mit einem Lächeln auf den Lippen aussprechen. Für Männer widersprechen sich dann Form und Inhalt der Botschaft.
Doch aus weiblicher Sicht ist es normal (!), Kritik - wenn sie denn direkt angesprochen werden muß und nicht indirekt machbar ist - freundlich zu äußern. Für Frauen sind sachliche Kritik und ein böses Gesicht ein Widerspruch. |
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4. Das gute Ende und der Optimismus - beides Dinge, die im typisch männlichen Machtdenken heutiger Zeit schrecklich verpönt sind. Sie haben etwas mit dem "Zukunftssinn der Frauen" zu tun.
5. Das allerwichtigstes Symptom weiblichen Denkens ist jedoch, daß seine Äußerungen "den Angsprochenen nicht zum Handeln zwingen" - typisch weiblicher geht es gar nicht: Männer diktieren anderen das Handeln oder lassen es sich diktieren: Befehlfsgeber und Befehlsempfänger sind typisch für männliche Strukturen, sei es im Strafvollzug, in der Armee oder in der Fabrik. Weibliches Prinzip ist immer, dem anderen die Handlungsfreiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, was er tun möchte und was nicht. Weibliches Prinzip kennt Ratschläge oder Gleichnisse, die zum Denken anregen können, aber nicht müssen.
Otto Häuser hat in meinen Augen bestes weibliches Denken praktiziert, sein Erfolg hing offenbar gerade damit zusammen. |
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| menschlich gedacht |
Ich hoffe, an diesem Beispiel wird sehr schön deutlich, daß die Abgrenzung zwischen "männlichem" und "weiblichem" Denken gar nicht möglich ist. Es sind nur die geltenden Vorstellungen von diesem Denken - die Realität sieht ganz anders aus.
Auch wie Ottokar Domma dachte, läßt sich nicht in dieses Klischee des geschlechtsabhängig unterschiedlichen Denkens pressen. Er ist einer von denen, die einfach nur "menschlich" gedacht hat. |
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| Sehnsucht nach Harmonie |
Auf der gleichen Seite der MZ wird des Malers Wolfgang Mattheuer gedacht (7. 4. 1927 - 7. 4. 2004) und seine Ausstellung "Landschaftsbilder - Sehnsuchtsbilder", die im Museum der Bildenden Künste in Leipzig bis zum 14. Oktober 2007 zu sehen war, vorgestellt.
Andreas Montag schreibt, seine Bilder hätten "eine unstillbare Sehnsucht nach Harmonie offenbart". |
Harmonie gilt als
Schlüsselwort für
weibliches Denken und
für das Erkennen allgemein - Erkenntnissuche findet ihre Erfüllung im Erkennen der "kosmischen Harmonie" |
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