| 1. Der Stolz, wie ein Mann zu denken |
| Das Mädchen, das die Tasche hält |
Nicht nur die Erfahrung mit meinem Mathematiklehrer im 5. Schuljahr ("Jungen sind besser in Mathematik als Mädchen") hatte mich geprägt, viel stärker wogen Erfahrungen im Umgang mit meinen gleichaltrigen Freundinnen, zu deren Interessen und Meinungen ich nur sehr schwer Zugang fand.
Ich erinnere mich noch an eine Zeit im 7. Schuljahr, als die Hälfte der Mädchen aus der Klasse tagelang über ein männliches Idol zu erzählen hatte und ich dabei stand und nicht wußte, was daran so wichtig und spannend sei. Das war die Zeit, in der ich u. a. Freude daran hatte, Friedrich Engels "Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen" zu lesen.
Das Spiel, Männer (Jungen) - z. B. beim Tanzen - anzulocken, lernte ich nie. Ich war die, die "die Tasche hielt".
Weitere Beispiele erspare ich Ihnen.
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| Gespräche unter Männern |
Ab der 9. Klasse lebte ich jahrelang in Schule, Studium und Beruf in fast reinen Männergruppen, in denen Frauen bzw. Mädchen in der Minderzahl waren. Logischerweise sprach ich dadurch mehr und (es fiel mir damals gar nicht auf) lieber mit Männern. Diese Erfahrungen führten wohl dazu, daß ich ab Mitte der 70er Jahre mitunter spaßeshalber sagte:
"Ich denke wie ein Mann."
Es war mir angenehmer, Anerkennung für meine Art zu denken zu bekommen als für mein Aussehen. Mit letzterem konnte ich nicht viel anfangen. Meist bekam ich gar nicht oder erst sehr, sehr spät mit, wenn ein Mann mehr von mir wollte, als kluge Gespräche zu führen. War es dann nicht mehr zu übersehen, störte es mich oft. Da ich freundlich und höflich sein wollte, fiel es nicht leicht, solche "zweckgebundenen Kontakte" dann abbrechen zu müssen. Lieber wäre es mir gewesen, wenn diese Gespräche sozusagen "geschlechtsneutral", "von Mann zu Mann" geführt worden wären. Doch offenbar sahen viele meine Suche nach geistigen Kontakte nicht als Selbstzweck, sondern als Flirtverhalten. Wie also war der Wunsch nach Gedankenaustausch realisierbar, ohne daß er als "Anmache" meinerseits interpretiert werden konnte?
Das Gefühl einer geistige Gemeinschaft mit Männern erlebte ich mehrmals und empfand es als hohes Glück. Doch dann mußte ich sehen, daß ich oft diesen Männern nicht wirklich geistige Partnerin war: ich war nur da, ihre Gedanken bewundernd zu spiegeln. Meine eigenen Gedanken waren nicht gefragt, fröhliche Streitgespräche oder echter Gedanken-AUSTAUSCH, wie ich sie aus der Studentenzeit kannte, wollten später kaum noch gelingen.
Nun, da ich mit Riesenschritten auf meinen 60. Geburtstag zugehe, dürfte sich das Problem von allein erledigen. |
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| Nicht geeignet für intelligente Männer |
Einmal geriet ich an einen Philosophen. Philosophen wirkten damals auf mich wie Saxophonspieler auf Sugar (Marylin Monroe) in "Manche mögens heiß". Ich war ihnen verfallen, den klugen Männern - bis zu diesem Ereignis. F. konnte zwei Doktor-Titel aufweisen, war äußerst klug und ein spannender Gesprächspartner. Aber dann sagte er zu mir, daß ich nicht die geeignete Partnerin für intelligente Männer sei. Die Begründung war restlos überzeugend: meine BH-Größe sei was für "primitive Männer". Intelligente Männer stehen halt auf kleinere Busen, sagte Dr. Dr. F.
Es ist schmerzhaft, eine Illusion zu verlieren, doch ich verlor in diesem Augenblick zwei: die Illusion, daß Männer Frauen als gleichberechtigte geistige Partner sehen könnten und die Illusion, daß ich "wie ein Mann" gedacht haben könnte.
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"Männer" meint nicht "alle Männer"! Ausnahmen gibt es hier wie immer und überall. |
| Das gestörte Bild |
Lange habe ich gegrübelt, erst jetzt, beim Schreiben dieser Texte, begreife ich das eigentliche Problem, das ich mit Männern und das Männer mit mir hatten:
Ich hatte die Tatsache, daß ich als Frau mit ihnen sprach, für unwichtig gehalten. Doch die Männer - froh, wenigstens etwas über das Denken und Verhalten von Frauen zu kennen - wurden durch mich irritiert: ich paßte nicht in das Bild, das sie von Frauen hatten. Sie waren also doppelt in der Klemme. Woher sollten sie wissen, daß sie mit mir wie "unter Männern" reden konnten?
Aus diesen Erfahrungen heraus würde ich es z. B. sehr begrüßen, wenn an den Schulen spätestens mit dem 7. bis 9. Schuljahr das Thema "Männliches und weibliches Denken und Verhalten" als Schulfach angeboten würde. Das "darüber reden", wie das jeweils andere Geschlecht "tickt", könnte manche spätere Katastrophe im Zusammenleben vermeiden. Achtung - ich kann schon wieder Einwände hören. Deshalb möchte ich betonen: es soll hier nicht der Schematisierung oder Uniformierung des Denkens das Wort geredet werden, ganz im Gegenteil: in der praktischen Diskussion dieser Fragen in einer gemischten Schulklasse würde die reale Vielfalt leicht deutlich werden. |
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| 2. Erfahrungen mit einer theoretischen, gönnerhaften Gleichberechtigung in der DDR |
| Meine rosarote Brille |
Von Kindheit an waren wir mit dem Gedanken der Gleichberechtigung von Mann und Frau vertraut gemacht worden. Offiziell gab es gar keine andere Darstellung. Daß die Praxis anders aussah, hätte mir auffallen müssen, wäre ich nicht so naiv-gutgläubig gewesen. Ich glaube, diese Vorgabe, dieses Ideal der Gleichberechtigung hatte ich so verinnerlicht, daß ich die Wirklichkeit nur darin abbildete. Störungen bzw. Abweichungen vom Ideal wurden nicht wirklich und Einzelfälle eher ignoriert als wahrgenommen. Ich sah die Beziehungen zwischen Mann und Frau durch die rosarote Brille: Partnerschaft, Respekt, gegenseitige Hilfe, Vertrauen.
Wenn ein Mann sagte "Ich liebe dich", dachte ich, er versteht das gleiche darunter wie ich. |
Bei diesen ersten Beispielen will ich es vorerst belassen. Vielleicht ergänze ich später noch einige Erfahrungen aus dieser Zeit. |
| Der Sturz in die Wirklichkeit |
Der erste, den ich heiratete, weil er jahrelang dieses "Ich liebe dich" versichert hatte, meinte mit diesen Worten: Du sollst für mich kochen, du sollst mein Kind gebären, du sollst die Wohnung sauber halten, du sollst mir sexuell zur Verfügung stehen, du sollst machen, was ich will. Nach drei Jahren Ehe schaffte ich den Absprung in die Freiheit. |
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| Doppelte Moral |
Als ich später als Lektor in der Bildungsstätte der Kreisleitung arbeitete, sagte ein Kollege einmal zu mir: "Für eine Frau verdienst du hier ja sehr gut." Ich erwiderte: "Für einen Physiker verdiene ich hier ziemlich schlecht."
Ein anderer Kollege verblüffte mich damit, daß er sich nach Jahren der Zusammenarbeit wunderte, als ich von meinem geschiedenen Mann sprach: "Du warst verheiratet?" - Ich wunderte mich nun auch: "Ja, ist das denn so wichtig?" Er antwortete nicht, ich glaubte an seinem Blick zu erkennen, daß es für ihn sehr wohl ein Unterschied war, ob ich eine "ledige Mutter" oder eine "geschiedene Frau mit Kind" war.
Selbst an diesem Ort, an dem offiziell die herrschende Staatslehre und Parteipolitik (die die Gleichberechtigung von Männern und Frauen forderte und die das uneheliche und das eheliche Kind völlig gleichberechtigt ansah - und auch die Mütter schon lange nicht mehr danach differenzierte, ob sie verheiratet waren) vertreten wurde, herrsche unter den Männern das alte Frauenbild. |
Wie dieses Prinzip "gleicher Lohn für gleiche Arbeit" als erster Schritt der praktischen Gleichberechtigung "gegen die Ehre der Männer" ging - darüber schreibe ich etwas mehr in Mann + Frau |
| Frauentag und Haushaltstag |
Einmal im Jahr wurde der "Internationale Frauentag" gefeiert. Da gaben sich "unsere Männer" wirklich große Mühe: besorgten Geschenke, organisierten Programme oder Fahrten und gossen uns den Kaffee ein. Es gab Auszeichnungen für Frauen, Artikel in der Zeitung - und auch die Lehrerin, die Kindergärtnerin, die Schaffnerin und Verkäuferin wurden geehrt und ihre Arbeit anerkannt. Das war wohltuend anders als dieses verlogene Muttertags-Gesülze heutiger Zeit, erfunden von Blumenhändlern für Zusatzumsatz. Meinen Kindern hatte ich sofort nach der Wende verboten, mir etwas zum Muttertag zu schenken, ihn auch nur zu erwähnen. Für mich ist und bleibt der "Internationale Frauentag" der Tag, an dem auf die noch immer nicht existierende Gleichberechtigung der Geschlechter aufmerksam gemacht werden kann und muß.
Um die Doppelbelastungen der Mütter durch Beruf und Familie etwas abzufedern, gab es den "Haushaltstag" bzw. "Hausarbeitstag" - einen bezahlten freien Tag im Monat für die Erledigung wichtiger Familien-Arbeiten: für den Besuch beim Arzt oder in der Schule, für einen besonderen Tag mit den Kindern oder um mal in aller Ruhe die ganze Wohnung sauber machen zu können. Entstanden war er - ich glaube in den 50er Jahren - in der Zeit, als Frauen für die Berufsarbeit gewonnen werden sollten und es noch keine Waschmaschinen gab. Die Frau mußte wirklich einen ganzen Tag Wäsche waschen: im Kessel kochen, dann mit der Hand im Zuber schrubben, dann von Hand spülen usw. Daher hieß er bei vielen Frauen auch später noch "Waschtag". Als dann die Waschmaschinen Einzug in immer mehr Haushalte hielten, wagte niemand, diesen Tag wieder abzuschaffen.
Das geschah erst unmittelbar nach der Wende. |
"Muttertags-Gesülze" mögen mir bitte alle verzeihen, die diesen Tag in echter Anerkennung und Dankbarkeit für die Leistungen ihrer Mutter oder die Mutter ihrer Kinder begehen. Das respektiere ich natürlich.
Doch für mich hat dieser Tag einen schalen Beigeschmack, wenn ich sehe, wie schwer es in dieser Gesellschaft Frauen gemacht wird, Mutter zu sein. Als Stichworte nenne ich nur das "Armutsrisiko Kind" und den riesigen Anteil verarmter Frauen an der Gruppe alleinerziehender Mütter. |
| Die Praxis der Gleichberechtigung |
In der Praxis wurde die Doppelbelastung der Frauen in Beruf und Familie nicht einmal mehr angesprochen. Frauen, die der Kinder wegen zu Hause blieben, wurden geschnitten und galten als unmodern. Die Frauen hatten das einfach zu packen, schließlich - so der Grundgedanke - realisiert sich Gleichberechtigung vor allem darin, daß Frauen gleichberechtigt selbst für ihren Lebensunterhalt zu sorgen haben. Besonders alleinerziehende Mütter waren damit oft an der Grenze der Belastbarkeit. Niemanden interessierte das wirklich.
Viele werden es nicht verstehen, wenn ich jetzt als Schlußfolgerung schreibe, daß in der DDR letztlich doch auch nur eine Form von "Männerherrschaft" und "männlichem Denken" praktiziert wurde.
Doch auch die Terminologie, die Strategie und Taktik des "wissenschaftlichen Sozialismus" lief letztendlich darauf hinaus, daß ein durch und durch weibliche gedachtes politisches Grundkonzept (das der Gleichheit und Gemeinschaft, der Solidarität und Selbstentfaltung aller Menschen) durch die einseitig-männliche Sichtweise (Diktatur des Proletariats, Klassenkampf, ...) verfremdet und entstellt wurde. An anderer Stelle gehe ich ausführlicher darauf ein. |
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| 3. Der Wende - Schock : Rückfall um 50 Jahre im Frauenbild und in der Gleichberechtigung |
| Rabenmütter? |
Gleich nach der Wende wollte ich mich in einer der Bildungseinrichtungen aus dem Westen, die hier schnell Fuß faßten, bewerben und sprach persönlich vor, weil ich wissen wollte, ob noch Lektoren oder Dozenten gesucht würden. Ich hatte einleitend jedoch nur allgemein gefragt, ob sie noch Mitarbeiter suchen. Der Herr sah mich von Kopf bis Fuß an, fragte nicht nach meinem Beruf, sondern meinte nur: "Wir brauchen keine Sekretärin." Das überraschte mich so, daß ich nur noch stumm und wütend den Raum verließ.
Einige Jahre nach der Wende berichtete die "Elbe-Elster-Rundschau", eine Tageszeitung aus der Region, darüber, daß es nun erwiesen sei, daß berufstätige Frauen doch keine Rabenmütter seien.
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| Die Katastrophe und die Zukunftsangst |
Dieser Spaghat alleinstehender Frauen - für den Unterhalt ihrer Kinder zu sorgen und gleichzeitig eine ordentliche Betreuung abzusichern - wurde nun, nach der Wende, noch viel, viel schwieriger als zuvor. Mich persönlich sollte diese Doppelbelastung schließlich in die Arbeitslosigkeit und materielle Not stürzen. Ich mußte eine gut bezahlte Arbeit aufgeben, damit ich die Betreuung meines Sohnes sichern konnte. Die andere Arbeit, die ich aufnahm, war bei einer Schwindelfirma aus dem Westen in einer - wie ich erst zu spät merkte - Scheinselbständigkeit, die nach dem Schneeball-Prinzip arbeitete. Man warf mich nach kurzer Zeit raus, weil ich die unseriösen Forderungen nicht erfüllte. Wie mir erging es in dieser Firma vielen Frauen. Doch die meisten hatten Glück, sie waren verheiratet, die finanzielle Katastrophe war für sie also nicht so schlimm wie für mich.
Ich stand im Sommer 1993 auf einmal da - arbeitslos, mit zwei Kindern, alleinerziehend und mit 12 000 DM "Schulden". Diese Summe wurde von mir verlangt für zurückzuzahlende "Ausbildungskosten", eine dubiose Auto-Ablösesumme und - natürlich - die Zurückzahlung eines "Provisions-Vorschusses" von monatlich 1000 DM, (der für die Sachkosten - Auto, Versicherung, Büromaterial usw. - draufging), der die Startphase abdecken und mit späteren Verkäufen verrechnet werden sollte. Von "Rückzahlung" stand übrigens nichts im Vertrag. Ich zahlte die Summe in den folgenden Jahren vom Lohn aus meinen ABM-Stellen zurück - eine geniale Umverteilung von Steuermitteln.
Daß man so mit dem Schicksal von Frauen, speziell von alleinerziehenden Müttern, spielen könnte, hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht vorstellen können.
Ende des Jahre 1990 oder Anfang des Jahres 1991 sprach der damalige Sozialdezernent Wittenbergs, Engelbert Pennekamp, in einer Frauenveranstaltung u. a. über die zu erwartenden Obdachlosen - das meint, man war sich ganz sicher, daß es so etwas auch hier im Osten geben würde, unvermeidlich. Er nannte Zahlen und soziale Gruppierungen, die es treffen würde. Alleinerziehende Mütter und ihre Kinder wurden von ihm als eine Schwerpunktgruppe genannt. Damals spürte ich zum ersten Mal echte, riesige Zukunftsangst. |
Herr Pennekamp war ein sehr engagierter Sozialdezernent, der im Jahr 2007 verstarb. Nicht nur ich vermute, daß es das Herzeleid war über das Elend, das er hier im Osten zu sehen bekam. Er war aus Göttingen, der Partnerstadt Wittenbergs, nach der Wende hergekommen. |
| Die kämpfenden Frauen in Westdeutschland |
Einmal, Mitte der 90er Jahre, war Frau Blättel in Wittenberg. Sie wollte wissen, wie es den ostdeutschen Frauen vor und nach der Wende ging, und erzählte auch von den Kämpfen westdeutscher Frauen um Gleichberechtigung.
Besonders erstaunt waren wir, als wir vom Arbeitsrecht der BRD hörten: Frauen benötigten noch lange die Erlaubnis ihrer Männer, einen Arbeitsverrag zu unterschreiben und der Mann konnte ihn jederzeit kündigen.
Wir dachten, wir hören Geschichten aus dem Mittelalter.
Zum ersten Mal hörte ich auch von der Weltfrauenkonferenz, die 1985 in Nairobi stattgefunden hatte - Frau Blättel hatte an ihr teilgenommen. Auch über den Frauenrat erzählte sie, von den unterschiedlichen Frauengruppen, die darin eine Verständigungsplattform gefunden haben. Das geht von extrem konservativen, religiösen bis zu super-modern, feministischen Gruppen.
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Frau Blättel war zu dieser Zeit bereits Rentnerin, hatte früher hauptberuflich im Vorstand des DGB gearbeitet und war jahrelang Vorsitzende des Deutschen Frauenrates gewesen. |
| Das Frauenbild - die Frau als Sexobjekt |
Das nach der Wende erstmals so direkt wahrgenommene westdeutsche Frauenbild war (und ist) mir unerträglich.
Da war ein aus dem Westen nach Wittenberg gekommener Politiker, der zu hiesigen Männern sagen konnte, als es um die DDR ohne Bordelle ging: "Wie habt ihr das bloß so lange ausgehalten?"
Da war ein anderer Politiker - ebenfalls aus dem Westen - der einen Vortrag in der Kreisvolkshochschule halten wollte darüber, daß diejenigen, die im Mittelalter die Hexen verbrannt haben, das ja nur deshalb taten, weil sie deren Seelen retten wollten, also ganz selbstlos und ehrlichen Herzens, sozusagen aus Sorge um den Menschen.
Und da war noch einer, der bei der Besichtigung des hieisigen Frauenhauses (auch eine neue Errungenschaft nach der Wende) feststellte, daß das ja eigentlich viel zu gut, viel zu komfortabel für die Frauen sei.
Ich wollte damals am liebsten ein riesiges Poster machen, mit einer Frauen in eindeutiger Pose sich anbietend und dem Text darunter:
Eh, Mann - ist das Deine?
Deine Frau? Deine Schwester? Deine Mutter? Deine Tochter?
Wer verteidigt die Ehre und die Würde von uns Frauen in Deutschland? Wo sind die starken Helden und Frauenretter? |
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| Gewalt gegen Frauen |
Von November 2007 bis November 2008 gab es die Unterschriften-Aktion "Say NO To Violence Against Women" (Sage NEIN zur Gewalt gegen Frauen). Im Aufruf dazu hieß es z. B., daß die Gewalt gegen Frauen die schlimmste Gewalt auf der Welt ist - schlimmer als Krieg, Rassismus bzw. Terrorismus. Es ging bei der Aktion darum, diese heimliche Gewalt öffentlich zu machen.
Mehr darüber findet sich auf der Seite "UNIFEM" (in "Frauenpower" hier im Thema "männl. + weibl." ). |
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Es war interessant, einige Meinungen zu diesem Thema im Internet-Forum der Zeitschrift "Publik-Forum" zu lesen. Da in dieser Diskussion auch ernsthafte Probleme von Männern mit uns Frauen bzw. mit der öffentlichen Meinung über Männer deutlich wurden, ist einiges davon in "Männerpsyche" zu finden.
Auffällig an Informationen über Gewalt gegen Frauen ist, daß die Täter meist anonym bleiben, nicht als "aktiv" dargestellt werden: Frauen "erleiden" die Gewalt, aber man sieht die nicht, die diese Gewalt ausüben.
Daß inzwischen Selbsthilfegruppen von Männern über ihre Gewalterfahrung (das meint die Gewalt, die sie ausgeübt haben) reden und versuchen, sich davon zu befreien, erfährt man in den Medien auch kaum. |
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| Die Bundesrepublik Deutschland als prinzipiell frauenfeindliche Gesellschafts-Struktur |
Aber das schlimmste waren und sind aus meiner Sicht die Darstellungen von Frauen in öffentlichen Medien. Am schlimmsten und ekelhaftesten sind die nächtlichen Werbungen mit Sex-Angeboten von Frauen in privaten Fernsehsendern. Es war unglaublich für mich, bestätigt zu sehen, was Karl Marx so schön allgemein geschrieben hat: im Kapitalismus wird alles zur Ware. Nun sah ich es: ich gehörte in eine Warenkategorie, Menschsein und Würde bleiben für die Frauen in diesem Land auf der Strecke.
Diese Gesellschaft, in der ich mit der Wende gelandet war, entpuppte sich für mich als eine Variante uralter Männerherrschaft, als eine feigenblattverzierte uralte patriarchale Struktur übelster Frauenfeindlichkeit.
Wann endlich regt sich Protest aus den Reihen der Männer, die ein besseres Frauenbild haben? Oder ist es allen Männern egal, was da mit Frauen gemacht wird? |
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| 4. Begegnung mit feministischem Gedankengut |
| Feminismus |
In diese Zeit fielen auch meine ersten Kontakte mit Feministinnen und feministischem Gedankengut.
Im Jahr 1995 fuhr ich zur "Frauenfachmesse" nach Düsseldorf und lernte dort die Gleichstellungsbeauftragte von Sachsen-Anhalt, Frau Elke Plöger, kennen. Die Art und Weise, wie mit ihr in den Medien umgesprungen wurde, erschreckte mich sehr. Einmal höhnte die "Mitteldeutsche Zeitung", sie habe sich darüber mokiert, daß in einem öffentlichen Gebäude die Damentoiletten kleiner seien als die Herrentoiletten. Elke erzählte mir später einmal, wie sie auf einer öffentlichen Veranstaltung in Magdeburg, als sie sich als Kandidatin zur Oberbürgermeisterwahl gestellt hatte, behandelt wurde: erst war kein Stuhl im Präsidium für sie da, dann saß sie so, daß sie vom Moderator verdeckt wurde, dann kam sie so gut wie nicht zu Wort.
Ich las Bücher über z. B. "Das Deutsche als Männersprache", die "Emma", erlebte alle Auswüchse dieses Endungskultes. War ich am Anfang noch offen und angetan von diesem Feminismus, stieß er mich jedoch zunehmend ab. Wesentlich war für mich dabei, daß er bei den meisten Frauen Befremden und Ablehnung auslöste. Natürlich versuchte ich herauszubekommen, wo die Ursachen dafür lagen. Bis ich es schließlich begriff: Feminismus funktioniert nicht nach den "weiblichen Denkprinzipien" sondern nach den männlichen, er ist "männliches Denken in Frauenköpfen". Das ist keine Abwertung. Es ist eine logische Folge, daß in einer "männlich durchdachten" Welt natürlich auch die Frauenbewegung erst einmal so geprägt sein muß.
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| actio = reactio? |
Noch spannender wurde es allerdings, als ich dann im Internet auf einen waschechten Anti-Feministen extremster Denkungsart stieß. In unserem Mail-Dialog erfuhr ich schließlich die Ursache seines Frauenhasses: eine Frau hatte ihm eine begehrte Stelle vor der Nase weggeschnappt. Als mir seine Ausfälle gegen Frauen immer unerträglicher wurden (ich hatte mich auf diesen Mailwechsel eingelassen, weil ich verstehen wollte, wie und warum er so denkt wie er denkt), schrieb ich ihm ein paar Erfahrungen mit Männern. Da wunderte er sich, wieso ich nicht als männermordende Furie durch die Lande ziehe.
Die Frage ist offen geblieben: Warum denken einige Männer so wie dieser Mann und was ist erforderlich, damit solchese Extremdenken in Zukunft überflüssig wird? |
Er mag ein Einzelbeispiel sein. Vielleicht denkt der eine oder die andere auch, daß es sich um einen sogenannten "primitiven" Menschen handelt - aber er ist immerhin Professor, schreibt Bücher. Aus Höflichkeit möchte ich seinen Namen hier nicht nennen. |
| Wie Feminismus zum Witz wird |
In den 90er Jahren hatte Sachsen-Anhalt also eine Staatssekretärin für Frauenpolitik, die viele Projekte auf den Weg brachte, viele Frauen geistig anstieß, Frauenleben öffentlich machte, trotz aller Anfeindung diesen Kampf jahrelang durchhielt.
In dieser Zeit war sogar unsere Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Wittenberg, Frau Golly (CDU), arg bemüht, eine feministische Sprache zu pflegen. Das meint, sie benutzte die Endung "-in" und "-innen" häufiger als andere Frauen. Besonders in Erinnerung ist mir eine Veranstaltung im Rahmen meiner ABM bei PFLUG e. V., auf der sie das Wort ergriff:
"Liebe Mitgliederinnen und liebe Mitglieder!"
Und ich schwöre - es war nicht scherzhaft gemeint!
Damals gab es noch gelegentlich öffentliche Veranstaltungen mit ihr, sogar einen "Frauenpolitischen Runden Tisch" hatten wir zeitweise, der jedoch durch ihren Boykott (anders kann ich es nicht nennen) schließlich einschlief. In einer dieser Veranstaltungen, in der es um Wahlrecht ging, fragte ich sie, ob sie nicht einmal alle weiblichen Stadtverordneten parteiübergreifend zusammennehmem wolle (ich glaube, es waren mehr als acht Frauen damals). Sie antwortete mir, daß das nicht ginge, es wären zu wenige Frauen.
Nachdem Frau Plöger nicht mehr aktiv (im Amt) war, ließ der "Feminismus" bei unserer Gleichstellungsbeauftragten schlagartig nach.
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"Das Mitglied" ist sächlich, es bedarf also keiner "weiblichen" Endung, sie ist grammatisch falsch. Eher würde es sich anbieten, dem männlichen "Gast" ("der Gast") eine weibliche Form gegenüber zu stellen: "die Gästin". Das klingt ziemlich doof, auch wenn es grammatisch möglich wäre. Auch zu "der Flüchtling" ist eine weibliche Form unüblich, andersherum gibt es zu "die Geisel" kein männliches Gegenstück. |
| Mein Fazit nach fast 40 Jahren in der DDR und nach fast 20 Jahren im wiedervereinten Deutschland: |
War man in der DDR noch bemüht, den Mantel der Gleichberechtigung über die reale Situation der Frauen zu hängen, nimmt man die gesellschaftliche Schlechterstellung der Frauen in diesem Staat als gegeben hin und spottet über die, die die Situation ändern wollen.
Trotz allen Geredes von z. B. "Chancengleichheit" ist die berufliche Situation der Frauen heute wesentlich schlechter als zu DDR-Zeiten, ihre Rechte und ihre Anerkennung in der Gesellschaft sind in barbarischer Rückständigkeit. Das heutige offizielle, idiotisch-dümmliche Frauenbild reduziert uns auf Sexobjekte, bei denen nur wichtig ist, "schön" und "geil" zu sein - und verfügbar zu sein. Die Mütter werden in dem polarisierten Klischeebild zwischen der vorbildlichen oder der Rabenmutter mit ihren Sorgen und Problemen von der Gesellschaft allein gelassen. Was immer sie tun, sie machen alles verkehrt, sind nur Forderungen ausgesetzt, die sie letztlich nicht erfüllen können. Und - das allerwichtigste - ihre Arbeit ist dieser Gesellschaft nichts wert, wird nicht anerkannt, weder materiell noch ideell. Es ist die Pflicht einer Frau, eine gute Mutter zu sein, Punkt. Gerät sie dabei in materielle Not, hat sie eben Pech gehabt. Schließlich (O-Ton eines Politikers Mitte der 90er Jahre) ist es "ungerecht", wenn eine alleinerziehende Mutter für sich und ihre drei Kinder 2200 DM Sozialhilfe erhält, während ein normaler Arbeiter (z. B. in der Autoindustrie) sich mit 1800 DM zufriedengeben muß. Die Produktion von Autos ist wertvoller, ist eine höhere Leistung als die "Produktion" von Kindern?
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Einmal um das Jahr 2000 herum, spottete jemand im Radio-Sender "mdr-kultur" über die "Muttertierchen", die Frauen, die so sehr in ihrer Mutterrolle aufgehen. Damals hatte gerade meine Nichte ihren Mann und ihre zwei Kinder verlassen und ich dachte über die Macher der Sendung:
Sind die noch auf der Höhe der Zeit? |
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Wenn man heute Krokodilstränen heult, daß uns der Nachwuchs ausgeht - dann muß man sich nicht wundern: Man macht es den Frauen zu schwer, gute Mütter sein zu können und dabei auch noch einen eigenen Lebensanspruch geltend machen zu dürfen. |
siehe hierzu in Klatschweib » Einmischung » Kinder, Kinder |
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Mir wurde bei all diesen Erfahrungen klar:
Gleichberechtigung von Mann und Frau ist heute nicht mehr allein dadurch zu erreichen, daß Frauen darum kämpfen. Sie ist erst dann möglich, wenn diejenigen, die von dieser Ungerechtigkeit gegen Frauen in der Gesellschaft einen Vorteil haben, dagegen angehen : |
PS.: Haben Männer wirklich einen Vorteil von der Nicht-Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau? |
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Erst, wenn Ungerechtigkeit
durch diejenigen bekämpft wird,
die einen Vorteil davon haben,
haben wir eine Chance,
sie zu überwinden.
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Oder haben sie nicht inzwischen ebenfalls vor allem Nachteile davon? |
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| 5. Begegnung mit einer anderen Art weiblichen Denkens |
| Ist ein Ende des Geschlechter-Kampfes möglich? |
Zuerst waren es die Thesen von Sabine Lichtenfels über eine neue Frauenbewegung, auf die ich beim "Tag der offenen Tür" im Jahr 1996 (?) im ZEGG im nahegelegenen Belzig stieß. Hier wurde explizit gefordert, den "Geschlechterkampf" (den ich bis zu diesem Augenblick, in dem ich dieses Wort las, noch gar nicht so universell wahrgenommen hatte) zu beenden. In der These 2 heißt es beispielsweise:
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"Es kann auf der Erde keinen Frieden geben, solange in der Liebe Krieg ist. Die Entstehung gewaltfreier Kulturen kann nur eintreten, wenn der Geschlechterkampf gründlich überwunden wird. Frauen werden sinnliche Räume und Begegnungsformen aufbauen, in denen sich die Geschlechter auf neue Weise begegnen und dadurch erkennen können. Sie folgen dabei dem Prinzip der Polarität und Ergänzung, der erotischen Anziehung und Einlösung. Sexualität ist hierbei ein wesentliches Element der Erkenntnis und der Solidarität. Frauen besinnen sich hierfür auf ihre eigenen weiblich matriarchalen Quellen und Kräfte. Daraus folgt der Aufbau einer partnerschaftlichen Kultur." |
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| Das "geheime Wissen" der Frauen |
Ein Lexikon "Das geheime Wissen der Frauen" aus dem Verlag Zweitausendeins wurde zur ersten umfassenden Informationsquelle weiblichen Wissens und Denkens. Das wichtigste an diesem Lexikon war, daß sein neuer Blickwinkel auf bekanntes Wissen dieses auf einmal in Frage stellte. Ich las das Lexikon ähnlich wie ein Buch, fast alle Beiträge. Insbesondere der weiblich-matriarchale Göttinnenkult waren beeindruckend. Ich las zum ersten Mal von der neuplatonischen Philosophin Hypatia aus Alexandrien, die im 5. Jahrhundert von christlichen Mönchen bestialisch ermordet wurde.
Die Zahl 13 - Anzahl der Perioden einer Frau im Jahr und übereinstimmend mit der Anzahl der Vollmonde - ist als "weibliche" Zahl der Verdammung ausgesetzt. Unglaublich, dieser Zusammenhang. Er wirkt fast wie konstruiert, nicht wahr? Das mag man bei einem solchen einzelnen Fakt denken, aber in der Summe der Fakten und Zusammenhänge, die dieses Lexikon vermittelte, war die fehlende weibliche Sicht in offiziellen Darstellungen nicht mehr zu ignorieren. So stammen z. B. Formulierungen mit "Jahr und Tag" ebenfalls aus der Zeit des weiblichen Mondkalenders: 13 Mondmonate (13 x 28 = 364 Tage = ein Jahr) und ein Tag ergaben den Jahresrhythmus.
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| Matriarchale Kulturen aus Ausweg? |
Dann fand ich im "Merkheft" des Verlages Zweitausendeins Hinweise auf die beiden Essaybände von Heide Göttner-Abendroth, in denen von einem ganz anderen Matriarchat berichtet wurde, als ich es mir bis dahin vorgestellt hatte. Hier war es, dieses Wissen, das man mir in der DDR vorenthalten hatte und das ich ohne die Wende wohl nie kennengelernt hätte. Die Beschreibung matriarchaler Kulturen in Geschichte und Gegenwart zeigten einen möglichen Ausweg aus dieser verfahrenen Männer-Gewalt-Politik der Gegenwart hin in eine lebenswerter Zukunft. In letzter Konsequenz war dieses Wissen umfassender als der Marxismus und dessen Zukunftskonzept. Sicher waren viele Elemente in beiden Gesellschaftskonzepten analog, überschnitten sich oder waren sich zumindest ähnlich. Doch darüber hinausgehend war es ein Konzept, das schon auf dem Weg frei von Gewalt war, das spirituelles Wissen einbezog und das auch der Geschichte einen umfassenderen Platz einräumte, als es der Marxismus tat. Und es war - so völlig anders als letzterer - ein "selbstbewegtes" Konzept. |
Eine längere Beschreibung des Inhalts der beiden Bände findet sich auf meiner Website www.die-besten-gedanken.de - Klick auf das Buch:
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Die Matriarchatstagung in der hiesigen Evangelischen Akademie im Jahr 1998 hinterließ ebenfalls ihre Spuren auf meinem Weg hin zum Verstehen des "weiblichen Denkens". Zwar mokierten Männer sich, daß wir "unter uns" sein wollten, Männer keinen Zutritt hatten. Doch ich denke, das ist genau das Problem der Verständigung: dieses weibliche Wissen ist für Männer nicht so leicht faßbar - schließlich liegt ihm eine völlig andere Denkmethode zugrunde als die in Europa seit Jahrhunderten übliche. Unbekanntes, Unverstandenes kann Mißtrauen oder Angst auslösen. Daher kann ich durchaus verstehen, daß diese Tagung bei Männern ein gewisses Unbehagen auslöste.
Ich denke, es muß und wird ein Weg gefunden werden, Männern die Angst vor dem "weiblichen Wissen" zu nehmen.
Der schönste Satz auf dieser Tagung war übrigens:
"Wo es Frauen gut geht, kann es Männern gar nicht schlecht gehen." |
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| Frauen-Mystik |
Im Jahr 1995 fand ich in einer katholischen Frauenzeitschrift den Satz des Theologen Karl Rahner |
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"Der Christ der Zukunft
wird ein Mystiker sein,
oder es wird keinen Christen mehr geben."
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Dieser Satz ist verallgemeinerungs-
würdig ... |
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Dadurch wurde ich auf das Wort "Mystik" aufmerksam. Einige Jahre später schenkte mir ein Freundin, eine Christin und Kirchenmitarbeiterin, das Buch der Theologin Dorothee Sölle
"Mystik und Widerstand", durch das ich anfing zu verstehen, was sich hinter diesem - meist falsch verstandenen - Wort verbirgt. Frau Sölle galt als "feministische Theologin" - doch ich denke, mit obigem Feminismus hat ihre weibliche Sicht auf Theologie nicht so viel gemeinsam.
Hier eine klitzekleine Kostprobe aus ihrem Buch, S. 91: |
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"Alle Mystik hat Teil am Versuch, diesem Verhängnis der Sprache, die dazu dient, Macht auszuüben, zu herrschen und zu besitzen, zu entkommen." |
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Damit wird hoffentlich schon deutlich, daß "mystisches" Denken "diesseitiges" Denken, weibliches Denken ist, egal, ob von Männern oder Frauen praktiziert. Damit wird hoffentlich auch deutlich, warum in allen Herrschaftsstrukturen Mystiker besonderer Verfolgung ausgesetzt waren. Auch Meister Ekkehard und Hildegard von Bingen sollte "der Prozeß gemacht werden". |
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| 6. Die Befreiung beginnt im Februar 1996 |
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Die Befreiung wovon?
Es war ein Mann, besser gesagt, mein erster richtig wütender Protest gegen die Auffassungen eines Mannes, der mich zu einem über meine Person hinausgehenden Nachdenken über männliches und weibliches Denken hinführte. Das witzige war, daß ich ihm zuerst in seinen Worten recht geben mußte, mich nur über die herablassende bis beleidigende Art ärgerte, in der er sie von sich gab. In diesem Spannungsfeld hat es sich übrigens wunderbar gedacht. Das Ergebnis war vorgegeben: ich mußte ihm beweisen, daß er sich auch in seinen Aussagen irrte. Wer sich seiner sicher ist, kann ohne Häme und Spott seine Gedanken zur Diskussion stellen. Das ist der Unterschied zwischen sich überlegen gebärdendem Wissen und Weisheit, die sich selbst zurücknehmen kann.
Mit diesem Gespräch begann ich, mich von jeder Autoritätsgläubigkeit frei zu machen, mit ihm begann endgültig mein "Selbst denken" - und es begann die Suche nach dem typisch weiblichen Wissen, Denken und Erkennen. |
Ausführlicher schildere ich dieses Gespräch in Selbst denken |
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Daß ich nur zwei Jahre später aus dem bewußten Aneignen dieses "anderen, weiblichen Wissens" heraus ein "weibliches Atommodell" denken und sich dadurch mein Leben völlig ändern würde, war damals absolut nicht vorhersehbar. |
zum Atommodell
siehe Fridolin |
| 7. Das Nach-Denken |
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Seitdem suche ich nach einer Lösung des Problems: Männliches Denken in der extremen Form, wie es heute in Politik und Wirtschaft, in Wissenschaft und Sport, in allen Bereichen praktiziert wird, hat sich zum Haupthindernis für die weitere Existenz der Menschheit entwickelt. Das kann leicht dazu verführen, männliches Denken generell abzuwerten und das weibliche als das "bessere" darzustellen.
Doch eigentlich geht es um die anstrengende, mühevolle Arbeit der Männer, das positive Potential ihrer Art zu denken, in die Gemeinschaft einzubringen, und die negativen Auswüchse, die sich in der Vergangenheit entwickelt haben, selbst wieder rückgängig zu machen. Es geht darum, daß die Männer selbst in ihren Reihen die Herrschaft der Dummheit und Gewalt beenden und die Herrschaft des Geistes, der Vernunft und Weisheit durchsetzen. |
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Inzwischen weiß ich, daß auch eine Überbetonung und alleinige "Herrschaft" des weiblichen Denkens in der Gesellschaft keine Lösung ist. Es geht nicht im geringsten darum, Männer "umzuerziehen" und ihnen durch diverse Übungen das weibliche Denken aufzuzwingen.
Es genügt schon, wenn Männer um weibliches Denken wissen und akzeptieren, daß daraus auch für sie Nutzen zu ziehen ist, daß es klüger ist, gemeinsam über Probleme zu reden und nach Lösungen zu suchen - daß sie also unser Wissen anerkennen und respektieren. |
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Kürzlich (im November 2008) fragte mich eine Amerikanerin, die glücklich war, daß Obama die Wahl zum Präsidenten der USA gewonnen hatte, was ich ihm sagen würde, wenn ich ihm denn etwas sagen könnte.
Meine Antwort war:
Hören Sie auf die alten Frauen. Sie haben alte Frauen aus allen Kulturkreisen der Welt in Ihrem Land - nutzen Sie deren Weisheit.
Als ich das sagte, wurde mir klar, daß die gesellschaftliche Erneuerung der Welt von den USA ausgehen muß - nicht nur, weil dort die Probleme am zugespitztesten sind, sondern weil dort auch das beste Potential zu deren Lösung zu finden ist: alle Kulturen der Welt - asiatische, afrikanische, europäische und die verschiedenen ur-amerikanischen - sind hier auf engstem Raum zusammen. |
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